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Unsere Lebensmittel auf dem Prüfstand

Geht´s auch ohne Zucker?

Wir betreiben Raubbau an unserem Körper durch unseren Zuckerkonsum. Vollkornbrot ist plötzlich nicht mehr so gesund, wie gedacht und Zucker hat über 70 verschiedene Namen.

Wie viel Zucker tatsächlich in einem Produkt steckt, ist für den Verbraucher meist sehr schwierig zu erkennen. Klar, jeder weiß, dass Lebensmittel wie Cola oder Süßigkeiten sehr viel Zucker beinhalten. Aber wie ist das mit Krautsalat oder Vollkornbrot?

Man sollte eigentlich annehmen können, dass die Nährwerttabelle einen sicheren Indikator für den Zuckergehalt darstellt, doch in dieser Tabelle muss nur der herkömmliche Haushaltszucker deklariert werden, andere Süßungsmittel nicht. Diese werden zwar in der Zutatenliste angegeben, aber unter anderem Namen. Die Lebensmittelindustrie rechtfertigt dies, dass so für Allergiker die einzelnen Bestandteile besser zu erkennen sind. Für den herkömmlichen Verbraucher macht diese spezielle Deklarierung es jedoch immer komplizierter, seinen Zuckerkonsum in Grenzen zu halten. Andere Namen für Zucker sind zum Beispiel Dextrose, Glukose-Sirup, Traubensüße oder Gerstenmalzextrakt. Insgesamt gibt es über 70 Bezeichnungen für die verschiedenen Arten von Zucker.

Zucker ist nicht nur sehr günstig, sondern sorgt außerdem für mehr Geschmack und Fülle. Daher greifen Lebensmittelhersteller statt hochwertigerer Zutaten oft auf Zucker zurück. Dabei wird nicht einmal vor Produkten für kleine Kinder halt gemacht und das stellt daher oft ein Gesundheitsrisiko für diese dar.

Die Empfehlung der WHO für den täglichen Zuckerkonsum liegt bei 30 Gramm für erwachsene Frauen und 40 Gramm für Männer. Wer das im Hinterkopf hat, wird schnell merken wie schnell dieser Bedarf gedeckt wird, ohne dass wir auch nur eine Süßigkeit essen. Ein Erwachsener isst im Durchschnitt 150 Gramm Zucker, also viel zu viel. 

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat bereits eine bessere Deklarierung unserer Lebensmittel gefordert. Eine sogenannte "Lebensmittelampel“. Man hätte so die Möglichkeit, am Lebensmittelregal sofort die Produkte mit viel Zucker zu erkennen und so zu vermeiden. Doch bereits 2010 hat das Europaparlament die Ampel abgelehnt.

Zucker für das Wohlbefinden?

Seinen Zuckerkonsum grundlegend zu ändern, kann ein schwieriges Unterfangen sein, wenn man bedenkt, dass der Mensch seit seiner Jugend darauf konditioniert und damit sozialisiert wurde. „Wir haben eine tiefe emotionale und physische Verbindung zu Süße“, sagt Sarah Wilson, Bestseller Autorin von „Goodbye Zucker“, in ihrem Buch. Alleine der Gedanke daran, dass man nicht auf etwas Süßes zurückgreifen kann, wenn man sich glücklich fühlt, etwas feiern will, oder wenn man müde, ausgelaugt oder traurig ist, stellt viele Menschen vor ein großes Problem. Welche Frau hat noch nie erfahren, wie tröstend eine große Packung Eiscreme oder eine Tafel Schokolade bei Liebeskummer sein kann? Oder wie gut ein Schokoriegel über ein Nachmittagstief hinweghelfen kann?

Gibt es gesunde Alternativen?

In Obst oder Trockenobst befindet sich Fructose, die natürlichste Zuckerverbindung. In diesem Fall wird der süße Geschmack gleich mit Vitaminen und Mineralstoffen zusammen geliefert. Allerdings hält Fructose nicht lange satt und wird schneller in Körperfett umgewandelt.

