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And the green Jacket goes to...

Quelle: Pexels

Überraschung in Augusta. Patrick Reed, Spitzname Captain America, gewinnt das traditionsreiche US Masters. Nach 4 spannenden Runden streifte ihm Vorjahres-Sieger Sergio García das grüne Jackett für den Masters-Sieger über. Wer bis hierhin erkannt hat, dass es um Golf geht, der muss ein Spieler oder Fan sein. Doch wieso polarisiert Golf hierzulande so stark? Wie kann der Hype aus den USA nach Deutschland gelangen? Wie es nicht geht, haben wir leider schon erlebt…

Doch nun erst einmal zum wichtigsten Thema der Woche: Der Amerikaner Patrick Reed gewann das wichtigste Golfturnier des Jahres! Mit einem lauten „YEEES“ nach dem letzten Putt fällt die ganze Anspannung von dem 27 jährigen Golf-Profi ab. Mit 15 Schlägen unter Par trägt sich Reed in die Geschichtsbücher ein und gewinnt sein erstes Major. Nach einer spannenden Aufholjagd seiner Landsmänner Jordan Spieth und Rickie Fowler locht Reed zum Sieg ein.

Der strahlende Sieger beendet damit eine lange Durststrecke. Schon oft stand er kurz vor dem Triumph, konnte bis jetzt aber noch keins der vier großen Turniere des Golfs gewinnen. Bekannt ist Reed für emotionale und spannende Duelle beim Aufeinandertreffen zwischen den USA und Europa, dem Ryder Cup. Sein Match gegen den Nordiren Rory Mcilroy gilt bis heute als eins der denkwürdigsten Runden aller Zeiten.

Nur eines kann Reed nach wie vor nicht so richtig auf seine Seite bekommen: Die Zuschauer.

Großer Jubel nach Schlägen seiner Konkurrenten. Verhaltener Applaus für den neuen Masters-Sieger. Reed spaltet die Golfwelt. Die einen gönnen ihm den Erfolg, die anderen kommen nicht mit seiner Art zurecht. Im konservativen Augusta werden ihm Betrugsvorwürfe aus seiner Collegezeit noch immer nicht verziehen. Reed selbst kommentiert die ständige Kritik nur trocken mit: "Es ist mir egal, was die Leute sagen oder ob sie für mich Jubeln. Mein Job ist, Golf zu spielen." Und so verklingt der Applaus recht schnell, obwohl Reed dem Druck am letzten Tag standgehalten hat. Wie ein wahrer Champion. 

So groß der Hype für Golf in den USA ist, so klein ist er in Deutschland. Alt-Herren-Sport und nur etwas für die Reichen und Schönen. Während in den USA die Golf-Akademien voller junger Talenten sind, finden hierzulande wenige Kinder den Weg in einen Golfclub. Noch nicht einmal als Sport wird es von vielen anerkannt. 

Golf ist ein Mentalsport. Auch bei noch so guter Technik, wer sich nicht voll fokussieren kann, ist auf dem Platz verloren. Jeder Golf-Verachter sollte sich einfach mal 5 Stunden auf den Platz begeben. Bei strahlender Sonne 7 Kilometer gehen und dazu noch je nach Handicap 70 bis 130 Schläge machen. Wer dabei nicht schwitzt und nach dem 18. Grün am Ende seiner Kräfte ist, der hatte ein Cart dabei.

Also: Statt von außen zu urteilen, einfach mal ausprobieren und dann seine Meinung bilden. Das gilt auch für Kinder! Lasst eure Kinder selber testen, ob sie mit Golf etwas anfangen können. Wer weiß, vielleicht ist euer Kind der nächste Tiger Woods.

Eine Mitschuld am Golf-Dilemma in Europa tragen allerdings auch die Golfverbände. Golf wird in Europa nicht so promotet wie andere Sportarten. An Fußball, Handball und Tennis führt zurzeit kein Weg vorbei. Dagegen kämpft die europäische Golftour seit Jahren um Sponsoren. Auf der amerikanischen PGA Tour werden wöchentlich Preisgelder von 6 bis 11 Millionen Dollar ausgeschüttet. Die European Tour begnügt sich dagegen mit meist 1,5 Millionen Euro Preisgeld. Noch schlimmer sieht es im Damengolf aus. Während die Ladies PGA Spielerinnen um stattliche Beträge spielen, steht die Ladies European Tour seit Jahren kurz vor dem Zerfall. Ein großes Abspringen wichtiger Sponsoren führte dazu, dass viele Turniere gestrichen wurden und Preisgelder schrumpften. Seinen Lebensunterhalt mit dem Sport zu verdienen, ist nur noch schwer möglich.

Also wie kann sich der Golfsport in Europa aus diesem Sumpf befreien? Die Golfverbände müssen dafür sorgen, dass sich junge Menschen von ihnen angesprochen fühlen. Der Begriff Altherren-Sport muss aus den Köpfen verschwinden. Golf ist auch etwas für Kinder und Jugendliche. Je mehr junge Golfer es gibt, desto größer ist die Chance, auf ein Interesse von Sponsoren. Diese brauchen Gesichter, die sie vermarkten können und wollen. Junge erfolgreiche Golfer können den Golfsport so in Europa groß machen und den Hype in Deutschland entfachen.

Das lässt sich noch sagen: Geht auf den Golfplatz. Habt Spaß. Lasst eure Kinder mitspielen. Vielleicht ist unter ihnen der zukünftige Patrick Reed.

Von Robin Dittrich
Veröffentlicht am 10.04.2018

Robin Dittrich