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Gesunde Ernährung

Superfoods erobern Altona

Eine der vielen Varianten, Chia-Samen zu verwenden: Chia-Pudding. Foto: Brenda Godinez

Ob Açai-Bowls oder Matcha-Pulver: Trends rund um die gesunde Ernährung sind seit den letzten Jahren auch aus Hamburg nicht mehr wegzudenken. Sowohl die Frucht Açai, als auch das japanische Grünteepulver Matcha gehören zu den sogenannten Superfoods - Lebensmittel, die nicht nur gut für Haut und Haare sein sollen, sondern auch als besonders nährstoffreich angesehen werden.

Auch in unserem Hamburger Stadtteil Altona scheinen diese Essenstrends Fuß gefasst zu haben, welches eine Studie über die Beliebtheit bestimmter Superfoods in den Jahren 2015 und 2016 in Deutschland belegt. Die Bio-Läden vor Ort konnten insbesondere einen Anstieg der Nachfrage nach Nicht-Weizen-Produkten feststellen und haben ihr Sortiment entsprechend den Superfood-Trends angepasst.

Der Weizen macht sich unbeliebt 

Bei „denn’s Biomarkt" in der Großen Bergstraße gehören Kokosnüsse wie Äpfel schon ganz normal zum Sortiment dazu. Die Kunden des Ladens würden besonders Dinkel –oder Roggenprodukte zunehmend anfragen. „Es war schon immer ein großer Trend den Weizen wegzulassen, aber es wird von Jahr zu Jahr mehr", so eine Mitarbeiterin des Marktes. Viele weitere (Weizen-)Mehlalternativen wie Mandelmehl können ebenso erworben werden. Das Schokoladenregal des Ladens wird zunehmend von Zartbitter-Varianten dominiert, denn auch diese gelten durch ihren höheren Kakaogehalt als Superfood. Zuckerersatzstoffe wie Agavendicksaft, Stevia oder Kokosblütenzucker stehen immer häufiger auf den Verpackungen von Gebäck, Schokolade oder Brotaufstrichen. Es wirkt so, als lägen auch zuckerfreie Produkte immer stärker im Trend.

Ähnlich sieht es im  „Alnatura“ –Supermarkt in der Nähe des Altonaer Bahnhofes aus, wo die Nachfrage nach Dinkelprodukten auffällig mehr geworden sei. „Das Interesse der Kunden ist besonders seit dem letzten Jahr angestiegen“, erklärt eine Mitarbeiterin an der Brottheke des Bio-Ladens. Wie bei „denn’s" ist auch in dieser Filiale auffällig, dass besonders viel Zartbitterschokolade in den Süßwarenregalen steht, darunter beispielsweise Sorten mit Goji-Beeren oder Chia Samen – beide als Superfoods geltende Lebensmittel. Exotische Früchte wie Granatäpfel oder auch Kokosnüsse sind mittlerweile nicht nur noch saisonal im Angebot, sondern fast immer verfügbar. Auch in einem in dem Biomarkt ausgelegten Magazin des Demeter-Verbandes, einem Verband für ökologischen Anbau, befinden sich bereits drei unterschiedliche Rezepte mit Chia Samen als Hauptbestandteil.

Chia-Samen und Mehl-Alternativen boomen 

Die Beliebtheit der Samen sei laut der erwähnten Studie im Jahr 2016 sogar noch mehr gestiegen als im Vergleich zum Jahr davor: Während 2015 noch 756 Tonnen der vermeintlichen Super-Samen verkauft wurden, ist die Anzahl 2016 um mehr als das Doppelte auf 1.925 Tonnen gestiegen. Auch Getreidesorten wie Quinoa oder Amaranth lassen einen Anstieg verzeichnen.
Dass der Chia Trend noch nicht vorbei ist, beweist auch der Hansebäcker Junge am Busbahnhof Altona. Dort wirbt die Bäckerei seit kurzem mit einem Brot, dass durch seine Superfood-Zutaten wie Chia Samen „kerngesund“ sein soll. 

Am meisten sei die Nachfrage in der Kategorie Superfood jedoch bei Mandelmehl mit einem Plus von 257,6 Prozent (von zwei auf sechs Tonnen) zu erkennen. Auch Kokosmehl sei im Jahr 2016 um rund 221,3 Prozent mehr über die Ladentheke gegangen als 2015.
Ob die ansteigende Beliebtheit der beiden Mehlsorten nun daran liegt, dass beide als besonders kohlenhydratarm gelten und somit den Fitnesstrend der letzten Jahre bestätigen oder, dass immer mehr Menschen sich aus gesundheitlichen gründen vom Weizen abwenden, ist unklar. Fest steht: Die Deutschen, darunter auch die Hamburger, scheinen sich immer mehr Richtung Anti-Weizen zu entwickeln. In den Altonaer Bio-Läden wird sowohl Kokos- als auch Mandelmehl verkauft, dennoch kommt beides noch nicht an die Popularität von Dinkel- oder Roggenmehl heran.

Allgemein betrachtet sieht es ganz danach aus, als wolle der Bezirk Altona zu gesünderen Maßnahmen in vielerlei Hinsicht greifen. Das asiatische Restaurant „bok“ in der Ottensener Hauptstraße scheint ebenfalls erkannt zu haben, dass der Trend in Richtung natürlich und gesund geht. Seit kurzem werben sie dort mit einem Aushängeschild auf dem „Unser Beitrag zu Ihrer guten Ernährung: Wir verwenden seit 07/2010 kein Glutamat. Sie schmecken es“ steht. 

Von Pauline Brenke
Veröffentlicht am 24.04.2017