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Umweltschutz

Hamburg füllt sich ab!

Noch Ökologischer als Pfand: Eine Karte zeigt Hamburgern und Touristen jetzt, wo sie sich Trinkwasser abfüllen können - ganz kostenlos.

Wenn die Tage wärmer werden wird die Flüssigkeitsaufnahme noch wichtiger. Gerade wenn man in der Stadt unterwegs ist, ist es kein Problem, Wasserflaschen und andere abgefüllte Getränke an jeder zweiten Ecke käuflich zu erwerben. An Wochenenden und bei Events, wie dem Hafengeburtstag oder den zahlreichen Messen, ist mit Plastik ein gutes Geschäft zu machen. 17 Milliarden Plastikflaschen werden jährlich in Deutschland verbraucht. Schön für die Plastikbranche, verheerend für die Umwelt sowie das Stadtbild und die Gesundheit.

 

England - Ein Vorbild für Umweltschutz

Stephanie Biermann, eine Web-Designerin aus Schleswig-Holstein, die sich schon lange für den Umweltschutz engagiert, startete daher nun das Projekt "Refill Hamburg". Nach dem Vorbild von „Refill Bristol“, welches seit 2015 existiert, geht es darum, dass weniger Plastikflaschen gekauft werden und man seine Behältnisse an verschiedenen Orten in der Stadt neu auffüllen kann. Der Gebrauch von Glasflaschen und soliden, wiederverwendbaren To-Go-Bechern, ist seit einigen Jahren ohnehin schon "in". Doch was, wenn das mitgebrachte Trinken unterwegs nicht mehr reicht? 

Die Antwort darauf bietet ein Stadtplan, eine wahre Schatzkarte für alle durstigen, auf dem alle Geschäfte, Cafés und Institutionen in Hamburg verzeichnet sind, bei denen man sich seine Flasche wieder auffüllen kann. Zu finden sind Informationen zum Projekt, sowie die Karte unter www.refill-hamburg.de

 

Ehrensache

Die Kosmetikfirma Lush, bei der Seifen, Gesichtspflege oder andere Bad-Utensilien zu erhalten sind, die überwiegend vegan, mindestens vegetarisch und vor allem ökologisch hergestellt werden, ist einer der Teilnehmenden Unternehmen bei Refill-Hamburg. Selbst am Samstag, wenn man sich in dem kleinen Laden in der Spitalerstraße kaum bewegen kann vor Überfüllung, wird man auch ohne etwas zu kaufen, freundlich versorgt. Eine nette Angestellte, mit vielen Piercings, Gesichtsattoos und knalligen grün-pinken Haaren erklärt, dass es für sie und ihr Unternehmen eine Selbstverständlichkeit und eine Ehre sei, bei „etwas derartig Tollem" mitzumachen. Während Sie eine leere Flasche befüllt und zwei ihrer Kolleginnen andächtig zuschauen, fügt sie hinzu, dass das Wasser allerdings warm sei.

 

 

Kleben für die Natur

Offiziell startete das Projekt, bei dem auch Hamburg Wasser mitwirkt, erst Ende März, es läuft allerdings schon etwas länger auf Probe. Um teilzunehmen, kann man in den Läden „Twelve Monkeys“, „Stückgut Hamburg“ und „bio.lose“, entsprechende Aufkleber erhalten, die man im Schaufenster oder der Ladentür platzieren kann. Über die Website von Refill Hamburg kann man sich dann registrieren lassen um auf der Karte verzeichnet zu werden. Ein kleiner Aufwand also, für einen großen Dienst an der Umwelt. Oder?

 

Glas besser als Plastik?

Wenn es um Umweltschutz geht, ist die Meinung, dass Glasflaschen besser seien als Pfandflaschen allgemeingültig. Für Einweg-Plastikflaschen trifft das auch fraglos zu, doch vergleicht man Mehrweg-plastikflaschen, mit Mehrwegglasflaschen, siegt erstaunlicherweise das Plastik. Denn obwohl das Glas doppelt so oft wiederbefüllt wird, wie die Plastikvariante, ist der verheerende Rohölverbrauch beim Transport, dank des niedrigeren Gewichts pro Einheit wesentlich geringer beim Mehrwegplasik. Damit argumentieren ausgerechnet Umweltschutzexperten für Plastik und gegen Glas.

All dies kann man jedoch unbeachtet lassen, bedenkt man, dass man sein Gefäß bei Refill Hamburg ja selbst auffüllt, beziehungsweise auffüllen lässt und es nicht von Großunternehmen recyclen und damit auch transportieren lässt. Ein weiterer Punkt, der dafür spricht sich auf diese simple Art, weltverbesserlich zu engagieren.

 

Netzwerk aufbauen

 

 Mittlerweile gibt es bereits 32 Cafés, Bars, Läden und von Hamburg Wasser gestellte Trinksäulen, überall in Hamburg verteilt. Doch befragt man Passanten und Bewohner der Stadt, hat fast niemand bisher von der Möglichkeit kenntnis. Zwar haben das Hamburger Abendblatt und einige Blogs über Refill-Hamburg berichtet, dennoch bedarf das Projekt einer umfassenderen Promotion, damit sich ein ausreichendes Netzwerk von Refill-Stationen aufbauen, und die Bevölkerung die Möglichkeit wahrnehmen kann. In Bristol gibt es immerhin schon 200 teilnehmende Shops und Institutionen.


Von Keya Hinrichs
Veröffentlicht am 10.04.2017