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Generation Maybe

Sorry! Ich habe doch keine Zeit mehr

Bild: Absagen auf Whats App... Leider keine Seltenheit. (Foto: Anissa Ayoub)

Wir gehen im Entweder oder noch unter. Unsere Generation hat Angst sich festzulegen, sie weiß nicht, was sie will. Wir sind Generation Maybe, uns liegt die Welt zu Füßen, doch wir denken zu unverbindlich.

WELTWEIT Unsere Generation ist nervig unverbindlich. Niemand möchte sich mehr festlegen, die Angst, etwas Besseres zu verpassen, ist zu groß. Whats App nervt mich total. Ich kassiere schräge Blicke von Freunden, wenn ich den Satz ausversehen mal laut ausspreche, anstatt ihn nur zu denken. Und doch, es stresst mich sehr, was für Möglichkeiten wir durch diese Art zu kommunizieren bekommen, wie schnell wir einander absagen und wie wenig wir „festen Terminen“ vertrauen können.

Gerade letztens habe ich ein paar Freunde zu mir nach Hause eingeladen, um meinen Einzug zu feiern. Bewusst entschied ich mich gegen die Einladung via Facebook, um dem „vielleicht“ Button bei den erstellten Veranstaltungen aus dem Wege zu gehen. Ich habe meine Freunde persönlich eingeladen, mehr oder weniger zumindest. Einzelne Nachrichten auf Whats App geschrieben, oder halt mündlich, wenn ich sie denn gesehen habe. Dachte die Sache wäre damit geklärt, bis dann eine Freundin von mir mir ca. eine Woche vor der kleinen Party mitteilte, ich solle doch wenigstens eine Gruppe bei Whats App erstellen, damit jeder sehen kann, wer noch so kommt. Genau da liegt das Problem. Warum ist es uns plötzlich so wichtig zu wissen, wer noch so kommt? Früher stand doch auch nicht auf den selbstgebastelten Geburtstagseinladungen links in die Ecke geschrieben, wer alles noch so eine Einladung bekommen hatte. Uns war es egal. Hauptsache, alle hatten Spaß zusammen und man hat am Ende die kleinen Tütchen mit Süßigkeiten mit nach Hause nehmen dürfen. Inzwischen machen wir es davon abhängig, wer noch so eingeladen ist und entscheiden erst dann, ob es sich lohnt zu kommen oder nicht. Wir könnten ja etwas besseres verpassen.

Ein paar meiner Freunde haben sofort reagiert, nachdem ich die Gruppe erstellt habe: „Na klar, ich bin am Start.“ Andere wiederrum haben gar nichts gesagt. Als ich dann nochmal nach harkte, musste ich mich mit einem „Ja, ich denke schon“ zufrieden geben. Achso. Du denkst schon? Es handelt sich um den Samstag in vier Tagen und du kannst mir immer noch nicht sagen, ob du Zeit haben wirst oder nicht. Na super. Danke. Das schlimmste ist, ich merke langsam, dass ich des Öfteren genauso handele. Meine Freunde sind es halt gewohnt. Wir verabreden uns nur noch locker. Frei nach dem Motto: „Lass uns doch später nochmal schreiben, wann wir uns treffen wollen.“ Und dann haben wir plötzlich doch keine Lust mehr. Oder uns ist etwas Spannenderes dazwischen gekommen. Sorry! Sorry, ich gehe doch zum Sport. Boah, sorry, ich bin gerade voll eingepennt, muss jetzt noch was für die Uni machen! Sorry, ich muss auf meinen kleinen Bruder aufpassen, das wird heute doch nichts mehr. Sorry! Ich sehne mich dann manchmal zu den Zeiten zurück, in denen meine Mama noch meine Verabredungen für mich geklärt hat. Als ich sie noch gefragt habe, ob ich denn Zeit hätte. Da war irgendwie alles verbindlicher. Wir hatten noch keine Handys. Wir haben uns am Fußballplatz zum Spielen verabredet und dann waren wir auch beim Fußballplatz zum spielen. Es gab kein vielleicht. Nur Ja und Nein. Es gab kein: Ich denke schon. Nur ein klares Ja, und ein klares Nein. Es war alles viel verbindlicher. Was ist nur mit unserer Generation los, wieso müssen wir uns immer alles offen halten? Vielleicht weil es so einfach ist, so einfach abzusagen.

Von Anissa Ayoub
Veröffentlicht am 25.01.2016