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Inklusion - Ein langer Weg der Besserung

Quelle: Pixabay

Knapp 8% der Bevölkerung in Hamburg sind Menschen mit Behinderung. Seit dem 26. März 2009 gibt es eine UN-Behindertenrechtskonvention, in der Bedingungen festgehalten werden, die jede Stadt durchführen muss. Doch wie weit ist die Stadt Hamburg beim Thema Inklusion?

U-Bahnstation Lattenkamp, Hamburg. Eine Frau, die im Rollstuhl sitzt, möchte mit der U-Bahn zum Stephansplatz fahren, da sie dort eine Freundin auf einen Kaffee trifft. An der Bahnstation Lattenkamp muss sie aber feststellen, dass beide Fahrstühle außer Betrieb sind. Die Frau kann somit nicht ihre Verabredung wahrnehmen, da sie ohne den Fahrstuhl nicht zu den Gleisen kommt. Diese Geschichte ist kein Einzelfall – viele Menschen mit Behinderung müssen sich im Alltag bestimmten Hindernissen stellen, die es ihnen erschwert ein selbstständiges Leben zu führen.

Vor etwas mehr als Zehn Jahren trat die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Kraft. Diese Konvention ist eine Übereinkunft von den Vereinigten Nationen, in der, neben der Bekräftigung allgemeiner Menschenrechte, auch speziell abgestimmte Regelungen für die Lebenssituationen für Menschen mit Handicap festgehalten wird. Diese speziellen Regelungen müssen von den Städten berücksichtig und umgesetzt werden. Jede Stadt muss dazu einen Bilanzbericht aufstellen, um offenzulegen wie weit die jeweilige Stadt im Bereich Inklusion ist.

Der Hamburger Senat hat nun genau so eine Bilanz zum Thema Inklusion aufgestellt. In diesem Bilanzbericht meint der Senat auf einem guten Weg zu sein. Die Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte zu der Thematik: „Wir wollen allen Menschen in Hamburg ein selbstständiges Leben ermöglichen – selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung.“ Des Weiteren berichtet die Sozialsenatorin: „Es geht auch um Teilhabe am Arbeitsleben, am gesellschaftlichen Leben und noch viel mehr.“Es gibt viele Inklusionsbaustellen in der Hansestadt Hamburg. Eins der größten Schwerpunkte ist der Bereich Schule und das passende Schulsystem dazu. Jedoch wurde in den Jahren 2015 bis 2018 mehr Augenmerk auf Freizeitangebote wie zum Beispiel Sport, Kultur und Tourismus gelegt.

Natürlich sollte der Freizeitsektor auch nicht vernachlässig werden aber wenn die Menschen mit Behinderung auch an unserem Arbeitsleben teilhaben sollen, wie oben von dem Senat aufgeführt, dann sollte man doch schon vorher eingreifen und zwar in der schulischen Laufbahn. Dieser Meinung ist auch Pit Katzer. Katzer beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Inklusion und Integration. Er war Schulleiter einer Stadtteilschule, die für die beispielhafte Umsetzung inklusiver Bildung ausgezeichnet wurde. In einem Interview mit der ZEIT ONLINE erläutert er die Problematik an Schulen, die Inklusions- und FörderschülerInnen fördern wollen oder vom System vorgeschrieben bekommen, jedoch die Mittel dafür nicht besitzen. Es fehlen viele Lehrkräfte wie auch SonderpädagogenInnen weiterhin meint Pit Katzer: „Besonders schwer ist das im Bereich Pflege und Therapie. […] In dem Bereich ist bisher tatsächlich kaum etwas umgesetzt worden.“ Die Bürgerschaft versprach 2017 um die 300 neue Lehrstellen für die Schulen mit Förderklassen und inklusiven Unterricht, jedoch beinhaltet diese Zahl keine Pflege- oder therapeutischen Arbeitskräfte. Ein weiteres Problem gestaltet sich indem: „[…] die Schulbehörde keinerlei qualitative Vorbereitungsmaßnahmen ergriffen hat. Man braucht ein Konzept, wie die Pflege und Therapie in den Schulalltag integriert werden soll“, so Katzer.

Da kommt also noch eine Menge Arbeit auf die Hansestadt zu. Das weiß auch Sozialsenatorin Melanie Leonhard: „Wir haben […] noch ein Weg vor uns“, beteuerte sie laut Focus Online. Das es Zeit brauch alle Baustellen zu beseitigen weiß auch Pit Katzer, jedoch stellt er auch genaue Forderungen an die Behörden: „Als erstes muss eine Arbeitsgruppe mit Experten aus inklusiven und Sonderschulen eingerichtet werden, die möglichst schnell ein Konzept für die Umsetzung entwickelt.“ Darüber hinaus fordert Katzer: „[…] muss die Behörde stärker um das nötige Personal werben.“ Pit Katzer ist Mitgründer der Initiative Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen. Mit dieser konnten sie schon einige Erfolge verbuchen, so wie zum Beispiel die oben erwähnten 300 neuen Lehrstellen. Damit haben sie ihr Ziel jedoch noch lange nicht erreicht. Die Initiative will dafür sorgen das Inklusion kein negativbehaftetes Thema mehr ist und helfen Menschen mit Behinderung eine qualitativhochwertigere schulische Laufbahn und somit auch eine bessere und selbständigere Zukunft zu ermöglichen.

Von Carlotta Danielsen
Veröffentlicht am 07.04.2019