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Gerade nochmal daVan gekommen.

Bild: Instagram radiofm4 (https://www.instagram.com/p/BFwQvanLvPx/?taken-by=radiofm4)

Alexander Van der Bellen gewinnt nach Bluthochdruck produzierendem Wahlmarathon die Wahl zum Bundespräsidenten - mit einem Vorsprung von 0,3 %.

Das Wahlwochenende ließ viele Österreicher ungut schlafen. Zu greifbar die Angst, der rechte Politiker Norbert Hofer könnte gewinnen – schließlich lagen die Chancen bei 50%. Das Rennen machte am Ende der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,3%, das entspricht etwa 31.000 Stimmen.

Damit steht nach der Wahl fest: Das Land ist sich uneinig. Wähler eines eigentlich breit gefächerten Spektrums wurden in zwei Extreme gezwängt. Zwischen diesen Extremen gilt es nun für Van der Bellen zu vermitteln, zu einen und eine Politik voranzutreiben, die den Österreichern ihre Sorgen nimmt. Nichtsdestotrotz bleibt ein bitterer Nachgeschmack, dass das Nachbarland nur haarscharf an einer Politik vorbeigeschrammt ist, die uns schon vor mehr als 70 Jahren in eine Katastrophe manövriert hat. 

Die Wähler

Hinter diesem knappen Wahlergebnis stehen Wähler, die relativ eindeutig jeweils einem der beiden Kandidaten zuzuordnen sind.  Hofer wurde zu 60% von Männern gewählt, Van der Bellens Wähler sind zu 60% Frauen. Hofer gewann ländliche Regionen für sich, die Menschen in den Großstädten machten ihr Kreuzchen bei Van der Bellens Namen. Die Wähler des Grünen hatten zu 76% Menschen ihre Matura (=Abitur) oder einen höheren Bildungsabschluss, Hofers Sympathisanten dagegen hatten zu 62% keine Matura. Spannend auch die Wahlmotive der Österreicher: So erhielt Van der Bellen viele Stimmen derjenigen, die nach dem Motto „alles, aber nicht rechts“ wählten. Hofer hingegen wurde zu 68% mit dem Leitmotiv „Der versteht meine Sorgen“ gewählt. 

Das Amt des Bundespräsidenten:

Wichtig sind die Wahlergebnisse auch, weil der Bundespräsident (im Gegensatz zur deutschen Politik) nicht nur eine repräsentative Aufgabe inne hat. Rein theoretisch dürfte der jeweils auf sechs und maximal zwölf Jahre gewählte Politiker zum Beispiel grundlos die komplette Regierung entlassen. Hinzu kommt: Der Bundespräsident ist der Oberbefehlshaber des Heeres - eine Position, bei der man sich definitiv eher einen Van der Bellen als einen Hofer herbeigewünscht hat. 

 

Von Linn Maira Jäpel
Veröffentlicht am 24.05.2016