Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Bienen

Herzensprojekt Honig aus der Hansestadt

„There is a bee on the roof“ ist eine hamburger Firma, die regionalen Honig produziert. Fünf Männer aus Frankreich hatten die Idee, auf den Dächern der Stadt Bienenstöcke aufzustellen - und nicht nur den Bienen so etwas Gutes zu tun.

Der Hafen, die Elbphilharmonie, das Rathaus, der Dom, dazu der Großstadttrubel - und mittendrin Bienenstöcke. Passt nicht, finden Sie? Entspricht auch nicht ganz der Wahrheit, denn die sind eher oben drüber, statt mittendrin zu finden.

Mit „There is a bee on the roof“ haben die fünf Franzosen Benjamin, Thomas, Jean-Baptiste, Paul und Sebastian eine Idee nach Hamburg gebracht, die es so zuvor bereits in Städten wie Sidney, Paris oder Chicago gab. Sie haben seit 2015 insgesamt acht Bienenstöcke auf drei Flachdächern der Hansestadt platziert, um so regionalen Honig zu produzieren. Den Gewinn, den sie mit dem Verkauf des Honigs erzielen, möchten sie nutzen, um in Hamburg Insektenhotels aufzustellen, damit sie neben den Honigbienen auch den Wildinsekten einen Platz in der Stadt bieten. Beiden Arten geht es in Hamburg im Gegensatz zum ländlichen Raum richtig gut.

Angefangen hat das Projekt mit dem Cousin eines Freundes der fünf Männer, der ihnen von seinem Hobby, der Imkerei erzählt hat. Daraufhin haben sie den Kampf gegen das Bienensterben mit dem Thema „eat local“ verbunden, denn im Gegensatz zu importiertem Honig erzeugt der aus Hamburg keine unnötigen Immissionen. Dieser Aspekt ist den Gründern so wichtig, dass sie ihre Produkte nicht versenden, stattdessen beliefern sie ihre Kunden gelegentlich mit dem Fahrrad.

Die Bienendichte in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren unter anderem in Folge von Pestiziden um 30% gesunken. Auch, dass es auf dem Land häufig nur noch Monokulturen einzelner Pflanzen gibt, lässt die Insektenpopulationen drastisch zurückgehen. Würden beispielsweise die Wildbienen eines Tages aussterben, könnten die Menschen etwa ein Drittel ihrer täglichen Nahrungsmittel nicht mehr ernten.

„In der Stadt gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen und keine Pestizide an den Blumen, weil Städte wie Hamburg das verbieten“, sagt Benjamin Puech, einer fünf Gründer. Aufgrund der großen Pflanzenvielfalt und der unterschiedlichen Blütezeiten finden die Bienen im urbanen Raum den ganzen Sommer lang Nektar und sind dabei keinen Risiken durch Chemikalien ausgesetzt.

Aber nicht nur die Bienen profitieren von ihrem Leben in der Hansestadt - dass der Honig mehr Vitamine und weniger Pestizidrückstände enthält, ist natürlich auch viel gesünder für uns Menschen.

Leben wie eine (Bienen-)Königin

Die Bienenstöcke befinden sich auf Dächern in den Stadtteilen Eimsbüttel, Rotherbaum und Neustadt. Letzterer Standort direkt am Baumwall bietet Ausblick auf den Michel und den Hafen - da kann man ja fast neidisch werden. Gefunden haben sie die geeigneten Plätze, indem die fünf Freunde auf Google Maps nach Flachdächern gesucht haben und anschließend auf die Unternehmen zugegangen sind. „Bei privaten Wohngebäuden hätten wir nämlich die Zustimmung aller Bewohner gebraucht und das wäre komplizierter gewesen“, so Puech.

Benannt werden die verschiedenen Honigsorten nach dem jeweiligen Stadtteil und der Erntezeit, denn davon gibt es jährlich nicht nur eine. „Man kann zwei mal im Jahr ernten, einmal den Honig der Frühlingsblumen und den der Sommerblumen“, erklärt Puech. „Von Anfang April bis Ende August sind wir jede Woche an den Bienenstöcken um zu checken, ob sie gesund sind, ob alles sauber ist und ob schon Honig da ist.“

Zu kaufen gibt es das fertige Produkt dann bei „Hermetic Coffee Roasters“ auf der Schanze, bei „Roots" in Ottensen, im „Kochhaus“ in Eimsbüttel und Eppendorf, bei „Hobenköök“ im Oberhafen und in der „Surf Shop Roastery“ am Fischmarkt.

Die fleißigen Großstadtbienen liefern allerdings nicht nur süßen Brotaufstrich: Die hamburger Seifenmanufaktur „La Meissner“ produziert seit Anfang des Jahres eine Seife aus deren Wachs. 

Zu Anfang des Projektes waren Benjamin, Thomas, Jean-Baptiste, Paul und Sebastian weit von den Bienenkennern entfernt, die sie heute sind. Durch YouTube-Videos haben sie sich ihr erstes Wissen über das Imkern angeeignet. Ihre Idee mag riskant gewesen sein, aber sie ist aufgegangen: Mit dem Gewinn konnten die Männer von „There is a bee on the roof“ bereits zwei Insektenhotels in Hamburg aufstellen. 

Den fünf Franzosen war es ein Anliegen, in Hamburg regionalen und damit umweltfreundlichen Honig anbieten zu können - das haben sie geschafft. Am allerwichtigsten jedoch ist: Sie wirken dem Bienensterben entgegen, denn den schwarz-gelben Insekten geht es in der Stadt an der Elbe richtig gut. 

Von Yuvina Kostrzewa
Veröffentlicht am 07.06.2019