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Gesellschaft

Volkskrankheit Burnout – das Massenleiden des 21. Jahrhunderts

Während die Krankheitstage auf Grund von körperlichen Beschwerden wie Magen- und Rückenproblemen sowie Herzleiden immer weiterabnehmen, bestimmen vorrangig psychische Erkrankungen das Bild der Gesellschaft.

Burnout, kaum eine Krankheit ist dem Volksmund wohl geläufiger. Nahezu jeder dritte Bundesbürger leidet unter einer psychischen Störung, die häufigsten Krankheitsbilder sind Depressionen, das Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörungen und Burnout. Laut dem Spiegel erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den beruflichen Stress zu “einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts”. 

Der Begriff Burnout, zu Deutsch “ausgebrannt”, beschreibt allerdings weniger eine Krankheit als einen Risikozustand. Denn der Begriff allein verrät nicht, welche psychische Leiden sich dahinter verbergen – vielmehr ist es eine Beschönigung für eine stigmatisierte Depression. “Dieser Risikozustand kann zu Depressionen oder Angststörungen führen” so Iris Hauth, die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).  Die Zunahme depressiver Störungen findet seinen hauptsächlichen Ursprung in den enormen Leistungsansprüchen der modernen Welt, welche in immer kürzeren Abständen erfolgen sollen. So dreht sich die Arbeitswelt zum Großteil nur noch um die Faktoren, wer die meisten Überstunden leisten kann, sich die wenigstens Wochenenden freinimmt und über seine normale Arbeitszeit hinaus zusätzlich Projekte und Sonderaufgaben übernimmt. Bloßes Multitasking funktioniere hierbei nicht mehr, “Es ist bloß ein enormer Stress für das Gehirn” so Hauth im Interview mit dem Spiegel. 

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt das Gesellschaftsphänomen, welches sich nicht nur in Deutschland wiederspiegelt. Experten der WHO-Studie “Global Burden of Disease” untersuchten für jede Weltregion die Belastung durch über 100 verschiedene Krankheiten, psychischer als auch physischer Art. Das Ergebnis ist ebenso erschreckend wie absehbar: Bereits heute verursachen Depressionen in den wohlhabenden, wirtschaftlich gut situierten Ländern die größte Krankheitslast. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichnen einen rapiden Anstieg von psychischen Leiden. So stellen die Experten der WHO-Studie die Diagnose auf, dass Depressionen bis 2030 weltweit eine der wichtigsten Ursachen Krankheitslasten werden – dies sogar vor Herz-Kreislauf-Störungen und AIDS.  

Der Risikozustand Burnout beschränkt sich allerdings nicht auf die hartarbeitende Mittelschicht der Gesellschaft, auch Prominente wie etwa der Nationaltorhüter Robert Enke, kämpften mit Depressionen und verloren den Kampf. Dieser nahm sich Ende November 2009 das Leben und löste mit dessen Ableben eine kollektive Trauer aus. Aber auch Kinder sowie Jugendliche leiden unter der Volkskrankheit Burnout. Laut einer Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts leidet jedes 10. Kind an Ängsten oder sogenannten depressiven Verstimmungen. 

Bislang ist das Thema Depressionen jedoch nach wie vor immer noch ein Tabuthema der Gesellschaft. Der körperliche und geistige Abbau, meist einhergehend mit Erschöpfung, Frustration und Reizbarkeit findet kaum Zuwendung in der Öffentlichkeit. Zu groß ist die Angst “gebrandmarkt” zu werden denn Depressionen wie auch Burnout gelten noch als Zeichen mangelnder Belastbarkeit. Zwar herrscht große Einigkeit darüber, dass die Gesellschaft endlich einen offenen Umgang mit psychischen Leiden finden müsse, geändert hat sich bislang allerdings wenig.  

Denn das Krankheitsbild an sich, begleitet die Menschheit tatsächlich schon seit vielen Jahrtausenden, so berichtet sogar das Alte Testament schon von präzisen Beschreibungen des Erschöpfungssyndroms. Schon der Prophet Elias, ermüdet vom Wunderwirken im Namen des Herrn, flüchtete in die Wildnis und verfiel in tiefe Verzweiflung, in welcher er bat “dass seine Seele stürbe” (1. Buch der Könige) - Später wurde eben dieses Leiden als sogenannte “Elias Müdigkeit” bekannt.  

Die Erschöpfung als Massenleiden ganzer Nationen ist allerdings ein Phänomen unserer Zeit. 

Von Julia Burger
Veröffentlicht am 19.05.2019