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Selbsttest

Bye Bye Tiefkühlerei

Obst und Gemüse (Foto: Michael Stern)

Das Internet, Zeitschriften, selbst die Werbung, der wir nicht entfliehen können, ist damit zugekleistert: Wie nehme ich ab, was ist der neuste Diätentrend, dem ich folgen sollte? Wichtig ist aber vor allem eine gesunde Ernährung! Nur was das heißen soll, da sind sie alle uneinig.

7:30 Uhr, der Wecker klingelt, ich drücke auf Snooze.

7:40 Uhr, der Wecker klingelt ein zweites Mal, trotz Augen, die kaum zu öffnen sind und einem Bett, welches mir noch nie gemütlicher erschein, quäle ich mich in eine aufrechte Position. Wie ein Zombie stelle ich die Kaffeemaschine an und wenig später erfüllt der Geruch von frischem Kaffee die Küche. Eine Schale selbst gemixtes Müsli mit Sojamilch dazu und ein halber Apfel, vielleicht auch eine halbe Banane, fertig ist mein Frühstück. 

10:30 Uhr, ein Dinkelbrötchen, das muss als Snack reichen, um viel mehr zuzubereiten hat die Zeit am Morgen nicht gereicht. 

13:00 Uhr, eine Stunde dauert die Mittagspause, ich gehe also an die Salatbar im Supermarkt nebenan. Viel grüner Salat, ein wenig Feta, ein paar Erdbeeren kommen in die Plastikschale Danach ein paar Körner, die mein Vater nicht wirklich liebevoll als Vogelfutter bezeichnet hätte. Dazu ein wenig Balsamico-Soße, bloß nichts allzu Fettiges. 

15:30 Uhr, ein Apfel, der noch vom Vortag in der Handtasche lag, soll meinen Hunger besiegen. Für den Notfall habe ich auch immer ein paar ganze Mandeln dabei.

18:30 Uhr, als Abendessen eine Süßkartoffel, in der Mikrowelle gegart, die ich mit geschmolzener Butter und verschiedenen Gewürzen bestreue. Dazu Brokkoli mit ein wenig Parmesan und als Dessert einen kleinen Naturjoghurt mit Honig. 

22:00 Uhr, ich stelle den Wecker für den nächsten Tag, zugegebenermaßen ein wenig hungrig. 

Es gibt wenige Dinge, die so fest im Tagesablauf verankert sind, wie die Mahlzeiten, die wir zu uns nehmen. Wir atmen, wir schlafen, wir trinken, wir essen. Eines davon wird behandelt wie kein anderes: Es hat sich eine Wirtschaft und Gesellschaft gebildet, um den Akt des Essens. Was dabei a meisten thematisiert wird, gerade in der näheren Vergangenheit, ist die gesunde Ernährung. Nicht mehr dem Trend nach neuen, immer absurder werdenden Diäten wird Aufmerksamkeit geschenkt. Dafür tauchen Superfoods auf oder Regeln, an die man sich für eine gesunde Lebensweise halten soll. Nach einer Umstellung von Tiefkühlpizza auf Salat, sind mir, so gut ich mich auch fühle, vor allem zwei Dinge immer wieder aufgefallen: Gesunde Ernährung ist anstrengend und sie ist teuer. 

Was ist gesunde Ernährung überhaupt?

Was genau eine Gesunde Ernährung bedeutet, da gibt es viele verschiedene Informationen und immer wieder kommen neue Erkenntnisse im Bereich der Ernährungswissenschaften dazu. Vor allem sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass jeder Körper anders ist, jeder Mensch hat also auch andere Ansprüche an seine Ernährungsweise. Was mir gut tut, kann meine Freundin möglicherweise überhaupt nicht leiden.

Generell ist ein guter Leitfaden, an dem man sich orientieren kann, das Prinzip der 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.

Beim Lesen fällt auf, dass sich nicht alle Empfehlungen um den Inhalt der Mahlzeiten drehen. Neben Regeln wie 5 am Tag, 5 Portionen von Obst oder Gemüse, die jeder zu sich nehmen sollte, oder Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal die Woche, Fleisch, Wurstwaren, sowie Eier in Maßen, ist es auch wichtig, in Ruhe zu essen und es zu genießen. Auch Sport zu treiben und viel zu trinken steht auf der Liste. Tipps, die man sowieso befolgen sollte, auch wenn man sich keine Ernährungsumstellung vorgenommen hat. 

Die erste Regel ist dabei jedoch die Wichtigste. Vollwertiges Essen und Trinken beinhaltet eine abwechslungsreiche Auswahl, angemessene Mengen und Kombinationen nährstoffreicher und energiearmer Lebensmittel. Eine gesunde Ernährung ist also vor allem eine ausgewogene Ernährung, gut für mich, denn ich habe das leise Gefühl, nur Gemüse würde ich nicht allzu lange durchhalten. 

