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Umwelt

Seid konsequent!

Ich habe offiziell die Nase voll von Menschen. Und Plastik. Und Menschen, die immer noch blind zu Plastikverpackungen greifen, als gäbe es keinen Morgen. Und dann wäre da noch die Halbherzigkeit der Politik.

Nichtsahnend schlenderte ich am Samstag mit meinem Einkaufkorb das Obstregal entlang. Äpfel, Birnen und Bananen landeten im Korb – eingepackt in meinem selbst mitgebrachtem Netz. Soweit so gut. Bis ich im Augenwinkel ernsthaft einen älteren Herrn erblickte, der seine Bananen ganz selbstverständlich in eine Plastiktüte packte. Ist ja nicht so, dass Bananen von Natur aus durch eine Schale geschützt sind.

Plastik hier, Plastik dort, Plastik überall: 150 Millionen Tonnen davon landen jährlich in unseren Meeren. Die am besten erforschte Plastikinsel im Nordpazifik soll unter Umständen größer sein als Europa. Da diese Plastikinseln sich in internationalen Gewässern befinden, fühlt sich auch keine Regierung direkt zuständig, diese zu entfernen. Momentan genießen wir eine Mentalität der Halbherzigkeit und eine Politik gegen die Zukunft der Erde.

Egal wie oft von Greenpeace, WWF und Co. schon gegen Plastikmüll demonstriert wurde, egal welche Ziele sich die Politiker erneut gesteckt haben: Das Mindeste, was immer noch nicht getan wird, ist Plastik in Supermärkten radikal zu reduzieren. Mein Vorschlag: Lasst die Menschen doch im Stich. Bietet gar keine Plastiktüten mehr an. Sollen sie doch selbst sehen, wo sie ihre Tomaten oder Äpfel verstauen. Ihr wollt nachhaltig sein? Dann seid verdammt nochmal konsequent. Bio-Baumwollbeutel und Stofftragetaschen an den Kassen sind augenscheinlich nur dafür da, um ein gutes Gewissen zu schaffen.

Was möglich ist, zeigt Afrika: In vielen Ländern herrscht dort bereits ein komplettes Plastiktütenverbot. Das Vorhaben der EU, Einwegplastik wie Strohhalme, Luftballon-Haltern und Wattestäbchen bis 2021 zu verbieten, wirkt dagegen ziemlich lächerlich. Es ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn wir erst in drei Jahren davon Gebrauch machen. Jeden Tag, den wir warten, ist einer zu viel.

Mit einer Mentalität à la „Wir schaffen das“ kann man so nichts bewegen. Handelt jetzt. Stellt klare Verbote und Gesetze. Oder habt ihr nur Angst vor wirtschaftlichen Schäden? Vor den Schäden, die langfristig durch unsere Wegwerfgesellschaft und faule Politik entstehen, fürchte ich mich viel mehr. Denn wenn die Umwelt einmal zerstört ist, ist die Menschheit als nächstes dran. Das ganze System muss umgekrempelt werden, bevor es im eigenen Müll ertrinkt.

Von Laura-Marie Reiners
Veröffentlicht am 20.05.2019