Honig ist ebenso wie Obst ein Naturprodukt, jedoch eine fast reine Zuckerverbindung. Neben Fructose und Glucose enthält Honig vor allem Wasser, aber auch einige Vitamine und Mineralstoffe. Er ist dem Haushaltszucker dennoch vorzuziehen, da nach der deutschen Honigverordnung dem Honig keine Zusätze zugeführt werden dürfen. Er ist also ein reines Naturprodukt. Honig ist allerdings sehr kalorienreich, und auch die Herstellung von Honig ist oft problematisch – so erhalten Bienen als Ersatz für ihren Honig eine Zuckerlösung, die auf Dauer für die Tiere sehr ungesund sein kann.

Eine weitere Alternative stellt die Stevia Pflanze dar. Sie stammt aus Südamerika und schmeckt wesentlich süßer als Zuckerrüben oder Zuckerrohr, enthält jedoch keinen Zucker und somit auch keine Kalorien.

Kann man sich ohne Zucker ernähren?

Ich habe versucht, bewusst keinen Zucker zu essen und musste feststellen, wie schwierig sich dieser Plan in die Tat umsetzen lässt. Denn plötzlich muss man seine Nahrung komplett selbst zubereiten. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass in einer Dose Ananas 30 Würfel Zucker stecken? Oder in einem Glas Rotkohl 25 Würfel? Oder dass 100 Gramm Cornflakes immerhin 12 Würfelzucker enthalten? Und womit ich auch gar nicht gerechnet hätte: Krautsalat enthält auf 100 Gramm 12 Gramm Zucker und auch Brot wird mit Zuckercouleur gefärbt, damit es auch schön braun gefärbt ist und somit richtig gesund aussieht.

Die Liste der Lebensmittel, in denen Zucker enthalten sind, ist gefühlt endlos lang. Für den Einkauf im Supermarkt musste ich also plötzlich das dreifache der Zeit einrechnen, weil ich schließlich jede einzelne Zutatenliste studieren musste und gegebenenfalls die Fachbegriffe erstmal googeln musste, weil sie für den Laien einfach nicht zu verstehen waren. Wahrscheinlich geht dies mit ein bisschen Routine irgendwann schneller, aber erstmal stellt dieser lange Einkauf  ein Problem dar. Wer hat schließlich genügend Zeit um den halben Vormittag im Supermarkt zu verbringen? Also ich definitiv nicht und so war ich schon nach meinem ersten zuckerfreien Einkauf ganz schön genervt von meinem neuen Projekt.

Und ich war genervt von der Lebensmittelindustrie, denn gefühlt war fast jedem Produkt Zucker beigefügt worden. Teilweise um es länger haltbar zu machen, als Geschmacksverstärker, oder einfach nur, damit es schöner aussieht. Doch ich möchte keine Lebensmittel, die einfach nur schön aussehen – ich möchte Lebensmittel, die das halten, was sie versprechen.

Und leider muss ich zugeben, meinen Selbstversuch für ein Leben ohne Zucker nicht lange durchgehalten zu haben. Irgendwie hat dann nach drei Tagen doch der innere Schweinehund gesiegt und aufgrund mangelnder Zeit durch Arbeit und Uni musste Essen dann doch ein bisschen schneller gehen, beziehungsweise war keine Zeit mehr übrig für einen erneuten langen Einkaufsbummel mit Zuckerrecherche durch den Supermarkt. Doch mitgenommen habe ich für mich einiges und in Zukunft werde ich grade bei meinen Lieblingsprodukten noch ein bisschen genauer auf die Zutatenliste schauen. 

"Wenn Plan A scheitert, dann gehe über zu Plan B : Schokolade essen." Jean Kelsey (Amerikanische Autorin), oder man muss sich vielleicht doch mal einen Plan C überlegen...

 

 

Von Laura Eder
Veröffentlicht am 15.06.2016