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Fußball

GIB MIR FÜNF - Eine ganze Stadt bangt um den Dino!

Die Atmosphäre im Volkspark ist trotz des Sieges am vergangenen Wochenende gegen Konkurrenten SC Freiburg sichtlich angespannt, die Angst vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte steht den Verantwortlichen quasi ins Gesicht geschrieben. Fünf Punkte sind es nun noch, die dem HSV zu den Konkurrenten aus Mainz, Freiburg und Wolfsburg trennen. Schon am nächsten Wochenende könnte die Rothosen mit einem Sieg im alles entscheidenen Spiel gegen den VfL Wolfsburg auf nur zwei Zähler verkürzen. Aber nicht nur der HSV hofft, dass es in der nächsten Woche wieder einen Sieg gibt, sondern auch die Stadt Hamburg, die bei einem möglichen Abstieg genau so in Mitleidenschaft gezogen werden würde:

„In ganz Deutschland und Europa verbindet man Hamburg mit dem HSV“, beschreibt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher im Interview beim NDR. Der HSV sei von außerordentlicher Bedeutung für die Stadt und ein möglicher Abstieg wäre für alle Beteiligten eine Tragödie. Kein Wunder, denn die Marke HSV ist unter anderem auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Elbmetropole. 

Durch den eventuellen Abstieg in die Zweitklassigkeit muss die Stadt dann vor allem im Tourismusbereich mit Einbußen rechnen, das weiß auch Michael Otremba, Chef der Hamburg Tourismus GmbH: „Sport ist ein Feld, das auch Prosperität einer Stadt durchaus zeigt. Von daher fehlt uns bald schon ein scheinender Star.“ Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Fanszenen von Zweitligaclubs weniger Fans mitbringen als beispielsweise der FC Bayern, Borussia Dortmund oder Schalke 04. Viele Fans verbinden dazu ihren Trip zu Auswärtsspielen mit einem Kurzaufenthalt in Hamburg. Viele davon könnte es in naher Zukunft schon nicht mehr geben: „Ein Abstieg würde sich da sicher auch in den Übernachtungszahlen bemerkbar machen.“

Noch drastischer sieht das ganze Professor Henning Vöpel, der für das Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) bereits vor einigen Jahren die wirtschaftlichen Effekte des HSV auf die Stadt Hamburg untersucht hat. Seiner Einschätzung nach würden „im ersten Jahr des Abstiegs rund 30 Millionen Euro an Wertschöpfung für die Stadt wegfallen, im zweiten Jahr wären es dann sogar rund 50 Millionen“, erklärt er im NDR. „Das würde ein Verlust von 200- 300 Arbeitsplätzen bedeuten. Vor allem für das Stadtmarketing ist ein Bundesligaclub ein günstiger und wirkungsvoller Werbeträger, da die mediale Reichweite des Fußballs mittlerweile fast alle Bevölkerungsgruppen umfasst.“ 

Viel schwerwiegender ist allerdings die finanzielle Schieflage des HSV, der bei einem Abstieg mit rund 40 Prozent weniger Einnahmen rechnen müssen. Finanzvorstand Frank Wettstein und Clubchef Bernd Hoffmann planen daher nach einem möglichen Abstieg direkt mit dem Wiederaufstieg um weitere finanzielle Einschnitte für den Verein vorzubeugen.  Auch davor warnte Sportexperte Vöpel schon im Jahr 2014 im Hamburger Abendblatt: „Gelingt nicht der sofortige Wiederaufstieg, gerät ein Verein in finanziell schwieriges Fahrwasser. Der Kader ist nicht mehr refinanzierbar, Stars gehen, Zuschauer bleiben weg und Sponsoren steigen ab.“ Der Druck beim HSV wird in Zukunft also nicht geringer, sowohl bei den Spielern als auch bei den Verantwortlichen.

Von Leon Schulz
Veröffentlicht am 22.04.2018