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Das unscheinbare Pfandregal

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Wir alle kennen sie: Die Pfandsammler in den Städten. Jetzt bereitet ein gut gemeintes Projekt den Sammlern Bauchschmerzen: Das Pfandregal.

Wahrscheinlich ist jeder von uns schonmal an ihnen vorbei gelaufen. Eine silbermatt glänzende Metallleiste mit Einlassungen, um darin Pfandflaschen bequem abstellen zu können. So unscheinbar und doch so einflussreich: Das Pfandregal.

Die neue Erfindung wurde an vielen Mülleimern in den Innenstädten angebaut. Doch so schön die Idee auch ist, für Sammler wurde die Lage dadurch nur noch schwerer. Das Pfandregal stellt einen Einkommensverlust, für die sowieso schon angeschlagenen Sammler dar. Viele Menschen sind in Deutschland darauf angewiesen. Allein im Jahr 2017 belief sich die Arbeitslosenquote auf 15,7 Prozent, das wären umgerechnet 12,9 Millionen Menschen die hierzulande arm sind, so die Zeit. 

Das Pfandregal sollte im Grundgedanken den angewiesenen Sammlern in den Städten helfen. Nachdem die Mülleimer so konzipiert wurden, dass durch eine bestimmte Klappe -„ein Kippmechanismus“- sich Pfandsammler keine Flaschen mehr aus dem Müll fischen konnten. „Es war schon immer ein probates Mittel, unerwünschte soziale Gruppen nicht explizit durch Verbote auszuschließen, sondern ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen. Man spart sich die ganzen Paragrafen und schafft ganz einfach Fakten“, berichtete der Freitag, das Meinungsmedium. Fakt in diesem Fall: Pfand sammeln war in dem Sinne nicht mehr möglich.

Der Designer Paul Ketz entwarf einen Ring, in den man die Flaschen an der Außenseite von Mülleimern stecken kann. Ketz bekam einen Preis vom Umweltministerium dafür, jedoch wollte kaum eine Stadt etwas von seiner Erfindung wissen. Seit August 2014 hat sich aber vieles geändert und die Pfandregale wurden weiterentwickelt und sind in vielen Städten zu finden. Doch stellen nun auch diese Regale eine Beeinträchtigung für Pfandsammler dar: Dadurch, dass man nun nicht mehr in den Mülleimer greifen muss, hat sich der Markt des Pfand Einsammelns erweitert. Es ist nun deutlich attraktiver nach den Flaschen zu greifen, wenn sie doch, wie auf dem Präsentierteller, in einem Regal stehen. So denkt sich auch der ein oder andere, der nicht auf den Wert des Pfands angewiesen ist, die 25 Cent nicht einfach stehen zu lassen. Eine größere Nachfrage an Pfand und Attraktvität ist entstanden, die den Pfandsammlern alles andere als zu Gute kommt, erzählt Alexander Berner, VWL Student der Universität der Bundeswehr in Hamburg.

So haben die Städte im Nachhinein doch ihr Ziel erreicht gegen die Pfandsammler anzugehen, wenn auch im indirekten Weg. So sollten die Regale doch eigentlich ein Schritt auf die Pfandsammler zu und nicht noch ein Schritt weiter weg sein.

Von Jennifer Fiene
Veröffentlicht am 26.05.2018