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Bodyshaming

Wenn Makellosigkeit die Definition von Schönheit ist

Quelle: Public Domain Pictures über pexels.com

Ein Boulevard-Magazin stellt auf ihrem Cover weibliche Prominente bloß, die noch nicht "bikini-fit" seien - Statt eines positiven Körpergefühls werden die neuesten Blitz-Diäten beworben.

„Wenn Trash-Magazine gequirlte Scheiße schreiben“ – so drückt die Bloggerin Louisa Dellert auf Instagram ihre Empörung über die letzte Ausgabe des People-Magazins „Inside“ aus. Auf dessen Cover prangert groß die Überschrift „Der nackte Beach-Horror“, begleitet von Paparazzi-Fotos von Kim Kardashian oder Britney Spears, die sich in ihren Bikinis und Badeanzügen eine "Speck-Show" oder "Bauch-Blamage" leisten. Dellert kritisiert scharf, wie das Magazin auf herablassende Weise über Frauen und ihre Körper schreibt und dazu noch mit ihren Worten Verunsicherung stiftet und gleichzeitig Essstörungen und deren Entwicklung fördern würde. Und das alles in einer Zeit, in der Frauen für ein positives Körpergefühl und gegen Vorurteile kämpfen.

Nicht zum ersten Mal demütigt die Inside auf diese Weise Frauen auf ihren Titelseiten. Gibt man bei Google "inside magazin" ein, so trifft man als ersten Vorschlag auf einen im Jahr 2017 erschienenen Artikel der Website "bento", in dem eine ähnliche Ausgabe des Magazins negativ aufgefallen war. Denn auch in dieser wurden Stars in Badekleidung abgebildet und die sichtbare Cellulitis an ihren Körpern verurteilt. Was viele Frauen als kleine Dellen besonders an Oberschenkeln und Po kennen, ist eine ganz normale Reaktion des Körpers auf dessen Veränderung, beispielsweise während der Pubertät oder auch während einer Schwangerschaft. Aber nein, für die Inside ist Cellulite ein Makel und weniger normale Delle, als vielmehr fehlerhafte "Beule", "Krater" oder "Wabbel-Wellen". 

Bodypositivity vs. Bodyshaming

Es schockiert, dass das Magazin vorzieht, Körper, die laut ihrer Sicht nicht perfekt seien, als mangelhaft zu betiteln, statt das Selbstbewusstsein der Frauen zu feiern, die sich in ihrer Haut wohlfühlen. Damit agiert das sich selbst als "jung und hipp" bezeichnende Magazin jedoch gegen den Trend, der sich in den letzten Jahren besonders in sozialen Netzwerken etabliert hat: Anti Bodyshaming und pro Bodypositivity – Werte, hinter denen auch Bloggerin Lousia Dellert steht. Der Begriff Bodyshaming kommt aus dem englischen und beschreibt das abfällige Beurteilen des eigenen oder eines fremden Körpers. Und ganz normale Körper mit schlechten Alliterationen wie "Dellen-Drama" oder "Schwabbel-Show" zu betiteln ist sicherlich eine Form von Bodyshaming.

Dabei sollte man meinen, dass durch die Bodypositivity-Bewegung eigentlich klar sein sollte, dass abfälliges Urteilen über die Körper anderer einfach "out" ist. Besonders auf Insides Positionierung als "jung und hipp" bezogen, hat das Magazin mit ihrem körperfeindlichen Cover die Interessen ihrer Zielgruppe zu großen Teilen deutlich verfehlt - denn es sind gerade die jungen Menschen, die in sozialen Medien dafür einstehen, dass niemand die Meinung anderer oder die Standards unserer Gesellschaft als Maß für sein eigenes Aussehen und für seine Attraktivität nehmen soll. Was zählt ist, dass man sich wohl in seinem Körper fühlt, und das unabhängig davon, welche Größe man trägt, oder wo man wieviel Fett hat.

Mögliche Folgen werden ignoriert

Mit dieser Vermittlung falscher Körperstandards- und ideale beleidigt und verunsichert das Magazin nicht nur Leserinnen (und Leser), die ähnliche Körper haben, wie die der abgebildeten Prominenz, sondern stellt auch normale Entwicklungen des menschlichen Körpers als fehlerhaft dar. Zudem besteht Gefahr, dass Inhalten dieser Art auch andere dazu animieren, ihre Mitmenschen ebenso auf deren Körper“makel“ zu reduzieren und herablassend darüber zu urteilen. Eine ebenso nicht zu unterschätzende Folge für ihre Leserinnen ist, dass durch die falsch vermittelten Standards Essstörungen und Unsicherheiten mit dem eigenen Körper entstehen können, besonders bei jungen Frauen und Mädchen.

Also, liebe Inside: Sollte man sich nicht in Zeiten von #MeToo oder #TimesUp als Frauen vielmehr gegenseitig unterstützen und zusammenhalten, als übereinander herzuziehen?

 

Von Pauline Brenke
Veröffentlicht am 16.05.2019