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Infrastruktur

140 Millionen Euro verbuddelt

Auch wenn sich der Zustand von Hamburgs Hauptstraßen verbessert hat, bleibt ein deutlicher Sanierungsbedarf.
Nach Informationen von "Panorama 3" schneidet der Bezirk Eimsbüttel am schlechtesten ab: Fast 67 Prozent der Bezirksstraßen sind in einem schglechten oder sehr schlechten Zustand, die Bezirke Mitte und Altona haben keine Zustandsdaten geliefert. Quelle: ndr.de

Der Zustand von Hamburgs Straßen gibt Anlass zur Sorge, denn ein Großteil der rund 3.700 Kilometer langen Hamburger Bezirksstraßen sind sanierungsbedürftig. Vor allem viele Nebenstraßen sind marode. Der Senat kündigt weitere Investitionen an.

Tellergroße Schlaglöcher in Hamburgs Straßen sind keine Seltenheit, sie müssten aber nicht sein. Eine entspannte Tour mit dem Motorrad oder einem tiefergelegten Sportfahrwerk werden schnell zu einer harten Prüfung der Stoßdämpfer. Eimsbüttler sollten sich zur Freude ihrer Bandscheiben lieber ein geländegängiges Auto zulegen, denn dort sind über ein Drittel der Bezirksstraßen nicht in Ordnung – Hamburgs Rekord!

"Mindestens 500 Kilometer sanierte Fahrbahn in 5 Jahren", darauf hatten sich SPD und Grüne im Koalitionsvertrag verständigt. Im aktuellen Straßenzustandsbericht schreibt der Senat nun, dass man dieses Ziel deutlich übertroffen habe. Im Schnitt seien in den vergangenen Jahren rund 150 Kilometer Fahrbahn erneuert worden. Für 2018 peilt Rot-Grün diese Zielmarke ebenfalls an.  

Eine ebenso spannende Offroad-Erfahrung kann man im südlichen Stadtteil Harburg erleben: Dort sind 64 Prozent der Straßen marode oder in einem sehr schlechten Zustand. Gemessen an den Strecken, für die Zustandsdaten vorliegen, ist es in Bergedorf noch am angenehmsten zu fahren. Mit rund 47 Prozent sind hier nur knapp die Hälfte der Straßen in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand. Hamburg Mitte und Altona haben ihre Zustandsberichte gar erst nicht abgeben.

Der Hamburger Senat sieht sich bei der Sanierung von Hamburgs Straßen trotz allem auf einem guten Weg. Wie die Verkehrsbehörde am Dienstag mitteilte, sollen in diesem Jahr rund 140 Millionen Euro für Straßen-Reparaturen ausgegeben werden. Dafür sollen 150 Kilometer Fahrbahnen ausgebessert werden. Das sind immerhin 4 Prozent des Hamburger Straßennetzes.

Jede vierte Hamburger Hauptstraße ist ein dringender Sanierungsfall.

Für den aktuellen Straßenzustandsbericht hat die Stadt Tausende Kilometer mit einem Videoanalysefahrzeug gescannt. Anschließend wurde die Straßensubstanz bewertet und in vier Kategorien eingeteilt.

Deutlich schlechter als auf den Hauptstraßen sieht es bei den Nebenstraßen in den Bezirken aus. Nach Erkenntnissen des Senats ist jede zweite Straße marode. "Hier bestehe akuter Handlungsbedarf, die Straßen müssten einzeln untersucht werden", hieß es.

"Der Senat habe sein Ziel verfehlt", so die CDU. „Pro Fahrbahn gebe es bis zu drei Fahrstreifen, so rechne sich der Senat die Statistik schön."

Im Internet kursieren derzeit hitzige Diskussionen über den Status der Sanierungen.

Ein Hamburger schreibt: „Der Zustand der Hauptverkehrsstraßen ist weiter desolat, manchmal werden Baustellen bloß um wenige Meter verschoben, wochenlang eingerichtet, ohne dass man Fortschritte sieht. Schlimm sind auch die vielen Schlaglöcher. Der Senat und vor allem das Bezirksamt Mitte sind nicht in der Lage, schnell und gut die Straßen zu sanieren. […] Nur wir stehen aber anscheinend im Stau und ruinieren uns unsere Autos.“

Doch nicht nur auf Seiten der Fahrzeugführer gibt es Ärgernisse, auch ein Bergedorfer Radler äußerte sich zu dem Thema: „Die Nebenstraßen haben so große Löcher, dass es sehr gefährlich ist. Die tiefen Löcher und Risse sind für Radler sturzgefährlich. Räder mit kleinen Durchmessern können darin stecken bleiben und zu einem Sturz führen. Es ist dringend erforderlich umgehend zu handeln. Ein Sachverhalt, bei dem in jedem Bezirk eine schnelle Einsatzgruppe gebildet werden muss!“

Die Wirtschaftsbehörde gibt an, dass seit dem Regierungswechsel 2011 "sehr erfolgreich" an einem Abbau des Sanierungsstaus auf den Hamburger Straßen gearbeitet wird. Man werde mit dem "Sanierungsprogramm erreichen, dass der Verfall aller Straßen aufgehalten wird". Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren die Mittel, die den Bezirken für die Straßensanierung zur Verfügung gestellt werden, erhöht worden.

Dass die Straßen, trotz der 40 Millionen Euro, die die Bezirke jährlich für den Erhalt der Straßen bekommen, in einem schlechten Zustand sind, lässt sich weiterhin kaum übersehen.

Bei dem nächsten Stau vor einer Baustelle, von denen es in Hamburg ja bekanntlich genug gibt, ist also ruhig Blut angesagt - Es wird etwas getan!

Von Timmo Woyczechowski
Veröffentlicht am 21.05.2018