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Abitur - zu leicht oder doch zu schwer?

Quelle: Pixabay

Immer mehr Schüler rasseln durchs Abi - das ergibt eine Auswertung der Nachrichtenagentur dpa. Gleichzeitig verbessert sich der allgemeine Notendurchschnitt stetig. Ist das Abitur also zu leicht oder zu schwer?

 „Ich hatte das Gefühl, ich wurde da damals so reingeworfen.“, erzählt Marika, die 2017 an den Abiturprüfungen teilnahm und scheiterte. „Ich war nie richtig vorbereitet und habe einfach versucht, den ganzen Stoff in mich reinzustopfen, wie so eine Art Bulimie-lernen.“  Heute gibt die angehende Erzieherin zwar zu, sie hätte früher mit dem Lernen anfangen müssen, allerdings trage auch ihre Schule eine Teilschuld: „In den Klausuren wurden mir vor allem wegen meiner Rechtschreibung viele Punkte abgezogen, ganz egal ob meine Antwort richtig war.“

Es ist wieder so weit, in Hamburg laufen die Abiturprüfungen. Laut der Kulturministerkonferenz fielen 2009 2,39 Prozent der Schüler durch, 2017 waren es schon 2,78 Prozent. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Quote hoch, in 2017 scheiterte hier in etwa jeder 14. Prüfling. Aber woran liegt das? Werden die Schüler einfach nicht mehr richtig vorbereitet, ist die Bewertung zu streng oder sind die Schüler doch einfach zu faul?

Sollte die Bewertung individueller und leistungsgerechter sein? Dieser Ansicht ist Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverband. In einer Pressemitteilung der dpa/kas beschreibt sie eine Problematik in den Anforderungen des heutigen Abiturs, trotzdem plädiert sie für eine strengere Bewertung: "Andernfalls erhalten viele Schülerinnen und Schüler eine positivere Rückmeldung über ihre Leistung, als es ihrem realen Stand entspricht. Jenseits der Schule kann eine entsprechend falsche Selbsteinschätzung aber Probleme für die Betroffenen bringen."

Dass die Debatte um die zu leichte bzw. zu strenge Beurteilung der Abiturprüfungen schon älter ist, ist bekannt. Schon immer wurde das Schulsystem kritisiert. Innerhalb der letzten Jahre vor allem in Richtung „zu leicht“ und das aus einem einfachen Grund: der Notendurchschnitt steigt. Bei dem Spitzenreiter Thüringen verbesserte sich der Landesschnitt von 2,32 in 2008 auf 2,18 in 2018. Dicht gefolgt von Sachsen, das sich mit 2,44 auf 2,21 ebenfalls deutlich besserte. Den dritten Platz belegte Bayern, mit einem aktuellen Schnitt von 2,28. In dem Bildungsmagazin "news4teachers" gab Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes an, die Problematik der steigenden Noten liege darin, dass man unter vielen Einser-Schülern die besonders Starken nicht finde.

Schüler und auch Lehrer wehren sich gegen die Vorwürfe des zu leichten Abiturs. So auch das niedersächsische Kultusministerium: „Die Kritik an der Qualität des niedersächsischen Abiturs erfolgt ohne sachliche Grundlage und wohl eher auf Gefühl nach dem Motto: Früher war alles besser. Das wird der Leistung der Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrkräfte nicht gerecht.“

Bei der Bildung gehen die Meinungen also auseinander. Statistiken wiedersprechen sich und Experten diskutieren ohne Ergebnis. Wer aber tatsächlich recht hat, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Einem sind die Prüfungen zu schwer, in dem Anderen zu leicht. Die Lücken zwischen den Bundesländern sind zu groß, um auf ein einheitliches Ergebnis zu kommen. Was also tun? Einige Stimmen, unter ihnen auch Meidinger, fordern die Einführung eines bundesweiten Zentralabiturs. Und auch hier gibt es zahlreiche Kritiker, die dies als zu kompliziert und schlichtweg nicht-machbar sehen.

Von Milena Blumenthal
Veröffentlicht am 23.04.2019