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HVV - öffentlicher Service nicht leicht gemacht

Quelle:pixabay

In einer Großstadt von A nach B kommen will gelernt sein. Und zwar nicht für die Fahrgäste, sondern den Nahverkehr. Geduld scheint das oberste Gebot zu sein, was im Hamburger Nahverkehr an allen Ecken und Enden fehlt.

Eine Großstadt, (k)ein Bahn-Service. „Aufgrund einer technischen Störung verkehren die Züge auf diesem Streckenabschnitt unregelmäßig und verspätet.“ Kaum ein Tag vergeht, ohne dass diese Durchsage nicht an den Bahnhöfen zu hören ist. Busse und Bahnen des HVV können die Massen an Fahrgästen nicht mehr bewältigen. Nur wo fließt dann das Geld aus den Preiserhöhungen hin? 

Als Großstadt ist Hamburg mit einem komplexen Netz aus Bus und Bahnhaltestellen verbunden. Von ca. 1,81 Mio. Bewohnern in Hamburg nutzen täglich 750.000 den HVV. Da muss der Ablauf schnell und einfach sein. Aber in den letzten Monaten sind die Meldungen über Störungen oder Ausfälle immer häufiger geworden. Die Hauptverkehrsseiten sind besonders stark ausgelastet, Gäste aus den Außenbezirken müssen in die City. Und alle müssen zwischen 8 und 9:30 Uhr da sein. Jede Bahn ist gerammelt voll. Dasselbe am Nachmittag ab 17 Uhr. 

Zwischen den Wohnorten in Süderelbe und der City ist der Druck auf gute Verbindungen besonders stark. Bei den Verspätungen nördlich der Elbe, haben Fahrgäste stets die Möglichkeit auf Busse oder Fahrräder auszuweichen. Oftmals ist um das Zentrum herum einfacher die Störungsbereiche zu umgehen. Fahrgäste aus Süderelbe, welche nicht mit dem Auto fahren wollen, haben oft nur die Wahl zwischen der S-Bahn oder den Regionalzügen. Und beide sind trotz der häufigen Fahrten überfüllt. Mit dem Fahrrad zu fahren dauert für viele zu lange und ist natürlich auch Wetter abhängig. Ohne den HVV kommt niemand auf einfachem Wege ins Zentrum. Wenn dann aber noch technische Störungen, Zugausfälle oder Bauarbeiten auftreten, sind Verspätungen vorprogrammiert.

Der HVV hält Kooperation mit insgesamt 30 Verkehrsunternehmen. Viele davon sind wohl nur in den Kreisen ihrer Zuständigkeit bekannt, einige aber auch in ganz Hamburg wie der KVG, HVV oder die nordbahn. Trotz der vielen Bahnen und Busse die täglich im Einsatz sind, kommt es weiterhin zu Verspätungen oder Beeinträchtigungen durch Baustellen. Die Zahl der Verkehrsmittel scheint jedoch nicht die Ursache zu sein. Dazu stehen immer Bahnen und Busse bereit um diese Verhinderungen aufzufangen. Außerdem kann sich jeder Fahrgast über geplante Baustellen informieren. Auf der Internetseite gibt es einen Plan, welcher die 13 Baustellen zwischen April und Juni auflistet. Auffällig sind besonders die 6 Störungen nur für die Verbindung der S3/S31. Viele betreffen auch den Weg über die Süderelbe. 

Zu den Baustellen kommen noch die täglich technischen Störungen oder kurzfristigen Ausfälle durch Polizei oder Krankenwagen Einsätze. Am Samstag 06.04. waren es 23 Meldungen, nur über Verspätungen. Es scheint beinahe unmöglich innerhalb der Stadt pünktlich von A nach B zu kommen. Und auch in der HVV App sind täglich 2-4 Meldungen über Verspätungen oder Ersatzverkehr. 

