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Wohnen in Hamburg

Der Immobilienboom nimmt kein Ende

Immobilie in Eimsbüttel (Foto: Rica Koester)

Auch in Hamburgs Top Lagen wird nicht mehr allzu tief in die Tasche gegriffen. Immer mehr Bürger zieht es aufgrund der Preise und der Natur ins Umland von Hamburg.

„Wer in Hamburg den Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen will, der sollte jetzt nicht mehr allzu lange warten, sagte Jens Blohm, Direktor Immobilien bei der Postbank Immobilien GmbH in Hamburg.  "Die wachsende Bevölkerung und steigende Wirtschaftskraft werden die Immobilienpreise noch einmal um bis zu 50 Prozent steigen lassen“. 

Experten rechnen in dem nächsten Jahrzehnt mit einem Anstieg von mehr als 50 Prozent der Immobilienpreise. Ein Grund dafür ist, dass keine Stadt in Deutschland so schnell wächst wie Hamburg.

Die Einwohnerzahlen sind in den Jahren 2000-2015 um rund sieben Prozent gestiegen. Ein Grund dafür sind die zugezogenen Flüchtlinge, aber auch, dass die Stadt Hamburg für viele Bürger immer attraktiver wird. Dabei entsteht aber ein großes Problem. Es gibt eine steigende Wohnungsanfrage  in einer Stadt in der der Markt sowieso schon eine geringe Wohnungsversorgungsquote aufweist. Für 100 Haushalte gibt es nur 92 Wohnungen und das ist die schlechteste Quote in Deutschland. 

Selbst in unbeliebteren Stadtteilen steigen die Preise 

Ebenfalls hat eine Studie vom Abendblatt ergeben, dass die Immobilienpreise bis 2030 massiv ansteigen werden und dass die Preise der Eigentumswohnungen in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent gestiegen sind. Dabei muss man beachten, dass es in den verschiedenen Stadtteilen große Unterschiede gab.

In den letzten Jahren sind vor allem die Immobilienpreise in den Stadtteilen stark angestiegen, die sich nicht durch ein hohes Preisniveau auszeichnen. Hierzu gehören vor allem Rothenburgsort, Dulsberg und Ohlsdorf. 

„Hamburg profitiert vom Zuzug und dem wachsenden Angebot an Arbeitsplätzen", sagt Studienautor Michael Bräunender, Leiter des Economic Trends Research (ETR). So kam es auch dazu, dass die Erwerbstätigkeit in den letzten Jahren um 15 Prozent anstieg. „Die Einwohnerzahlen werden weiter steigen“, sagt Bräuninger. „Unter Einbeziehung der Flüchtlinge ist mit weiteren 108.000 neuen Einwohnern bis zum Jahr 2030 zu rechnen“.

Mehrere Faktoren spielen bei den Preisen eine Rolle

Aufgrund des bestehenden Mangels und der wachsenden Haushaltszahlen besteht bis 2030 ein jährlicher Neubaubedarf von mehr als 11.000 Wohnungen, wobei mehr als 1000 Einheiten pro Jahr für Flüchtlinge benötigt werden. 

Dabei spielen aber noch ganz andere Faktoren für das ansteigen der Preise eine wichtige Rolle. Der Anteil der Hochqualifizierten unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird von 22 auf 37 Prozent zunehmen und verbunden damit ist, dass die Menschen ein höheres Einkommen bekommen und auch höhere Preise und Miete finanziert werden können, so die Studie. 

Ein weiterer Antrieb der Wohnungsanfrage kommt durch die vielen Ein-Personen-Haushalte. Überdurchschnittlich viele Ein-Personen-Haushalte gibt es in Barmbek Nord mit 71,7%, danach kommt Eimsbüttel mit 68% und zum Schluss Winterhude mit 66,1%, so die Studie. 

Laut einer weiteren Studie, der Postbank- Studie gehören zu den teuersten Lagen der Stadt Harvestehude mit 7207 Euro pro Quadratmeter, die Hafencity mit 6784 Euro, Uhlenhorst mit 5550 Euro und Rothenbaum mit 5321 Euro pro Quadratmeter. 

„Knapp 30 Prozent Preissteigerung in den letzten fünf Jahren in der HaftenCity und Rothenbaum zeigen, dass dort die Preise nicht mehr so stark steigen“, sagt Bräuniger. Harvestehude und Uhlenhort verteuerten sich zwar auch um 57 Prozent, aber weisen bei weitem nicht die 70 Prozent auf. 

Dass Wohnen auch in Zukunft teuer bleiben wird, darauf lassen die Kosten der Grundstücke schließen. Wer Baugrund kaufen möchte, um darauf später selbst ein Haus zu bauen, muss in Großstädten im Schnitt neun Prozent mehr zahlen, als im Jahr 2015. In kleineren Städten, in denen es weniger an Bauland mangelt, steigen die Preise mit etwa vier Prozent vergleichsweise wenig an. 

Durch die steigenden Preise in den zentralen Lagen Hamburgs, ziehen die Menschen auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum ins Umland. Die Folge daraus ist, dass die Preise dort auch ansteigen. Für gebrauchte Eigentumswohnungen um 7,4 Prozent und für neue um 2,2 Prozent. Auch in den Stadtteilen, die nicht so beliebt zum wohnen waren sind die Preise gestiegen, weil sie immer mehr von den Bewohnern in Erwägung gezogen wurden. 

Ein Trend, von Klaus Völker von der LBS schon seit Jahren beobachtet: "Bei unserer letzten großen Erhebung 2005 zogen 23 000 Hamburger von der Stadt ins Umland - dagegen aber nur 17 000 in die Stadt. Diese Zahlen sind heute auch noch zutreffend, zwar wächst Hamburgs Bevölkerung, aber das kommt vor allem durch die Zugereisten, die ganz neu in die Stadt ziehen. 

Doch nicht nur das Geld ist für viele ein Grund aufs Land zu ziehen. Viele Familien, vor allem mit Kleinkindern suchen die Natur und das Grüne. Sich mal schnell auf einen Kaffee treffen, spontan ins Theater oder ins Kino zu gehen - all das ist auf dem Land nicht möglich, trotzdem hält es viele nicht davon ab aufs Land zu ziehen. 

 

 

 

Von Rica Köster
Veröffentlicht am 23.04.2017