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Abi für alle!

Quelle: Pixabay.com

Es ist wieder Zeit: Es wird gegen das Mathe-Abitur protestiert. Wenn die Schulbehörde das in Zukunft vermeiden will, hilft wohl nur noch eins: Jeder bekommt Abitur!

Es ist wieder Zeit, langsam hält der Sommer Einzug und passend dazu wird hier in Hamburg eine mittlerweile jährliche Tradition fortgeführt, die bald schon Kultstatus wie Weihnachten erreicht: Die Proteste gegen das angeblich zu schwere Abitur. Geschenke gibt es da wohl nicht. 

Gegenstand diesmal: Das Mathe-Abi, wer hätte es gedacht? Da klingelt doch was: Schon 2017 wurden die Ergebnisse in Mathe um eine Gesamtnote aufgewertet. Dass die Schulbehörden auch so unfähig sind. 

Eine kurze Bestandsaufnahme: 1.200 Schüler haben in Hamburg ihr Matheabitur geschrieben, insgesamt 4.700 Unterschriften wurden bis heute unter die entsprechende Petition gesetzt.  

Die Vorwürfe: Ein zu hohes Aufgabenniveau, unverständliche Aufgaben, inhaltliche Abschweifungen zu den Lehrplänen. Wenn das sogar so vielen Leuten auffällt, die die Prüfung nicht einmal mitgeschrieben haben, muss man das ernst nehmen. Die haben schließlich Ahnung. 

Das sehen sie in der Politik natürlich auch so: Schulsenator Rabe nimmt das Thema sehr ernst, er strebt eine gemeinsame Lösung aller Bundesländer an. Stimmt ja, es wurde natürlich nicht nur hier demonstriert, auch in Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben sie direkt mitgemacht. Schadet ja nicht, ist schließlich weniger aufwendig als Mathe pauken. 

Die Ergebnisse sind übrigens noch nicht da. Aber man kann ja schonmal vorsorgen, schließlich wissen die Schüler ja, dass die Klausuren schlecht ausfallen werden. Auch wenn der Lehrerverband nach den ersten Korrekturen etwas anderes behauptet. Aber was wissen die denn schon? Die wollen eh nur den Schülern schaden. Besser hätten sie vorher mal über die Klausuren drüber geguckt. Haben sie bestimmt nicht. 

So oder so macht die Opposition jetzt Druck: Die Schüler werden nicht ausreichend vorbereitet, Rabe wollte schon letztes Jahr den Mathe-Unterricht verbessern. Da hat sich wohl jemand gehörig selbst ans Bein gepinkelt. Aber wer hätte denn ahnen können, dass Schüler Schwierigkeiten mit Mathe bekommen? Die haben ja einen Taschenrechner. 

Fun-Fact: Laut einer Studie von 5 Wissenschaftlern der Deutschen-Mathematiker-Vereinigung sinken die Anforderung fürs Mathe-Abitur seit 2005 sogar. Sie schlossen, dass die Prüfungsergebnisse nicht viel über das tatsächliche mathematische Verständnis aussagen. Na also, die Schüler sagen doch dasselbe. Unverständlich, dass Lehrerverbandspräsident Josef Kraus die Proteste als “Affenzirkus” bezeichnet. Immerhin eine gute Show. 

Und die Show muss weitergehen, daher sollte man die Noten direkt wieder aufwerten. In Zeiten von Gleichberechtigung sollte schließlich jeder Vogel sein Abi haben dürfen. Besser ist, wir gehen direkt einen Schritt weiter: Abi für alle! 

Von Jakob Baumgardt
Veröffentlicht am 15.05.2019