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Sport - historischer Aufstieg in die zweite Bundesliga

36 Jahre Abstinenz

Holstein Kiel macht den Aufstieg perfekt. Foto:Mikeenikee (Flickr)

Nach langer Zeit besiegelt Holstein Kiel den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Eine Stadt im Ausnahmezustand.

„Das Gefühl? Überwältigend. In erster Linie habe ich mich für die Mannschaft und alle Mitarbeiter des Vereins gefreut, die unheimlich hart für diesen Erfolg gearbeitet haben. Toll auch, wie uns die Fans in Kiel empfangen und auf dem Rathausplatz abgefeiert haben“, sagt Wolf Paarmann, Pressesprecher von Holstein Kiel. Am vergangenen Wochenenden schaffte Holstein Kiel den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Dieser Erfolg wirkt sich nicht nur positiv auf den Sportbereich in Kiel aus, sondern auch auf die gesamte Stadt.

Durch das Tor von Marvin Ducksch in der 30. Minute haben die Störche bei der SG Sonnenhof Großaspach mit 1:0 (1:0) gewonnen. Auch wenn noch ein Spieltag aussteht, können sie nicht mehr von einem Aufstiegsplatz verdrängt werden. Vier Punkte Vorsprung haben sie auf den Relegationsplatz. Neben Kiel kann sich auch der MSV Duisburg nach einem 3:0 (1:0) Auswärtssieg bei Fortuna Köln erneut freuen in der zweiten Liga mit zu kicken.

Historie des Traditionsvereins

36 Jahre hat der erneute Aufstieg in die zweite Liga auf sich warten lassen. Nach einem Heimsieg gegen Wacker 04 Berlin stiegen sie zuletzt in der Saison 1977/78 in die zweite Liga auf. 1974/75 wurde eine zweigleise Bundesliga gegründet, das heißt eine zweite Bundesliga Nord und eine zweite Bundesliga Süd. Die zweite Bundesliga Nord bestand aus den Verbänden von beispielsweise Hamburg, Bremen und Westberlin. Einziges Problem: die Zweitliga-Reform von 1981/82. Diese hat bundesweit nur eine einzige Bundesliga vorgesehen, deswegen musste Kiel als viertletzter auf dem 19. Tabellenplatz wieder in der dritten Liga spielen. Der Gewinn der deutschen Meisterschaft 1912 und den zwei Vizemeisterschaften 1910 und 1930 sind bisher die größten Erfolge in der Kieler Vereinsgeschichte gewesen. Ebenfalls in der zweiten Bundesliga spielen die Frauen von KSV Holstein. Seit dem Aufstieg 2005 halten sie die Klasse. Neben dem Herren- und Damenfußball hat die die Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. (KSV Holstein) auch noch andere Sportarten anzubieten. Zum Beispiel Handball, Cheerleading und Tennis.

Paarmann beschreibt den Aufstieg als ein neues „Zeitalter“ für den Verein: „Alle hier haben jahrelang sehr hart darauf hingearbeitet, es wurde viel und geduldig in die Infrastruktur und gutes Personal investiert, nun zahlt sich das aus. Holstein Kiel hat das Potenzial, um in der 2. Liga zu bleiben.“

Bis in die Morgenstunden wurde ausgelassen gefeiert, Verein und Fans – alle versprühten pure Euphorie. Am kommenden Samstag findet das letzte Heimspiel gegen den Halleschen FC statt. Für den kommenden Sonnabend ist nach dem letzten Heimspiel gegen den Halleschen FC eine große Party auf dem Kieler Rathausplatz geplant.

Vorteile des Aufstiegs: für den Sport und die Stadt

„Die Zahlen der Mitglieder (derzeit 1540) steigen jetzt rasant an. Mitglieder haben ein Vorkaufsrecht für Dauerkarten“, sagt der Pressesprecher. Da das Stadion noch vergleichsweise klein sei (10000 Zuschauer, 15000 müsste es in der 2. Liga mindestens haben), haben nun alle große Sorge, dass sie keine Dauerkarten für die kommende Saison bekommen würden. Deshalb würden sie nun Mitglieder werden. Aber nicht nur deshalb: Die Art und Weise wie Kiel aufgestiegen sei, habe dem Verein sehr viel Sympathie eingebracht. „Holstein ist in! Das sah vor einigen Jahren noch anders aus“, fügt Wolf Paarmann hinzu.

Der Aufstieg hat nicht nur einen sportlichen Vorteil. Auch die Stadt Kiel wird laut Paarmann mehr in den Fokus rücken: „Gefühlt gibt es keinen in Kiel, der uns den Aufstieg nicht gegönnt hat. Mit der Fußball-Bundesliga wird Holstein, und damit auch Kiel, eine ganze neue mediale Reichweite bekommen.“ Der Aufstieg der KSV sei nicht nur ein Imagegewinn für die Stadt. Auch in finanzieller Hinsicht wird dieser sich für Kiel auszahlen.

Von Jana Lübker
Veröffentlicht am 05.06.2017