Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Technik

eSports - Zwischen Keller und Arena

Quelle: Pexels

Früher galten sie als Stubenhocker und Kellerkinder, heute sind sie gefeierte Stars. Spieler des Electronic Sports (eSports). Ob vor dem eigenen PC oder in großen Arenen. Die Branche boomt. Mit der neuen Regierung wurde eSports auch in Deutschland als Sport anerkannt. Die Meinungen darüber sind gespalten.

Über 40.000 Menschen strömen ins Stadion. Journalisten, Fans, Gamer. Sie alle warten nur auf ein Ereignis - das Finale 2014 im Spiel League of Legends. Das komplette WM Stadion in Seoul, Südkorea, ist ausverkauft. Weltweit bekannte Bands wie Imagine Dragons treten auf. 27 Millionen Zuschauer zählt der Online Stream an diesem Tag. Über 1,7 Millionen Euro Preisgeld werden ausgeschüttet. Faszination pur. Die Menge tobt, als die Spieler das Stadion betreten. Es soll ein eindeutiges und doch spannendes Finale werden. Die Südkoreaner aus dem von Samsung gesponserten Team „Samsung White“ gewinnen das Finale am Ende mit 3-1. Jubelrufe für die Sieger, anerkennendes Klatschen für das unterlegene Team.

 

Ein anderes Spiel, eine andere Location, die selbe Faszination. Das Spiel Dota 2 stellt jährlich Rekorde auf. „The International“ heißt das größte Dota 2 Turnier in Seattle, USA. Unglaubliche 18 Millionen Euro Preisgeld werden dort 2017 ausgezahlt, mitfinanziert durch Spieler. Tendenziell steigt diese Zahl Jahr für Jahr. 

Ist es also berechtigt, dass die neue Regierung den eSports zu einem Sport ernennt?

 

Auch Gehälter der einzelnen Stars steigen weiter. Der Südkoreaner Lee „Faker“ Sang-hyeok, bekanntester und erfolgreichster League of Legends Spieler, streicht 2017 ein Gehalt von knapp zwei Millionen Euro ein. Hinzu kommen Preisgelder von knapp einer Million Euro und Werbeeinnahmen. Da Spieler wie Faker in Südkorea wie Volkshelden gefeiert werden, sind sie dauerhaft in den Medien vertreten. Doch auch Ablösesummen werden immer höher. Erst kürzlich wechselte der deutsch-bosnische Counter Strike Spieler Nikola „Niko“ Kovac für knapp 500.000€ das Team. Auch wenn diese Zahlen noch nicht auf dem Niveau wie im Fußball angelangt sind, lässt sich doch ein ähnlicher Trend beobachten. 

 

Dass der eSport Menschen in Massen begeistert, sollte hier spätestens klar sein. Doch reicht das aus, um daraus einen Sport zu machen? Sport definiert sich durch „eine körperliche Aktivität, die man zum Vergnügen, zur Kräftigung des Körpers oder als Wettbewerb betreibt“. So weit, so gut. Doch vor allem die körperliche Aktivität spielt beim Sport eine wichtige Rolle. Reicht das Hantieren mit Tastatur und Maus dafür überhaupt aus?

„Es steht keine motorische Betätigung im Vordergrund“ sagt Anna S. dazu, die vor allem durch ihre Brüder auf das Thema eSports aufmerksam geworden ist. „Zudem könnten dadurch viele Kinder dazu verleitet werden, noch mehr Zeit vor dem Computer zu verbringen, da sie ja Sport treiben und nicht nur Spielen“.

 

Positiver sieht es Sebastian G., Student und Hobby-Spieler aus Hamburg: „Ein Argument für die Bezeichnung als Sport liegt schon bei der großen Anzahl an professionellen Teams, die mittlerweile existieren. Die Professionalisierung und die Einführung eigener Ligen spricht eine deutliche Sprache bei der Entwicklung des eSports“.

 

Im neuen Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es: „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland an. […] Wir werden E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen."

Der Präsident des eSport-Bund Deutschland, Hans Jagnow, reagierte erfreut über das veröffentliche Koalitionspapier: „Das ist ein massiver Schritt nach vorne für den eSport in Deutschland. Die Verhandlungspartner bekennen sich umfassend zum eSport als Teil der deutschen Sportgesellschaft“.

 

Ob damit ein richtiger und wichtiger Schritt getroffen wurde, wird man in Zukunft sehen. Die eSport-Szene kann so in Deutschland jedenfalls weiter wachsen und international konkurrieren. Die steigende Bedeutung der eSports-Szene auf dem internationalen Markt lässt die Kluft zwischen traditionellem Sport und eSport kontinuierlich geringer werden.

 

Ein Fifa-Spieler betreibt den selben Beruf - Profisportler - wie ein Fußballer, wer hätte das vor zehn Jahren für möglich gehalten?

Von Robin Dittrich
Veröffentlicht am 17.04.2018