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Google-Optimierung

Katzenbabys, Sex und Terror

Foto: Pexels

Soll der Journalismus seine Texte jetzt nach den besten Schlagwörtern ausrichten?

 

Kleine süsse Tierchen, schöne Frauen in Dessous oder doch die nächste Terrorverschwörungstheorie?         Das Geschäft mit Tierfotos, mit Pornographie und Terror lief schon immer gut. Menschen interessieren sich für diese Themen und wollen darüber so detailliert wie möglich informiert werden. Liegen also die Fehler ausschließlich bei den Lesern, und Journalisten sollten ausschließlich auf die Wünsche der Leser eingehen? Oder muss ein Journalist auch manchmal gegen die Präferenzen seiner Leser handeln, um seiner moralische Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft und der deutschen Sprache nachzukommen?

Search engine optimization (SEO), die gezielte Verwendung von Google-optimierten Schlagwörtern, ist schon längst ein rentables Geschäft. Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger sagt: "Wir können bei SEO nicht hinter andere zurückfallen." Die Süddeutsche beschäftige schon lange einen eigenen SEO-Experten. Auch der ehemalige Spiegel-Online-Chef Rüdiger Ditz bestätigt, dass die Bedeutung von Google für seine Seite weiter gewachsen ist. Journalisten lernen auf den verschiedensten Seminaren, was sie alles beachten müssen, damit ihre Artikel im Netz so schnell wie möglich gefunden werden, ausschlaggebend hierfür sind die sog. Keywords. 

Fraglich ist jedoch, ob Leser Informationen von Journalisten wollen, die sich statt auf eine gute Recherche eher auf Suchmaschinen und Reichweite konzentrieren und mit Algorithmen beschäftigen. Bleiben da nicht Sprache und Inhalte auf der Strecke? Kann die große Vielfalt der deutschen Sprache so ausgeschöpft werden?

Wenn Journalisten ihre Aufgabe erfüllen, Leser zu informieren, dann liegt die Verantwortung über eine gute Themenwahl trotz SEO weiterhin bei den Journalisten. Natürlich googelt der Leser nur, was er kennt oder wovon er wenigstens schon gehört hat, aber das kann doch kein Kriterium für guten Journalismus sein. Der Journalismus hat sein Urvertrauen verloren, das Vertrauen darauf, dass eine gute Geschichte ihren Weg finden wird. 

In unserer Zeit bedeutet jeder Klick Geld, doch schöne und kreative Headlines sind für Google schwierig zu finden. Wird die journalistische Sprache auf die nötigsten und gängigsten Worte reduziert und ihrer Ästhetik und Vielfalt beraubt?

Mittlerweile sollen Artikel nicht nur maximal informativ, sondern vor allem maximal aufmerksamkeitserregend sein. Vielleicht wären SEO Seminare für Leser mindestens genauso wichtig wie für Journalisten, damit sich Journalisten wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können - eine gute, ausführliche Recherche und einen daraus resultierenden guten und informativen Artikel, der nicht zwangsläufig Katzenbabys, Sex und Terror beinhalten muss. 

Von Laura Eder
Veröffentlicht am 03.05.2016