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Medizin

Gleichberechtigung bei Anti-Baby-Pille?

Quelle: Pixabay

Jeder kennt sie und ihre Funktion: die Anti-Baby-Pille. Seit vielen Jahren nehmen Frauen auf der ganzen Welt das Verhütungsmittel ein. Bis jetzt war die Pille absolute Frauensache – Wird sich das in den nächsten Jahren ändern?

Ende der 1960er kam die Anti-Baby-Pille, umgangssprachlich auch nur die Pille genannt, auf den freien Markt. Seither ist das Verhütungsmittel nicht mehr wegzudenken. Mehr als die Hälfte der von Statista befragten Menschen in Deutschland gaben an, dass sie mit der Pille verhüten. Doch vielleicht wird sich genau das in nächster Zeit ändern.

Seit ein paar Jahren kommt nun immer wieder mal das Thema „Anti-Baby-Pille für den Mann“ auf, jedoch ohne wirklich großen Erfolg oder Fortschritt zu verbuchen – bis jetzt!

Die Wissenschaftlerin Stephanie Page von der University of Washington in Seattle forscht seit ca. 15 Jahren an langfristigen Verhütungsmitteln für die Männerwelt. Nun kann sie endlich die ersten Erfolge feiern, denn die neusten Testreihen mit der Anti-Baby-Pille für das männliche Geschlecht sind alle positiv verlaufen. An der aktuellen Studie nahmen 30 Männer teil, von denen ein Teil das neue Verhütungsmittel und der andere ein Placebo für 28 Tage verabreicht bekamen. Das Ergebnis: die körpereigene Testosteronproduktion in den Hoden und somit die Spermienproduktion wurde drastisch auf ein Fünfzehntel gesenkt.

Und genau das soll der Wirkstoff bezwecken. 11-Beta-Methyl-19-Nortestosteron-Dodekylcarbonat oder kurz 11-Beta-MNTDC nennt sich der Stoff, der in der Pille für den Mann steckt und für die Verhütung sorgt. Jedoch musste man auch kleine Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Ein paar der Probanden klagten über leichte Kopfschmerzen und eine Reduktion ihrer Lust. Die Nebenwirkungen sahen vor ein paar Jahren jedoch noch ganz anders aus. Viele beschwerten sich in früheren Studien über Akne, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen. Deshalb ist Stephanie Page über die neusten Studien sehr zufrieden und hat Hoffnung: „Wir arbeiten parallel an zwei oralen Verhütungsmitteln, um das Feld der Verhütungsmedizin voranzubringen und den besten Wirkstoff zu finden.“ Die zweite orale Verhütungsmethode für den Mann ist ein Gel, welches den gleichen Wirkstoff wie auch die Pille enthält.

Doch auch wenn die Pille für den Mann auf den Markt kommen würde, wäre überhaupt eine Nachfrage vorhanden? Laut der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, würden fast 50 Prozent der befragten Männer die Pille als langfristige Verhütungsmethode einnehmen. Jedoch stand auch für fast jeden dritten Befragten, also ca. 36 Prozent, fest, dass diese Methode zur Verhütung auf keinen Fall in Frage käme. Bei dieser Meinungsumfrage wurden 3043 Teilnehmer berücksichtig.

Auch wenn sich die Umfrage, sowie die Studien positiv gestalten haben, ist es noch ein langer, steiniger Weg für die Pille für den Mann. Denn bis dieses Verhütungsmittel tatsächlich auf den freien Markt kommt, werden noch ein paar Jahre Forschung vergehen. Denn eine Zulassung für ein Medikament zu erhalten ist ein langwieriger Prozess. Vor allem da noch nicht alle Nebenwirkungen zu 100 Prozent abgedeckt und erforscht wurden, da hierzu noch die Langzeitstudien fehlen. Weiterhin ist die Pille für die Männerwelt auch erst nach 30 bis 90 Tagen wirklich effektiv in Sache Verhütung, da steht also auch noch Verbesserung aus.

Man(n) darf also noch gespannt sein, wie sich dieses Verhütungsmittel für das männliche Geschlecht weiterentwickelt und wann es dann wirklich marktreif sein wird.  

Von Carlotta Danielsen
Veröffentlicht am 21.04.2019