Worten müssen Taten folgen

Als ich mich entschied die Tiefkühlpizza als Grundnahrungsmittel abzulösen, war vor allem eine Menge Planung nötig. Es ist nötig, sich im Voraus zu überlegen, wann man sich welches Gericht zubereiten möchte. Außerdem muss überlegt werden, wann man zu Hause ist, oder seine Reste mit zur Arbeit nehmen kann. 

Zusätzlich werden in einem Eine-Person-Haushalt oft nicht so viele Zutaten benötigt, wie der Supermarkt um die Ecke in einem Paket verkauft. Die Rezepte der aufeinander folgenden Mahlzeiten sollten also so aufeinander  abgestimmt sein, dass keine Lebensmittel im Kühlschrank vergessen werden und verderben. 

Ein ganzes Arsenal von gesunden Rezepten wird benötigt, um am Ball zu bleiben. Langeweile in der Essenauswahl führt schnell zu einem Rückfall in alte Verhaltensmuster und die gesündere Ernährung soll ja zum neuen Standard werden. Inspiration findet man dabei wie immer am besten im Internet. Websites wie Pinterest oder verschiedene deutsche Rezeptdatenbanken haben mir viele neue Ideen geliefert.

Auch die Vereinfachung von schon bekannten Rezepten und die Hinzugabe von gesunden Lebensmitteln kann gut funktionieren. Ich habe grundsätzlich immer einen oder zwei Beutel mit Tiefkühl-Brokkoli im Gefrierfach. Das hat gleich zwei Vorteile: Es ist weniger Platz da, den ich für Eis verwenden könnte und ich kann überall mindestens ein wenig Gemüse unterbringen. Spaghetti und Brokkoli mit Tomatensoße esse ich mindestens einmal die Woche und es schmeckt trotzdem jedes mal wieder gut. 

Money Money Money

Die dringend benötigte Planung kann anstrengend sein und nervig. Nicht immer hat man Lust zu kochen, dann reicht auch ein übrig gebliebenes Brot und am nächsten Tag muss in der Mittagspause etwas gekauft werden. 

Vor allem dann fällt auf, dass es verhältnismäßig teuer ist sich etwas Gesundes zu kaufen. Für meinen Salat zahle ich im Durchschnitt etwa 3,50€, einen Burger bei McDonalds bekomme ich für einen Euro. Die Kette Dean & David wirbt mit ihrem gesunden Essen, frisch zubereitet und "gesunder, leichter Ernährung". Ein Thai Curry kann man für fast 9€ kaufen, eine Fünf-Minuten-Terrine im kleinen Supermarkt nebenan ab einem Euro. 

Die einzig gute Möglichkeit, die ich habe, ist also wirklich mir mein eigenes Essen mitzubringen. Leider ist hier auch alles nicht so einfach, wie es scheint. Immer wieder werden gesündere Alternativen zu bereits existierenden Produkten vorgestellt.

Immer öfter lese ich auch, was bei einer gesunden Ernährung jetzt unumgänglich ist: Verbannt das Weizen aus euren Häusern, Dinkel ist was ihr braucht! Dinkelspaghetti kosten oft das drei- bis fünffache von normalen Spaghetti aus Weizengrieß. Zahlt ein kleines Vermögen für das nächste, beste, gesündeste Superfood! Kauft teure, pflanzliche Ersatzmilch, das ist nicht nur gesünder  für euch, sondern auch für die Kühe! Warum jede Einzelheit davon so wichtig und gesund sein soll, dass kann jedoch kaum jemand beantworten.

Auf jeden Fall wünschenswert wären allerdings Lebensmittel aus der Region, Bio und so natürlich wie möglich. Leider sind auch diese immer teurer als ihr eingeflogener, mit Pestiziden und Chemikalien versetzter Konkurrent.  

 

Was getan werden kann, ist wie so oft, den richtigen Mittelweg zu finden. Eine gesunde Ernährungsweise kostet mehr Geld und Aufwand, als der Abstecher zu McDonalds, oder der Griff zur Tiefkühlpizza, aber die gesundheitlichen Vorteile machen es in jedem Fall zur besseren Entscheidung. Der englische Politiker Winston Churchill sagte einmal: Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen. Wenn dass keine Motivation ist, sich trotz der Anstrengungen gesund zu ernähren, dann weiß ich auch nicht. 

23:45 Uhr, ich schreibe noch einen Artikel und esse Schokolade. Ab und zu gehört das auch dazu.

Von Sabrina Osterhage
Veröffentlicht am 05.06.2017