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Body-Positivity

Den "perfekten Körper" gibt es nicht

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper beschäftigt besonders Frauen und Mädchen. Foto: unsplash

Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn: Am 11. Mai wird der Film "Embrace - Du bist schön" für einen Tag in den deutschen Kinos ausgestrahlt. Die australische Taryn Brumfitt ist Regisseurin und Hauptperson der Dokumentation, in der sie sich auf die Suche nach dem Ursprung von vermeintlich perfekten Körperbildern und der Unzufriedenheit von Frauen mit ihrem Körper macht.

"91 Prozent aller Frauen hassen ihren Körper". Mit diesem Statement beginnt der Trailer des Dokumentarfilms "Embrace - Du bist schön". Es ist ein Projekt, mit dem sich gegen sogenanntes "Body Shaming" - das abfällige Beurteilen des eigenen oder fremden Körpers - gestellt werden soll.

Vom Wohlfühlen und zu sich selbst stehen

Im Jahr 2013 erregte die Regisseurin und Hauptperson des Filmes Taryn Brumfitt großes Aufsehen, als sie ein Vorher-Nachher-Bild von sich auf Facebook veröffentlichte. Das war nichts spektakuläres, denn Bilder dieser Art werden sehr häufig gepostet. Menschen dokumentieren mit ihnen besondere Fitness- und Abnehmfortschritte, die sie innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erreicht haben. Die Australierin jedoch stach heraus, indem sie sich auf dem Vorher-Foto braun gebrannt und muskulös in einem Bikini zeigte und auf dem Nachher-Bild nackt - ihr von Muskeln definierter Körper war einer wohlgeformten Figur und einem leichten Bauch gewichen. 

Man sollte meinen, dass sich viele jetzt fragen: Wieso ist sie stolz darauf, zugenommen zu haben? Aber genau darum geht es gar nicht. Denn das Ziel der Dokumentation ist es nicht, besonders Mädchen und Frauen zu zeigen, wie ihr Körper auszusehen hat, sondern der Film soll zeigen, dass es allein darauf ankommt, sich in seiner Haut wohlzufühlen, egal was andere sagen. Dieses will Brumfitt mit Hilfe von Interviews mit Frauen auf der ganzen Welt den Zuschauern nahebringen. 

Als die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner ("Keinohrhasen") auf das "Embrace"-Projekt aufmerksam wird, gefällt ihr dieses sofort. Im Internet zeigt sie öffentliches Interesse, gerät so in Kontakt mit Regisseurin Taryn Brumfitt und wird kurze Zeit später zur Co-Produzentin des Films. In einem Interview, veröffentlicht auf der Website des UNICUM-Karrierezentrums, wird ihr die Frage gestellt, ob Leute sie als Co-Produzentin für diesen Film womöglich nicht ernst nehmen könnten, da sie ja Schauspielerin, schön und erfolgreich sei. Ihre Antwort: "Woher wollen die Leute wissen, wie es in mir aussieht? Vielleicht habe ich auch Probleme mit einem zu kleinen Busen, Cellulitis oder damit, dass ich so schlecht bräune. Es geht eben nicht ums Äußere, sondern darum, wie ich zu mir selbst stehe."

In sozialen Medien gegen Body-Shaming

Gerade in Zeiten von Social Media ist es für Benutzer von Instagram, Facebook und Co. nahezu unumgänglich, sich mit anderen Nutzern zu vergleichen. Wenn einem makellose Gesichter, teure Autos oder ein muskulöser Bauch auf der Timeline ins Auge springen, wird man schnell neidisch und fragt sich, warum man selbst das eigentlich nicht hat. Aus dem Grund ist es besonders wichtig, dass sich auch auf solchen Plattformen Menschen aufhalten, die Body-Shaming ablehnen und Body-Positivity ausstrahlen - Menschen wie die Hamburger Fitness-Bloggerin Louisa Dellert. 321.000 Menschen folgen ihr auf Instagram, wo sie über ihren Account "fit_trio" gesunde Rezepte, sowie Fitness-Übungen und Tipps postet. Wofür sie aber besonders bekannt ist, ist eben ihre positive Einstellung zu ihrem Körper und wie sie besonders Frauen und junge Mädchen dazu aufruft, einander und sich selbst nicht zu verurteilen, sondern sich selbst zu lieben.

Am 4.Mai wurde ihr der ABOUT YOU-Award in der Kategorie "Fitness" verliehen. Die Awards wurden den erfolgreichsten deutschen Influencern in verschiedenen Kategorien wie Beauty oder Lifestyle überreicht. Das Wort "Influencer" bedeutet übersetzt soviel wie "Beeinflusser" und wird häufig kritisch gesehen und belächelt. In Louisas Fall hat das Wort hingegen eine etwas andere Bedeutung, denn sie schreibt niemandem vor, wie er auszusehen hat oder sich verhalten soll, sondern setzt sich für eine Welt ohne Vorurteile und Schönheitsideale ein.

Auf ihrem Instagram-Profil postete die Hamburgerin vor einigen Tagen ein Bild, mit dem sie ihren Support für den neuen "Embrace - Du bist schön"- Film aufzeigt. Unter dem Bild beschreibt sie womöglich genau das, was auch der Film aussagen soll. "Behandle jeden Menschen so, wie du auch behandelt werden möchtest. Kein Mensch ist 'schlechter' oder 'besser' aufgrund seines Aussehens. Mehr miteinander statt gegeneinander. Mehr Nähe anstatt musternde und abwertende Blicke. Schenkt anderen Menschen ein Lächeln anstatt Vorurteile"

Kriegen wir die Kurve?

In einem 2016 erschienenen Artikel der ELLE, beschreibt die Journalistin Anna-Lena Koopmann hingegen, dass Frauen in den vergangenen Jahren zufriedener mit ihren Körpern geworden sind, als je zuvor. Grundlage für diese Annahme ist die Studie eines Forschungsteams aus Ohio, das über 30 Jahre hinweg Umfragen und Untersuchungen zu diesem Thema auswertete. Die zunehmende Zufriedenheit läge laut dem Artikel daran, dass Plus Size Models immer mehr zu Vorbildern würden und zeigen, dass Frauen ihre Kurven wertschätzen sollten anstatt sie zu verstecken. Das bisherige Schönheitsideal - je dünner, desto attraktiver - werde durch die kurvigen Models in Frage gestellt, so heißt es. Koopmann bringt es am Ende ihres Artikels auf den Punkt: "Das neue, aktuell angestrebte Frauenbild zeigt starke, selbstbewusste Power-Ladies, die ihren Körper nicht quälen, sondern feiern." 

 

Von Pauline Brenke
Veröffentlicht am 05.06.2017