Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Essenskultur

Gastronomie 2k19

Ein erfolgreiches Restaurant oder Café bedeutet schon lange nicht mehr nur gutes Essen - auch die Atmosphäre muss stimmen und das Konzept soll gut durchdacht sein. Aber wie entwickelt sich die Gastronomie und inwiefern haben wir als Kunden und Verbraucher damit zu tun?

mokis goodies – das Hamburger Café hat sich in den vergangenen Jahren mit ihren Instagram-reifen Trendfoods wie Avocadotoast oder Acai-Bowls - gefrorene und pürierte Acai-Frucht garniert mit Toppings wie Früchten, Nüssen oder Müsli - einen Namen gemacht. Vor einigen Wochen gerieten sie jedoch aus einem anderen Grund in den Fokus der Öffentlichkeit: Denn in dem Café im Eppendorfer Weg sind Kinder unter sechs Jahren unerwünscht. Besitzerin Monika Ertl betonte in einem Instagram-Beitrag, dass diese Entscheidung allein wirtschaftliche Gründe und absolut nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun habe. Was folgte, war eine hitzige Diskussion, in der die Meinungen, ob so ein „Kinderverbot“ denn vertretbar sei, weit auseinandergingen. Bereits im August 2018 gab es Aufruhr in den Medien, als das Restaurant „Omas Küche“ auf Rügen bekannt gab, dass sie nach 17 Uhr nur noch Kinder ab 14 Jahren erlauben. Ab dieser Uhrzeit läge laut der Restaurant-Website der Fokus auf „Ruhe, Erholung und entspanntem Genießen“. 

Aber wie weit kann die Gastronomie in ihrer Definition von Ruhe, Erholung und Genuss gehen? Ist es tatsächlich denkbar, dass es künftig mehr Restaurants und Cafés geben wird, in denen bestimmte Altersgruppen ausgeschlossen werden? Ist unsere Gastronomie der Zukunft eher exklusiv als inklusiv und mehr individuell als kollektiv? 

Wir bestimmen, was auf den Tisch kommt

Mit dieser Frage hat sich kürzlich auch eine Umfrage des Online-Reservierungsportals OpenTable beschäftigt. Im Rahmen dieser befragte das Unternehmen 2000 Menschen zu ihren Vorstellungen und Wünschen bezüglich der Gastronomie. Laut der Website „Food Service“ sei dabei herausgekommen, dass insbesondere die Generation der Millenials (geboren zwischen 1980 und 1990) eine Speisekarte mit Raum für individuelle Abwandlung der Gerichte für wichtig hält. Dieses bezöge sich unter anderem auf mehr vegetarische Optionen, sowie eine allgemein höhere Kennzeichnung von Allergenen, wie beispielsweise Gluten. 

Es ist also anzunehmen, dass wir als Verbraucher und Kunden mit unserem Verhalten, sowohl online als auch offline, einen Wunsch nach Individualität und Trends äußern, an denen sich letzten Endes die Gastronomie von heute orientieren muss, um mithalten zu können. Denn auch die durch die Digitalisierung und durch soziale Medien mögliche Online-Bewertung von Restaurants und Cafés, macht den Betreibern ersichtlich, was ihre Kunden von einem Besuch bei ihnen erwarten und was sie letztendlich davon halten.

Katzen, Achterbahnen und das Mittelalter

Auch Hamburg als eine von Deutschlands Metropolen hat den Wunsch der Kunden nach Besonderheit und Individualität längst begriffen und umgesetzt. Restaurants und Cafés, die, wie beispielsweise das mokis goodies, ihr Augenmerk auf Nachhaltigkeit, Bio-Produkte und Superfoods setzten, gibt es mittlerweile an jeder Ecke und sind schon fast „normal“ in Hamburgs kulinarischer Szene. Es gibt jedoch auch Gastronomen, die sich das Wort „individuell“ ganz besonders zu Herzen genommen und einzigartige Konzepte ganz außerhalb des Mainstreams zum Leben erweckt haben. 

Im Café Katzentempel gibt es Frühstück, Mittag, Abendessen und Kaffee und Kuchen in besonderer Gesellschaft: denn wie der Name erahnen lässt, beherbergt das Café sechs Katzen, die sich dort frei bewegen. Die Tiere stammen aus dem Tierschutz und diesen haben sich die Betreiber auch in ihrem Angebot zum Vorbild genommen. Alle Speisen und Getränke sind dort nämlich vegan. 

Ebenfalls für eine besondere Atmosphäre sorgt „Schwerelos – Das Achterbahn-Restaurant“ in Hamburg-Harburg. Hier schweben kleine Töpfe in bis zu fünf Metern Höhe auf Metallgleisen über den Köpfen der Besucher, bis sie über eine Spirale hinunter an den Tisch gesaust kommen. Zur Mittagszeit öffnet das Restaurant seine Türen und serviert alles von lokal angehauchter Hausmannskost bis hin zu Kaffee und Kuchen gekonnt im Achterbahn-Stil. 

Wer wirklich mal außerhalb der eigenen vier Wände etwas andere Luft schnuppern möchte, sollte der Taverne „Zum tanzenden Einhorn“ einen Besuch abstatten. Hier treffen sich Rollenspiel- und Mittelalterfans um gemeinsam Honigwein oder Met zu trinken, Spiele zu spielen und einfach mit Gleichgesinnten das besondere Ambiente zu genießen. 

Von Pauline Brenke
Veröffentlicht am 07.04.2019