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Neutrales Netz? Negativ.

Das Surfen im Web könnte bald ganz anders funktionieren (Quelle: Pixels)

Die Kampagne savetheinternet.eu kämpft für die Wahrung der Netzneutralität - aber was genau steckt eigentlich hinter diesem Begriff? Wir haben recherchiert.

savetheinternet.eu - Was erst einmal klingt wie eine Fortsetzung der beliebten Werbung in der eine Mutter fest davon überzeugt ist, sie hätte das Internet gelöscht, ist in Wahrheit eine Kampagne zur Netzneutralität. Doch was sich hinter dem Begriff wirklich verbirgt ist vielen nicht klar. 

Das Geschäft mit den Daten

Vereinfacht gesagt geht es wieder einmal darum, wer mit wem Geschäfte macht. Im Detail sind das die Netzbetreiber (auch Provider genannt) der europäischen Mitgliedsstaaten und Unternehmen die internetbasierte Dienste anbieten, also Facebook, Netflix, Spotify usw.  Bislang galt die Regelung, dass einzelne Anbieter wie Facebook nicht von den Providern nicht bevorzugt werden dürften. Jede Datenmenge müsste gleich schnell durch das Internet transportiert werden. 

Das Problem der Regelung ist, dass das im Oktober 2015 verabschiedete Gesetz der Netzneutralität sich laut savetheinternet leider auf verschiedene Arten lesen und verstehen ließe. Netzbetreiber versuchen nun, aufgrund der nicht wasserdichten Formulierung, die Netzneutralität zu umgehen. Begründet wird dies durch die Aussage, dass zum Beispiel im Falle eines Datenstaus wichtige Nachrichten nicht übermittelt werden könnten, sofern der Provider sie nicht priorisieren darf. Dass das aber bei weitem nicht der einzige Grund ist und eine Abschaffung der Netzneutralität für den Endnutzer gewaltige Auswirkungen haben würde, das wird häufig unterschlagen.

Die Qual ohne Wahl

Konkret für uns Internetnutzer würde es bedeuten: Zieht der eigene Netzbetreiber z.B. den Musicstreamingdienst Deezer dem bekannten Konkurrenten Spotify vor, dann kann es zur Folge haben, dass für die Nutzung von Spotify extra Gebühren anfallen. Natürlich wären nicht nur Musikdienste, sondern alle Internetanbieter mit Konkurrenz davon betroffen. „Die Bevorzugung macht es aber insbesondere kleineren Anbietern oder jungen Start-Ups schwierig, sich etwas aufzubauen“, erzählt mir Finn Köhler, der mit Valuable Words gerade selbst gegründet hat. „Und nicht kommerzielle Produkte, die unter Umständen den Aufpreis der Provider nicht bezahlen könnten, hätten ebenfalls keine Chance.“, ergänzt Mitgründer Felix Fricke, dessen Startup selbst 5% des Gewinns an NGO’s spendet. 

Alles in allem also ziemlich weit entfernt von dem Gedanken eines freien Internets, in welchem sich der Endnutzer bewegen kann.

Das dachte sich auch savetheinternet.eu, eine Kampagne, die von 12 Non-Govermental-Organisation,  kurz NGO’s, ins Leben gerufen wurde. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit möglichst vielen Stimmen im Rücken die BEREC (Abkürzung für Body of European Regulators for Electronic Communications) in dem Entschluss zu bekräftigen, ein für alle Mal die Schlupflöcher zu schließen. Bis zum 18. Juli konnte auf der Internetseite der Kampagne kommentiert werden - mit dem Ergebnis, dass 510.385 Nachrichten an die BEREC eingingen. Jetzt heißt es noch knapp eine Wochewarten, denn am 30. August wird die Telekommunikation-Behörde dann die finalen Beschlüsse bekanntgeben. 

 

Finn Köhler und Felix Fricke drücken die Daumen, dass im digitalen Universum dann weiterhin anbieterunabhängig nach Lust und Laune gesurft werden kann. 

Von Linn Maira Jäpel
Veröffentlicht am 20.08.2016