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Depression

Generation Leistungsgesellschaft

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Laut einer aktuellen Studie der Barmer Krankenkasse erkranken immer mehr junge Studenten durch Leistungsdruck an einer psychischen Störung.

Termine, Projekte, Deadlines. Der Kalender ist voll von ToDo-Listen und eine ist länger als die andere. Schnell wird klar welch stressige Wochen dem Studenten Timo D. bevorstehen. „Neben meinem Studium habe ich noch einen Nebenjob, der mich zusätzlich fordert. Es ist manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen und auch noch Leistung zu erbringen. Besonders, wenn die Klausuren Phase vor der Tür steht.“

 Vielen Studenten geht es wie Timo, einigen sogar noch schlimmer. Knapp eine halbe Million Studenten haben laut einer aktuellen Barmer-Studie (Krankenkasse) eine psychische Erkrankung. Ursache dafür sind Zeit- und Leistungsdruck sowie Zukunftsängste.

 Die Tendenz ist steigend. Laut der Weltgesundheitsorganisation werden Depressionen im Jahr 2020 die zweithäufigste Volkskrankheit sein. Eine erschreckende Prognose. ,,Gerade bei den angehenden Akademikern steigen Zeit- und Leistungsdruck kontinuierlich, hinzu kommen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste", erklärt Christoph Straub, Chef der Barmer. Risikogefährdet sind auch besonders junge Erwachsene, deren Eltern bereits schon einmal erkrankt sind.

 Typische Symptome sind allgemeiner Leistungsabfall und diffuse körperliche Beschwerden, angefangen bei Appetitverlust und Schlaflosigkeit, bis hin zur allgemeinen Lustlosigkeit und innerlicher Unruhe. Nicht zu vergessen Angst und Traurigkeit.

 ,,Dass man das Studieren nicht mehr aushält, muss man sich erst mal eingestehen. Jeder erzählt einem doch, das sei die schönste Zeit im Leben“, erzählt eine Betroffene im Gespräch mit Spiegel Online. Viele Studenten greifen, bevor sie sich das Problem eingestehen, zu Mitteln die ihre Leistung steigern. Angefangen bei Koffein bis hin zu Ritalin, auch bekannt als das Studenten Medikament. Ritalin bekommen normalerweise Patienten, die unter ADHS leiden, da es die Konzentrationsfähigkeit fördert. Daher ist es auch verschreibungspflichtig. Die konsumierenden Studenten besorgen es sich deshalb meist auf anderen Wegen.

Die erhoffte Wirkung: Konzentrationsfähigkeit und Leistungssteigerung. Dieser Ausweg fällt nicht nur unter Medikamentenmissbrauch und kann langfristige Folgen haben, er löst auch die Probleme der Studenten nur kurzfristig. Es müssen andere Lösungen her.

Laut der Barmer sind mehr niedrigschwellige Angebote erforderlich, die die psychischen Erkrankungen vermeiden und sogar vorbeugen sollen. Dies gilt besonders für Betroffene, bei denen bereits Symptome erkennbar sind.

,,Ein großes Potenzial sehen wir daher in Online-Angeboten, vor allem, wenn sie anonym sind und den Nutzungsgewohnheiten der Generation Smartphone entgegenkommen", so Straub.

Von Anna-Lena Bußmann
Veröffentlicht am 21.05.2018