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Podcasts

Hören statt Labern

Ein neues Medium arbeitet sich an die Spitze - Sich morgens in der Bahn mit den anderen Menschen unterhalten? Da hat fast keiner Lust drauf. Sich aber von anderen die Ohren vollquatschen zu lassen, ist jetzt voll im Trend. Also: Kopfhörer auf und Play drücken: „Hallo Leute, herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts…“

„Podcasts haben den Schritt zum Massenmedium vollzogen“, schreibt Katrin Otto, Redakteurin im Medienressort. Damit hat sie nicht ganz unrecht. Denn Podcasts sind voll im Trend. Mittlerweile würden rund 15% der Deutschen wöchentlich welche hören und die Werbeumsätze stiegen allein von 2016 auf  2017 schon um 85 Prozent.

Die neue Begeisterung für dieses Medium lockt auch zunehmend Vermarkter und Medien an, die Internetriesen wittern das Geschäft. Apple erforscht seit kurzem die Hörerdaten über Podcast-Analytics, Google plant eine eigene Suchkategorie für Podcasts, Spotify und Deezer produzieren sogar schon selbst, anstatt nur Zugeliefertes auf ihren Plattformen zu veröffentlichen.

„Es ist natürlich ein stark nachgefragtes Thema, auch im Werbemarkt“, sagt Frank Bachér, Leiter der digitalen Medien bei dem Hamburger Vermarkter RMS. Geschätzt wird das diesjährige Umsatzpotenzial für Podcastwerbung auf rund 700.000 Euro – mit noch einer deutlichen Entwicklungsmöglichkeit in den nächsten Jahren.

Es ist daher nicht gerade überraschend, dass der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) den Podcast als Trendthema 2018 deklariert hat.

Der Vermarkter AS&S Radio, war 2016 der Erste, der in die Podcastvermarktung einstieg. „Für Werbekunden seien Podcasts eine Möglichkeit, neue Zielgruppen mit einer längeren Botschaft zu erschließen als mit den üblichen 20-30 Sekunden Spots“, sagt AS&S Radio Chef Oliver Adrian. Die Werbung über dieses Medium ist wesentlich effektiver als bei anderen, da die Hörer sich bewusst ihre Audiobeiträge auswählen und konsumieren können.

In Sachen Vermarktungsansätze scheiden sich allerdings noch die Geister, da viele ausschließlich mit „Native Advertising“ arbeiten. Das ist eine Form von Werbung, die durch das Anbieten von Inhalten so gestaltet ist, dass sie sich nur schwer von redaktionellen Artikeln und Beiträgen unterscheiden lässt und die Aufmerksamkeit der Nutzer durch die Tarnung auf sich zieht. Für die Vermarktung fehlt es also aktuell noch an Messbarkeit und gemeinsamen Standards.

Von Lara Purkopp
Veröffentlicht am 30.05.2018