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Kino

Rocketman

Rocketman ist ein gelungenes Biopic über Elton John, sowohl die glamourösen als auch die Schattenseiten im Leben des Musikers werden darin beleuchtet. Taron Egerton glänzt in der Rolle des jungen Elton John.

Im orangefarbenem Pailletten-Outfit eines geflügelten Dämons stößt Elton John gespielt von Taron Egerton eine Tür auf und zerschlägt damit den glitzernden Filmtitel. Dahinter wartet aber keine Bühne, sondern eine Selbsthilfegruppe. Ein Einstieg den man nicht besser hätte gestalten können für einen Film mit so vielen Höhen und Tiefen.

 

Regisseur Dexter Fletcher und Hauptdarsteller Taron Egerton haben schon bei „Eddie the Eagle“ bewiesen, dass sie gut zusammenarbeiten. Auch in „Rocketman“ dem Biopic mit Musical Charakter über Sir Elton John schöpfen sie ihr Potential wieder voll aus. Fletcher umreißt in dem Film eine extravagante, schrille, aber auch tief von Selbstzweifel und Einsamkeit geplagte Version des Künstlers. Egerton verkörpert den jungen Elton John mit all seinen Aspekten brillant.

 

Im Rahmen einer Selbsthilfegruppe erzählt Elton John die Geschichte seines Erfolgs und Absturzes in allen Facetten. Dabei wird der Ursprung seiner Probleme schon früh klar. Elton wächst als Reginald Dwight (Matthew Illesley) bei einer gefühlskalten Mutter und einem distanzierten Vater auf. So bekommt der junge Reginald auf die Frage nach einer Umarmung von seinem Vater nur die Antwort: „Sei nicht so ein Weichling.“ Und zu Zeiten seines größten Erfolgs sagt ihm seine Mutter in einem Gespräch: „Weißt du überhaupt, was es für eine Enttäuschung es ist, deine Mutter zu sein?“ Aussagen welche die familiären Verhältnisse wie der Film sie zeigt perfekt wiederspiegeln. Unterstützung erhält der Junge nur von seiner Großmutter, welche ihn auch ermuntert sich für ein Stipendium bei der Royal Academy of Music zu bewerben. Erste Erfolge erlebt Elton John aber erst als er sich bei Liberty Records vorstellt, denn dadurch macht er Bekanntschaft mit seinem lebenslangen Songwriter Bernie Taupin (Jamie Bell). Zusammen mit diesem geht es nach LA zum ersten großen Auftritt im Troubadour. Wo Elton John seine erste Liebe, den Musikmanager John Reid (Richard Madden) trifft, doch dieser stellt sich schnell als Gift für den Künstler heraus, da mit ihm der Abstieg in den Sumpf der Drogen- und Shoppingsucht beginnt. Später macht sich Reid außerdem über seinen Absturz und seine suizidalen Tendenzen lustig und es kommt zu Aussagen wie: „Selbst wenn du dich umbringst kassier ich weiterhin meine 20 Prozent.“

 

Anders als in Fletchers Film „Bohemian Rhapsody“ ist Homosexualität ein wichtiger Bestandteil in „Rocketman“. Schon früh wird zum Beispiel ein Kuss mit einem afroamerikanischen Musiker aus einer Band, die der Junge Elton John am Klavier begleitet, gezeigt. Und die Liebesszenen, welche sich hauptsächlich zwischen Elton und seinem Manager abspielen werden nicht gekürzt oder versteckt. Aber auch die Probleme mit Homosexualität zu dieser Zeit werden ungeschönt porträtiert. So sagt Reid nachdem sich die gemeinsame Beziehung entwickelt hat: „Wenn die Öffentlichkeit das zwischen uns beiden erfährt ist deine Karriere zu ende.“ Außerdem sagt Eltons Mutter ihm nachdem er ihr gesteht, dass er homosexuell ist: „Ich hoffe dir ist klar, dass das bedeutet, dass du niemals wirklich geliebt werden wirst.“

 

Taron Egerton als Elton John ist ein weiterer Faktor, der die hohe Qualität des Films ausmacht, denn der junge Schauspieler scheint wie für die Rolle gemacht. Und er freut sich auch selbst darüber den Musiker in seinen jungen Jahren darstellen zu dürfen. In einem Interview mit der DPA sagte Egerton: „Ich bin von Elton fasziniert und ein wirklicher Fan seiner Musik. Und wenn du Elton spielst, kannst du im Endeffekt fünf Rollen spielen!“ Diese Bandbreite an schauspielerischer Freiheit füllt der junge Brite auch voll aus. Ob er nun den euphorischen, exzentrischen und mit Drogen vollgepumpten Musiker, oder das einsame Wrack eines Menschen, der nach einem Trip nicht mehr weiß wo er ist oder wie er dorthin gekommen ist spielt. Er beleuchtet alle Aspekte des Popstars in seiner ganz eigenen Manier. So schafft es der junge Schauspieler die Zuschauer mit der Pop Ikone mitfühlen zu lassen wie nie zuvor.

 

Auch die Musicaleinlagen, die immer wieder in dem Film eingebracht sind, unterstreichen den positiven Eindruck, den das Werk hinterlässt nachdrücklich. Nach einer Überdosis wird der Musiker beispielsweise zu den Klängen vom titelgebenden Song Rocketman ins Krankenhaus eingeliefert und von den Ärzten und Krankenschwestern hochgehoben und in ein glitzerndes Baseballoutfit gesteckt. Noch in derselben Szene wird er mit dem Outfit auf eine Bühne entlassen um dort zu performen. Dies ist nur eine der vielen Einlagen, die den steten Wechsel zwischen tiefen Drogenlöchern und exzentrischen Bühnenauftritten im Leben Elton Johns veranschaulichen. Besonders beeindruckend ist, dass alle Songs im Film vom Cast gesungen werden und nicht von Elton John selbst.

 

Der Film wird jedoch nicht weltweit gut aufgenommen, denn noch heute ist Homosexualität nicht in allen Ländern ein selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Lebens. So wurde der Film beispielsweise in Russland zensiert. Alle Szenen mit Küssen, Sex und Oralsex zwischen Männern wurden herausgeschnitten. Dabei hatte sich Elton John besonders dafür eingesetzt, dass in dem Film die Sexualität und der Drogenkonsum nicht zu abgemildert dargestellt werden. „Ich wollte keinen Film, der mit Drogen und Sex vollgestopft ist, aber jeder weiß nun mal, dass ich in den 70ern und 80ern von beidem so einiges hatte. Und es hätte für mich wenig Sinn ergeben, einen Film zu machen, in dem es so aussieht, als wäre ich damals nach jedem Konzert still in mein Hotelzimmer gegangen, nur mit einem warmen Glas Milch und einer Bibel als Gesellschaft“, schreibt Elton in einem Artikel, den er für das britische Magazin Guardian verfasst hat. Um seine Vorstellungen für den Film durchzusetzen hatte der Musiker zuvor mit mehreren anderen Regisseuren und Studios verhandelt, doch erst die Kombination aus Paramount Pictures und Regisseur Fletcher konnte die Vorstellungen des Musikers erfüllen.

Von Joshua Kind
Veröffentlicht am 02.06.2019