In den meisten Fällen beläuft sich die Zeit der Verspätungen häufig auf höchstens 30 Minuten, oftmals nur wenige Minuten, wenn nur die Haltestellen kurzfristig gesperrt sind. Bei Baustellen müssen Fahrgäste oftmals länger warten, besonders wenn die Ersatz Busse nicht mit den Massen der Fahrgäste mithalten können. Kunden brauchen starke Nerven um die Wartezeiten und Unannehmlichkeiten auszuhalten. Und auch über die überraschenden Einsätze durch Polizei oder Krankwagen an Haltstellen ist niemand erfreut. Verstimmt werden die Menschen auch durch die Aussagen und fehlendes handeln des HVV. Denn die Durchsagen an Bahnsteigen kommen oft erst längere Zeit nach dem eigentlichen Einsatz, wenn die Bahnen schon lange genug stehen bleiben, um die Mitfahrer zum Weggehen zu verleiten. Und wenn dann die Durchsagen kommen, läuft der Zugverehr kurz danach wieder. Wieso werden Fahrgäste erst so spät informiert? Und warum können die Bahnsteignazigen nicht aktualisiert werden, für die Mitfahrer welche die Durchsagen nicht verstehen können? In einer Großstadt lassen sich solche Einsätze oder Störungen zwar nur bedingt einschränken, aber der Informationsfluss sollte souverän gewährleistet sein. Und auch die Gründe sind nicht neu, da sollte sich in den Servicestellen bestimmt ein solides Verfahren entwickelt werden. Mit diesem lassen sich dann die Durchsagen und Meldungen schneller schalten. 

Auch wenn der öffentliche Nahverkehr ein sehr umfangreicher Service ist, besteht dennoch zwischen den Mitfahrern und dem HVV ein Vertrags Verhältnis. Wie bei jeder Dienstleistung müssen beide Parteien die Vereinbarungen einhalten, Kunden müssen rechtzeitig und richtig bezahlen, der HVV bietet Anbindungen und wenn möglich die Pünktlichkeit. Selbiges Verhältnis besteht bei jedem Nah- oder Fernverkehr. Und Fahrgäste können bei Nichteinhaltung auch eine Erstattung verlangen. Bei der deutschen bahn ist dieses schritt schon bekannt. Doch weniger bekannt ist, dass es diese Lösung auch für den HVV gibt. Wenn man also wieder einmal wegen einer technischen Störung oder Baustelle zu spät zur Arbeit kommt, lohnt es sich dieses Fahrgastrecht einzufordern. Mit Einschränkungen erhalten Fahrgäste eine Erstattung des Fahrpreises. Für die unterschiedlichen Fahrkarten gibt es aber verschiedene Höhen der Entschädigung. 

Es werden nur Verspätungen ab einer Dauer von über 60 Minuten erstattet. Die kurzfristigen Unterbrechungen des Zugverkehrs, die sich in dem Zeitfenster bis zu 60 Minuten bewegen, werden nicht erstattet. Ab dieser Dauer erhalten Fahrgäste 25 % des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt, ab 120 Minuten Verspätung 50 %. Bei Zeitkarten, wie dem Semester oder Monatsticket, und Tageskarten werden die Erstattungen pauschal gezahlt. Bei den Verspätungen ab 60 Minuten erhalten die Mitfahrer nur 1,50€ erstattet. Und auch die Beträge von weniger als 4€ werden nicht ausgezahlt. Dies lässt den Aufwand beinahe überflüssig erscheinen. Aber es lohnt sich, wenn die Entschädigungen für alle Verspätungen gesammelt eingereicht werden. Mitfahrer die nur zu Besuch in der Stadt sind wären von diesem Vorgehen wenig begeistert, aber für Dauerfahrer lohnt sich die Sammel-Erstattung. Dennoch werden nur maximal 25% des Fahrkartenwerts erstattet, wenn man eine Dauerfahrkarte besitzt. Bei einem Semesterticket (ca. 178€) sind es aber doch schon 44,5€. 

Es lohnt sich also, nach der Fahrt einmal daran zu denken das Formular über die Online Stelle oder den Servicestellen auszufüllen. 

Von Ann Katrin Meier
Veröffentlicht am 23.04.2019