Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Kommentar

Überall Verlierer

Ex- Bvb Trainer Thomas Tuchel

Borussia Dortmund trennt sich drei Tage nach dem DFB Pokalsieg von Trainer Thomas Tuchel. Der Neue ist schon da. Die Trennung schadet aber nicht nur dem Verein sondern auch dem Trainer.

Er hat einen besseren Punkteschnitt als sein geliebter Vorgänger Jürgen Klopp geholt. Er hat den BVB zweimal in Folge in die Champions League geführt. Er hat den DFB Pokal gewonnen.

Keine drei Tage nach dem Titelgewinn des Pokals muss Tuchel in Dortmund seinen Spind räumen. 

Der Fall kennt nur Verlierer. Die öffentlich geführte Beziehungskrise zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Thomas Tuchel hat endlich ein Ende. Der „Sanierer“ Watzke hat seinen Ruf aufs Spiel gesetzt. Seit der Winterpause gab er viele Interviews, in denen er den Trainer unter Druck setzte. Watzke, der von verletzter Eitelkeit getrieben wirkte, gefährdete die Ziele des Vereins. Auf der anderen Seite ist auch Tuchel geschrumpft. Seinen Ruf als fußballerischer Nerd, der sich mit Menschen schwer tut, hat er in Dortmund nicht korrigieren können. 

Die öffentliche Demontage des Trainers und die regelmäßigen verbalen Auseinandersetzung beider Seiten an die Medien haben in der ohnehin schwierigen Saison für permanente Unruhe gesorgt. Borussia Dortmund hat mit Thomas Tuchel viel gewonnen, aber am Ende eben auch viel verloren. 

Nach dem Attentat auf den BVB Bus vor dem Champions- League Spiel gegen Monaco wurde der Disput zwischen Watzke und Tuchel immer heftiger. 

Thomas Tuchel kritisierte seinen Vorgesetzten für die neue Spielauslegung öffentlich. Einen Tag nach dem Anschlag musste Borussia Dortmund im Viertelfinale gegen Monaco wieder spielen. Für den Trainer ein Unding, bei dem es aus seiner Sicht einen Mitschuldigen gab: Hans Joachim Watzke. Der Geschäftsführer bestimmte mit der UEFA, dass am nächsten Tag gespielt wurde. Watzke wurde somit zum Bösewicht. 

Doch Tuchel hat sich im Laufe seiner Zeit im gesamten Verein Feinde gemacht: Von den Mitarbeitern, über den Chefscout, bis zur Mannschaft. Es ist bezeichnend für Tuchel, dass er sich erst wenige Stunden vor der Trennung bei Twitter anmeldete, um sein Aus dort dann vor dem BVB zu verkünden. 

Erfolg macht oft sexy, doch Erfolg alleine reicht in der Fußballbranche eben nicht. 

Auch der Ort des Rauswurfs sorgt für ein großes Fragezeichen. Tuchel wurde in das Hotel einbestellt, vor dem der Bus fast explodiert war. Spricht auch für wenig Feingefühl für die Situation. Der BVB hat viel vor sich in der Sommerpause. Ein Schritt ist gemacht, der neue Trainer ist schon da. Peter Bosz. Bosz trainierte in der abgelaufenen Saison Ajax Amsterdam und erreichte das Europa Pokal Finale. Der Niederländer steht vor einer schweren Aufgabe. Fußballerisch war der BVB unter Tuchel eine echte Hausnummer. An die sportlichen Leistungen anzuknüpfen wird eine echte Herkulesaufgabe. Menschlich kann Bosz aber nur gewinnen. Er muss es eben schaffen zugewandter als sein Vorgänger zu sein. 

In der neuen Saison wird also nicht nur der neue Trainer am Erfolg gemessen, sondern auch der starke Mann der Borussia, der diesen Wechsel mit aller Macht wollte.

Von Jakob Silvester Schmidt
Veröffentlicht am 12.06.2017