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Wohnungssuche

Wohnungssuche und Massenbesichtigungen

Das Anstehen bis zur Wohnungstür erstreckt sich durch das ganze Treppenhaus. So oder so ähnlich sehen viele Besichtigungen in Hamburg aus. Studenten investieren Stunden, ohne die Gewissheit, am Ende einen Mietvertrag zu unterschreiben.

Olivia, 22 Jahre alt, Studentin im zweiten Semester an der BTK, suchte mehrere Monate nach einer Wohnung. Sie hatte in ihrem ersten Semester in einer WG gelebt, sich dort aber nicht wohlgefühlt. Ihre jetzige Mitbewohnerin Verona, 19 Jahre alt, kennt sie aus dem Studium. Verona wohnte vorher bei ihrer Großmutter in Sinsdorf und fuhr jeden Morgen 40 Minuten zur Universität.

Die Wohnungssuche gestaltet sich jedoch gerade für Studenten in Großstädten äußerst schwierig. Die Begründung dafür ist, dass Wohnungseigentümer oftmals Studenten-WGs ablehnen, sei, dass bei dem häufigen Bewohnerwechsel schnell der Überblick verloren ginge.

„Es war schon schwierig, auch wenn es für uns beide keine Notsituation in dem Sinne war, schnellstmöglich eine Wohnung zu finden'', so Olivia. 50 bis 60 Wohnungen kontaktierten die beiden, meist über Online-Portale. „Trotz Bürgschaft der Eltern bekamen wir meistens noch nicht mal eine negative Rückmeldung.'' Die Gründe dafür waren häufig: Nein danke, Studenten wollen wir nicht oder nein danke, WGs wollen wir nicht.

Auch auf den berühmten Massenbesichtigungen haben es die beiden versucht. Nach einer Besichtigung mit noch ungefähr 100 weiteren Interessenten haben sie es dann gar nicht versucht sich zu bewerben.

Nach langem Suchen fand sich eine Wohnung für sie, die gerade so noch im Budget der beiden lag. „Aus Verzweiflung wollten wir die für uns zu teure Wohnung einfach nehmen'', sagt die 22-jährige. 950 Euro für 40 Quadratmeter. Der Makler gab ihnen eine positive Rückmeldung und forderte die Unterlagen zur Vertragsunterschreibung an. Vier Wochen warteten die beiden Studentinnen auf eine Antwort. Ihr Makler war weder per Telefon noch per E-Mail zu erreichen. Die Anzeige der Wohnung war auch noch nicht aus dem Internet genommen. Ob das Problem daran lag, dass die beiden Studenten waren, bleibt offen.

Doch dann ein Glücksgriff: Nach einer Wohnungsbesichtigung wurden sie sofort von ihrer Maklerin kontaktiert. Diese Wohnung konnte sie den beiden zwar nicht vermieten, jedoch bot sie eine andere Wohnung als Alternative an. „Auf einmal war es alles ganz einfach und es hat plötzlich geklappt.''

„Klar, die Wohnung hat ihre Macken, z.B. ein grünes Badezimmer, aber wir sind zufrieden'', so die Studentin. ,,Hätte es keine so gute Kooperation mit der Maklerin gegeben und hätten sie weiterhin nur über E-Mails Kontakte geknüpft, hätte die Suche noch Ewigkeiten dauern können'', erzählt Olivia.

Es sei sehr erschreckend, wie wenig bereit und professionell viele der Makler mit Studenten umgehen und noch nicht einmal bereit sind, sich um eine Aussage zu kümmern. Eine Sprecherin von Gladigau Immobilien Hamburg meint auf Nachfrage, es läge an unleserlichen Bewerbungsunterlagen oder an zu vielen Aufträgen, dass dort Antworten unter den Tisch fielen. Sie würden sich aber bemühen, jedem Klienten zu antworten und ihm am besten bei Ablehnung der Wohnung eine Alternative zu bieten.  Tipp an Studenten von Seite der Makler: Eine Bürgschaft der Eltern vorzeigen und eine ausführliche Bewerbung mit allen wichtigen Unterlagen immer sofort zur Hand haben. 

Von Jennifer Fiene
Veröffentlicht am 16.04.2018