Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Musik

Die Drachen erobern Hamburg

Quelle - Pixabay

Ein schwarz-weiß Teaser läuft im Hintergrund, die Menge ist durch den Auftritt von Sängerin K-Flay aufgeheizt. Die Spannung steigt, je länger der Film dauert. Er handelt von der Entstehungsgeschichte der Erde. Die Lichter gehen aus, das Publikum grölt. Auf einmal stehen sie alle auf der Bühne, 5 Männer die bereit sind, die Sau rauszulassen. Endlich geht es los. Erster Song: „I don’t know why“ - und die ganze Halle tanzt. I know why...

Imagine Dragons - was für eine Performance. Die Musiker aus Las Vegas rocken für zwei Stunden die Bühne. Hamburg ist an diesem Abend nur eine Station auf ihrer seit über einem Jahr andauernden Welttournee. Fast ihr komplettes 2017 erschienenes Album Evolve spielen sie an diesem Abend. 

Zwischen krachenden Rocksongs baut die Band mit Sänger Dan Reynolds, Sologitarrist Wayne Sermon, Bassist Ben McKee, Schlagzeuger Daniel Platzman und Keyboarder Elliot Schwartzman auch immer wieder ruhige, gefühlvolle Lieder ein.

An diesem Abend geht es den Bandmitgliedern jedoch nicht nur um Musik, sondern auch um die Geschichte von Frontmann Reynolds. Dieser erzählt von seiner bewegenden Geschichte.

Imagine Dragons gilt als einer der größten Rock/Alternative Acts der Welt, seitdem sie mit ihrer Single im Jahr 2012 den großen Durchbruch schaffen. Ganze 11 Billboard Music Award Nominierungen haben sie gerade erst wieder erhalten - völlig zurecht. 

Von Beginn an hat man das Gefühl, dass die Band alles gibt. Nachdem der muskulöse Reynolds noch im weißen Unterhemd startet, reißt er sich dieses mitten in der Show vom Körper und löst damit ein wahres Massen-kreischen der weiblichen Fans aus. Allgemein kann sich die Bühnenpräsenz sehen lassen, der Sänger springt die komplette Konzertdauer von der einen Seite auf die Andere. Währenddessen singt er sich mit kraftvoller Stimme die Seele aus dem Leib. Dahinter baut sich ein gigantisches Bühnenbild auf.  Auch Reynolds’ Co-Stars haben sichtlich Spaß, jeder von ihnen gibt an diesem Abend eine kurze Solo-Performance. 

Auch Liebhaber ruhigerer Musik kommen auf ihre Kosten. Bei der Hommage an den gerade verstorbenen DJ Tim Bergling alias Avicii in Form des Alphaville-Songs „Forever Young“ blieb kein Auge trocken, da jeder den Schmerz in der Stimme von Reynolds spürte. 

Den Spaß ließen sich die fünf Künstler davon allerdings nicht nehmen, mit aller Kraft performen sie ihre Welthits „Believer“, „Thunder“ und „On Top of the World“. Den krachenden Abschluss macht ihr Song „Radioactive“, der dafür gesorgt hat, dass sie innerhalb weniger Jahre von kleinen Clubs auf die großen Bühnen der Welt gekommen sind. 

Nachdenklich, aber überzeugend und gefasst wirkt Dan Reynolds vor seinem Song „Demons“. Dieser handelt, wie er erzählt, von seinen Depressionen, die ihn seit Kindestagen plagen. Wie von einem grauen Schleier umgeben und gefesselt habe er sich gefühlt, seine schlechten Momente habe er nur schwer in den Griff bekommen. Seine Lösung hat er darin gefunden, über seine Gefühle und Probleme zu sprechen und diese nicht für sich zu behalten. „Es geht darum, Dankbarkeit in meinen Fehlern und Schwächen zu finden, das hat mir endlich Freiheit gegeben. Es hat mich dazu gebracht, an mich selbst zu glauben“, sagt er dazu in einem Interview mit CBSNews.

Diese Einstellung möchte er seinen Zuhörern vermitteln und ihnen mit auf den Weg geben, dass man sich mit der Krankheit nicht verstecken, sondern in die Welt hinaus gehen und sich öffnen muss. 

Die Musik hat ihm dabei den Weg geebnet, um dieses neue Lebensgefühl auszuleben. Psychischen Krankheiten lässt sich nicht nur mit Musik, sondern mit Leidenschaft entgegenwirken, indem man seinen eigenen Weg findet und diesen mit Überzeugung bestreitet.

Nass geschwitzt und mit Konfetti im Haar wird das Konzert verlassen. Mit leichtem Rauschen in den Ohren nimmt jeder Zuhörer sein eigenes Highlight mit - egal ob es ein bestimmter Song, das Tanzen, die Geschichten oder der Körper des Sängers ist. Selbst imaginierte Drachen können also verzaubern und für ein Highlight sorgen.

Von Robin Dittrich
Veröffentlicht am 23.04.2018

Robin Dittrich

  • Meine Artikel