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Hamburg möchte grüner fahren

Ein Car2go Elektroauto in Stuttgart (Foto: Julian Herzog)

Elektroautos werden immer beliebter, genau wie die Möglichkeit des CarSharings. Hamburg arbeitet mit den größten Anbietern der Fortbewegungsalternative zusammen und bringt dem Umweltschutz zuliebe die beiden Themen zusammen.

Gerade kommt man aus den angenehm gekühlten Laden und der Schritt an die eigentlich frische Luft fühlt sich an, als würde man gegen eine Wand laufen. Der Verkäufer hilft einem noch, das spontan gekaufte Möbelstück nach draußen zu tragen, aber nun steht man alleine da. Die Bahn zu nehmen, das möchte man mit einem großen und schweren Paket auf keinen Fall, vielleicht sind auch einfach die Verbindungen extrem umständlich. Ein Auto hat man als junger Hamburger sowieso nicht und auch Freunde, die vielleicht mit einem eigenen PKW gesegnet sind, haben gerade keine Zeit. Draußen ist es heiß, schließlich verschont die Hitzewelle auch Hamburg nicht. Was also tun? 

Seit einigen Jahren hat sich gerade in den deutschen Großstädten eine neue Möglichkeit der innerstädtischen Fortbildung herausgebildet. Beim Car Sharing leiht man sich einfach eines der extra dafür in der Stadt verteilten Autos. Per App findet man seine Rettung und so bezahlt man auch für die Verwendung. In unserer schönen Hansestadt sollen nun die zwei bekanntesten Car-Sharing-Flotten, Car2go und DriveNow mit Elektroautos ausgestattet werden. Ein weiterer Schritt in Richtung Umweltschutz, denn in Sache Elektroauto, da hinkt Hamburg hinterher. 

Hamburger mögen keine Elektro-Autos 

Seitdem in Deutschland Elektroautos eingeführt wurden, kämpfen ihre Hersteller, aber auch viele Umweltschützer für ihre Implementierung im Markt. 0,34% der Autos, die 2016 in Deutschland verkauft wurden, waren Elektroautos, eine ernüchternde Zahl. Der Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, erklärt dies dem Abendblatt gegenüber wie folgt: "Zentrale Probleme der Elektromobilität sind noch nicht gelöst; das gilt für die Reichweite, die Infrastruktur und den Preis.“ Geringe Verkaufsmengen sind also zu erwarten.

Wenn man allerdings nach Hamburg schaut, wird es noch schlimmer: nur 358 E-Autos wurden in 2016 angemeldet, das sind nur 0,26% Neuanmeldungen. Dementsprechend schaut auch die Hamburger Car-Sharing Flotte aus. Unter dem Namen Car2go bietet das Stuttgarter Unternehmen Daimler rund 800 blau-weiße Autos an, die man in der ganzen Stadt benutzen kann. Bisher ist keins davon ein umweltschonendes E-Auto, es wird also auch kein Zeichen an die Bürger gesendet, selbst auf emissionsärmere PKWs umzusteigen. 

Andere Städte gehen mit gutem Beispiel voran 

Anders als Hamburg haben Städte wie Stuttgart, oder auch Amsterdam und Madrid vorbildliche Car-Sharing Flotten, die zu hundert Prozent aus Elektroautos, oder zumindest Hybrid-Wagen bestehen und so den CO2 Ausstoß minimieren und essenziell die Umwelt schonen. Der Stuttgarter Student Yannik E. nutzt das Car Sharing Angebot mindestens einmal die Woche. Ihm gefällt, dass er sich nicht nur einfach fortbewegen kann: „Ich unterstütze dabei auch noch ein Projekt, dass ein Vorbild für andere Städte sein kann. Es ist gut für die Einwohner und gut für die Umwelt, eine Win-Win Situation!“ Geklappt hat es ja, Hamburg zieht ihnen nach. 

Jetzt soll alles anders werden 

Bis Ende 2019 soll unsere Hansestadt Schritt für Schritt mehr Elektroautos beherbergen. Daimlers Anbieter Car2go möchte ungefähr 400 elektrisch betriebene Car-Sharing-Autos anbieten. Dazu haben der Bürgermeister Olaf Scholz und der Vorstandschef von Daimler Financial Services, Klaus Entenmann, am Freitag den 19. Mai 2017 eine Absichtserklärung unterschreiben. Auf Worte müssen also nur noch Taten folgen. 

Auch der Car2go Konkurrent DriveNow, eine Kooperation des Autoherstellers BMW und der Vermietung Sixt, möchte in Hamburg zum Umweltschutz beitragen und hat eine Vereinbarung getroffen. Es sollen etwa 550 Elektro- und Hybrid-Autos zur DriveNow Flotte hinzugefügt werden. 

Die Stadt Hamburg selber sorgt dabei dafür, dass bis 2020 die benötigten Auflagestationen eingerichtet werden. 1150 Stück sollen über die ganze Stadt verteilt werden. Zusätzlich gibt es den Plan, als erste deutsche Stadt extra Parkplätze für Car Sharing Autos zur Verfügung zu stellen. 

Die Hansestadt macht damit einen Schritt, dem die Bevölkerung folgen soll. Es wird einfacher ein E-Auto zu fahren, also sollen immer mehr Menschen so der Umwelt etwas Gutes tun. 

Elektroautos können noch nicht ganz mithalten 

So positiv Elektroautos sich auch auf die Menge des CO2 Ausstoßes in Hamburg auswirken werden, man darf auch ihre Nachteile nicht unter den Tisch schieben. Yannik E. beschreibt auch, dass er immer wieder Probleme mit der geringen Reichweite der Autos hatte: "Die Wagen kommen nur so etwa 100km, wenn mann dann einen erwischt, der nicht ganz aufgeladen ist, aber schnell über die Autobahn zum Flughafen muss, kann man schon ein Problem bekommen"

Wer sich als Stadtmensch trotzdem noch den Luxus eines eigenen Autos, gerade eines Benziners, oder eines Dieselmotors gönnen möchte, sollte versuchen seinen ökologischen Fußabdruck in anderen Bereichen seines Lebens zu kompensieren. Die Stichwörter Mülltrennung, oder Strom-Sparen sollten nun wirklich niemandem mehr ein Fremdwort sein. 

Von Sabrina Osterhage
Veröffentlicht am 28.05.2017