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Gesellschaft

E-Sports – Zwischen Ruhm und Sucht

Computerspieler in der E-Sports Szene sind Vorbilder für viele Jugendliche. Der Anklang riesig, das Geschäft wachsend. E-Sports kann zu Reichtum und Einfluss führen aber auch krank machen.

Egal ob Counterstrike, Fortnite oder League of Legends – mittlerweile ist das Wort “E-Sports”, welches allgemein das professionelle Spielen von Computerspielen bezeichnet, alles andere als ein Fremdwort.  Sogenannte “Professional Gamer” locken mit ihren Turnieren Zehntausende von Fans in Arenen, während einige Millionen die Matches von den Bildschirmen Zuhause aus verfolgen.  

 

Alle E-Sportler haben eines gemeinsam: Ihre Koordination von Gehirn, Augen und Reflexen sind exzellent. Das Training welches nötig ist, um sich auf diesem Level zu halten, ist allerdings unerwartet hart. Sechs Tage die Woche heißt es 12 Stunden lang nur spielen, es werden neue Strategien ausprobiert, bestehende Fähigkeiten werden ausgebaut und verbessert. “E-Sports ist wie Schach, nur dynamischer” erklärt Fabian Mallant gegenüber der Welt, Trainer der “Unicorns of Love”, ein E-Sports Team des Echtzeit-Strategiespiels League of Legends. Die meisten E-Sport Teams leben in einem “Gaming House” zusammen. Privatsphäre gehört der Vergangenheit an: man lebt zusammen, kocht zusammen und zockt zusammen – eine ausgewogene Work-Life-Balance sucht man hier vergebens.  

 

Trotz der massiv wachsenden Fangemeinden und der harten Arbeit, welche Pro-Gamer leisten, um sich jeden Tag aufs Neue behaupten zu können, ist der Job als solcher wenig gesellschaftlich anerkannt. “Ich glaube unser Job wird erst dann für Menschen greifbar, wenn es ums Geld geht”, erklärt Romain Bigeard, Manager eines E-Sport Teams für das Computerspiel “Dota 2”.  Games mit Weltmeisterschaften locken nicht nur Millionen von Fans an, auch die Gewinne, welche den Siegern eines solchen Events zu Teil werden, sind mehrere Millionen Euro. Die Gewinner der letzten “Dota 2” Weltmeisterschaft gingen mit über 6 Millionen Euro Preisgeld nach Hause.  

 

Solche Preisgelder lassen sich hauptsächlich von dem Verkauf der Spiele, als auch Sponsoren finanzieren. So hat der Spielehersteller “Riot Games”, hinter welchem das Spiel “League of Legends” steht, Ende 2015 durch seine Spieleinnahmen rund 1,4 Milliarden Euro verbuchen können – Tendenz steigend. Verantwortlich für solche Summen ist der Verkauf von sogenannten “Skins”, eine rein kosmetische Verschönerung des Charakters, welchen man spielt, ohne Auswirkung auf die Kampfkraft. Solche Skins starten bei 1-2 Euro und enden bei über 25 Euro, für eine einzige kosmetische Verschönerung. Bei einer Spieler-Basis von rund 67 Millionen Spielern weltweit verheißt das einen enormen Umsatz.  

 

Was für die einen allerdings Ruhm und ein Karrieresprungbrett bedeutet, bedeutet für andere Verzweiflung pur, denn manche Spieler kommen vom Bildschirm nicht los. Seit 2013 ist Computerspielsucht eine anerkannte psychische Störung. Es verhält sich ähnlich verheerend wie bei einer Alkohol- oder Drogensucht: begleitet wird die Abhängigkeit von sozialem Rückzug, Kontrollverlust über Emotionen und die Realität, Schlafstörungen als auch Leistungseinbruch in der Schule oder dem Beruf. Besonders gefährdet sind junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren. „Irgendwann in letzter Zeit war es so, dass ich tagsüber angefangen habe zu spielen, also irgendwie um 12 oder 14 Uhr aufgestanden bin, mich direkt vor den Computer gehockt und dann den ganzen Tag und die ganze Nacht gespielt habe, also schon 15 Stunden am Tag oder so“ gesteht Dennis, ein Computerspiel-süchtiger Teenager, gegenüber der Welt. 

 

Oftmals flüchten die Betroffenen in eine Parallelwelt, um traumatischen Erlebnissen oder der ungeliebten Realität aus dem Weg zu gehen. Wie viele jungen Menschen tatsächlich davon betroffen sind, ist schwer festzustellen. Wenn der Ruhm und die Möglichkeit die Sucht zum Beruf zu machen ruft, ist es schwer sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht.  

Von Julia Burger
Veröffentlicht am 02.06.2019