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Hamburg

Ausnahmezustand Hafengeburtstag

Quelle: ©Hamburg Messe und Congress / Nicolas Maack

Mehr als eine Million Besucher werden erwartet: Der Hafengeburtstag versetzt Hamburg für ein ganzes Wochenende in Feierlaune. Doch wie bereiten sich beispielsweise Nahverkehr, Hotels und Co. darauf vor?

„Zur Zeit des Hafengeburtstages ist die Stadt im Ausnahmezustand. Es ist immer unglaublich voll. Ich freue mich aber jedes Jahr aufs Neue“, grinst Dieter M. Der 45-jährige Hamburger besucht ihn schon seit sechs Jahren.

In weniger als einer Woche ist es wieder soweit: Der Hamburger Hafengeburtstag geht in die nächste Runde. Vom 10. bis 12. Mai werden mehr als eine Million Besucher aus dem In- und Ausland erwartet, um das bunte Straßenfest zu erleben. Auf der rund sechs Kilometer langen Hafenmeile laden rund 350 Aussteller durch einen Mix aus kulinarischen Highlights, Fahrgeschäften, Kunsthandwerk und Konzerten zum Verweilen ein. Auch die jährliche Ein- und Auslaufparade mit mehr als 300 Schiffen aller Art wollen sich viele nicht entgehen lassen.

Ob allerdings der Nahverkehr diesem Besucherandrang gewachsen ist, bleibt abzuwarten. Denn bereits letztes Jahr lief in der Personenbeförderung nicht alles reibungslos.

 „Ich finde es extrem krass, wie voll die Bahnen sind. Ich erinnere mich noch an letztes Mal, wo mich ein Helfer am Bahnsteig zurückgewiesen hat, als ich mich noch in den Zug quetschen wollte. Ich musste dann auf den nächsten warten“, so Annika R. „Dabei war ich nicht einmal Besucherin des Hafengeburtstages, ich wollte einfach nur zu einer Freundin fahren. Man muss an dem Wochenende schon viel Geduld mit sich bringen.“

Geduld brauchen nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Mitarbeiter des Nahverkehrs. Bei der Hochbahn-Wache lässt sich aber eine fragwürdige Tendenz feststellen: 2016 wurde das Personal noch um rund 30% aufgestockt, was in den Folgejahren allerdings auf 25% reduziert wurde. Aktuelle Zahlen für 2019 liegen nicht vor. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht weiter am Personal gespart wird. Denn insbesondere das zügige Verlassen der Haltestellen seitens der Fahrgäste muss gewährleistet und koordiniert werden. Als Hilfsmittel wurden dafür an den Haltestellen Landungsbrücken und Baumwall Sichtblenden eingesetzt, die den Blick auf den Hafen versperren und die Fahrgäste zum zügigen Weitergehen motivieren.

Genauso wichtig wie das Personal ist die Richtige Taktung der Züge. Wie auch 2018 wird der Tagesbetrieb der U- und S-Bahnen dafür bis 1:30 Uhr verlängert, sowie auch der Zehn-Minuten-Takt im Innenstadtbereich. Zudem sollen bei allen Linien längere Züge zum Einsatz kommen. Auch zusätzliche Taxistände werden eingerichtet.

Und wie sieht es mit den Leuten aus, die selbst mit dem Auto anreisen wollen? Stau scheint vorprogrammiert zu sein, aber auch dafür gibt es eine Lösung: Autofahrer können sich die App „NUNAV Navigation“ downloaden. Der Algorithmus vernetzt alle Autofahrer und versucht, sie intelligent durch das Straßennetz Hamburgs zu lotsen. Die Masse an Autos wird so zwar nicht verhindert, aber Staus können eventuell besser umfahren oder an einigen Stellen sogar verringert werden.

Obwohl versucht wird, der Schar an Besuchern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, sind die Hotelpreise dagegen alles andere als angenehm. Julia Stendel vom Holiday Inn Hamburg bestätigt: „Im Vergleich zu anderen Wochenenden im April bis Juni steigen die Übernachtungspreise zum Hafengeburtstag unserer Beobachtung nach um 10 bis 60%.“

So kostet laut Check24 eine Nacht im Doppelzimmer im Mai durchschnittlich 137 Euro - am Wochenende des Hafengeburtstages allerdings schon 203 Euro. Beispielsweise wird für ein Doppelzimmer im Hotel Hafen Hamburg mit fantastischem Blick auf die Einlaufparade rund 533 Euro für zwei Nächte verlangt.

„Generell empfehlen wir, mit der Planung zwei bis drei Monate vor dem Ereignis zu starten“, so Stendel. Diejenigen, die zu spät gebucht haben oder sich die Preise nicht leisten können, müssen sich wohl mit einer Lage weit weg vom Hafen zufriedengeben.

Allerdings ist es kein Wunder, dass Preise bei Großveranstaltungen ordentlich angezogen werden. Angesichts der diesjährigen angekündigten Highlights, wie zum Beispiel die Kooperation mit der südfranzösischen Region Okzitanien, ist dies auch gerechtfertigt. Besuchern wird hier erstmals ermöglicht, den Hightech-Katamaran „Energy-Observer“, der durch die Umwandlung von Meerwasser in Wasserstoff angetrieben wird, zu besichtigen.

 

 

Von Laura-Marie Reiners
Veröffentlicht am 05.05.2019