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Nachhaltige Mode

Die Bibliothek der coolen Outfits

Kleidung kann nun auch ausgeliehen werden - zumindest bei der "Kleiderei". Foto: unsplash.com

Kleider leihen statt kaufen – mit diesem einmaligen Konzept haben Pola Fendel und Thekla Wilkening einen Nerv getroffen, denn so kann jeder nachhaltige Mode unterstützen und das ganz kostengünstig.

Jede Frau kennt es: Es ist 07:30 Uhr am Montagmorgen, die Zeit drängt, die Arbeit ruft, aber egal wie verzweifelt man im Kleiderschrank sucht, es ist einfach kein passendes Outfit zu finden. Und dabei platzt der Schrank schon aus allen Nähten. Aber irgendwie will trotzdem nichts so richtig zu der neuen Jeansjacke passen und so verbringt man eine geschlagene halbe Stunde damit, bis man sich endlich mit einem Outfit arrangiert hat. Nur was kann getan werden, wenn einfach kein Kleidungsstück mehr so richtig gefällt, aber auch kein Geld und kein Platz für neue Klamotten da ist?

Kleider leihen wie in der Bücherei

Pola Fendel und Thekla Wilkening haben dafür eine Lösung gefunden. 2012 eröffneten sie die „Kleiderei“  auf St. Pauli – das etwas andere Modegeschäft. Das Konzept, das in Hamburg so einmalig ist, beinhaltet, dass die Kunden dort die Kleidung nicht kaufen sondern leihen können. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie bei einer Bücherei. Mit einem Ausweis können sich Modeliebhaber vier Kleidungsstücke im Monat ausleihen, die sie nach einer bestimmten Frist zurück bringen müssen. Dafür müssen die Kunden zwar einen bestimmten Betrag im Monat bezahlen, dieser ist allerdings nicht annährend so hoch wie bei einem Neukauf der Kleidung. Mit der innovativen Geschäftsidee möchten die beiden Gründerinnen vor allem ein politisches Statement setzen, denn Billigmode, die unter unzumutbaren Bedingungen produziert wurde, kommt ihnen nicht in die Tüte. Mittlerweile hat die „Kleiderei“ so viele Anhänger, dass nun auch online Kleider ausgeliehen werden können. Außerdem gibt es einen weiteren Ableger des Geschäfts in Köln.

Zwei Kleiderschränke, eine Idee

Die Idee für die „Kleiderei“ kam Pola und Thekla während sie zusammen in einer WG wohnten. Da es ihnen ständig an guten Outfits mangelte, begannen sie, ihre Kleidung miteinander zu tauschen. Dabei stellten sie fest, dass der jeweils anderen ganz andere Klamotten gefielen als ihnen selbst. So wurden zum Beispiel Fehlkäufe, die noch kein einziges Mal das Tageslicht erblicken durften, von der Freundin mit großer Begeisterung getragen. Die beiden Studentinnen mieteten sich daraufhin ein kleines Ladenlokal in Hamburg und statteten es zunächst mit circa 300 Kleidungstücken aus. Diese bestanden anfangs noch hauptsächlich aus abgegebenen Klamotten aus ihrem Freundeskreis. Schnell aber vergrößerte sich das Angebot durch die Unterstützung von verschiedenen Designern und durch die Zusendungen von Kunden auf aktuell circa 3000 Kleidungsstücke.

Nachhaltigkeit bewusst erleben

Aber Pola und Thekla gründeten die „Kleiderei“ nicht nur, damit ihre Kundinnen endlich wieder etwas zum Anziehen haben. „You can´t feel pretty in something that´s dirty“ – das ist das Motto der beiden Mädels und soll darauf aufmerksam machen, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Mode der Billig-Discounter produziert wird. So riefen sie auch die „Fashion Revolution Week“ ins Leben, die an den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh bei dem 130 Menschen starben, erinnern soll. Das Ziel der beiden Studentinnen ist es, die Aufmerksamkeit der Menschen für nachhaltige und qualitativ hochwertig produzierte Mode zu erhöhen und diese bezahlbar zu machen. „Es ist nicht so, dass wir gegen das Kaufen sind. Wir lieben die Designer, die bei uns hängen, und wollen niemandem das Geschäft versauen“, so Pola. Die Mädels haben aber die Hoffnung, dass die „Kleiderei“ einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass die Menschen in Zukunft bewusster Mode einkaufen gehen: „Vielleicht merken sie, dass besser verarbeitete Sachen sich besser anfühlen und machen in Zukunft weniger Fehlkäufe.“

Von Karen Hackmack
Veröffentlicht am 05.06.2017