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Bevölkerungswachstum: Gefahr für den Hamburger Wohnungsmarkt?

Quelle: Pixabay

Hamburg soll laut einer Studie des Berlin-Instituts bis 2035 den größten Bevölkerungsanstieg Deutschlands erleben. Die Metropole würde so ca. zwei Millionen Einwohner verzeichnen. Doch wie kann der Wohnungsmarkt mithalten, wenn jetzt schon ein Mangel an bezahlbaren Wohnungen herrscht?

„Es hat sehr lange gedauert, eine passende Wohnung zu finden, weil ich ja möglichst nah an der Uni wohnen wollte. Ich bin bestimmt über 15 Mal von Schleswig nach Hamburg gefahren, weil ich einen Besichtigungstermin nach dem anderen hatte“, erinnert sich Schengi Ali. Die 21-jährige ist knapp zwei Jahre in Hamburg auf Wohnungssuche gewesen.

Schicksale wie diese wird es wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren zu genüge geben: In 16 Jahren soll Hamburgs Einwohnerzahl um zehn Prozent gewachsen sein. Ungefähr 180 000 mehr Menschen als 2017 würden dann in der Elbmetropole leben, so die Prognose des Berlin-Instituts in seiner neuen Studie. Besonders junge Menschen wie Schengi und Berufseinsteiger ziehe es immer mehr nach Hamburg - trotz hoher Mieten.

Teurer als der Durchschnitt

Denn gerade für Single-Wohnungen müssen Hamburger tief in die Tasche greifen: Der durchschnittliche Mietpreis für eine 30qm2 Wohnung liegt momentan bei 15,76€. Damit liegen laut Hamburger Mietspiegel (wohnungsborese.net) Hamburger Mieten 4,40€ pro Quadratmeter über dem deutschen Durchschnitt. Insbesondere durch den erwarteten Bevölkerungsanstieg gerät die Hansestadt in Druck, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Schengi begann bereits ein Jahr vor ihrem Studium mit der Wohnungssuche. „Als ich dann keine Wohnung gefunden habe, dachte ich mir, dass ich zwischendurch ins Ausland kann und es dann eventuell besser aussieht, wenn ich wieder zurückkomme.“ Allerdings war das nicht der Fall. „Die Wohnungen wurden immer teurer.“

Trotz Neubauförderung problematisch

Die Vorhaben des Hamburger Senats, jährlich 10 000 Neubauten mit 3 000 Sozialwohnungen entstehen zu lassen, scheinen wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Dieses Ziel wurde laut einem Artikel der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen 2018 zwar zum siebten Mal in Folge erreicht, die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist aber trotzdem noch angespannt.

 „Ich hatte 17 Besichtigungstermine und davon 4 Massenbesichtigungen. Eine davon in Winterhude, da standen locker über 40 Leute im Treppenhaus. Alles war voll und die hatten am Ende keine Bewerbungszettel für die Wohnung mehr. Meine Schwester hat sich durch die Menge gedrängelt und den letzten bekommen“, erzählt Schengi.

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) betont in der taz: „Bezahlbares Wohnen in einer Großstadt ist die zentrale soziale Frage.“ An dieser Aussage besteht kein Zweifel, aber die Opposition ist mit der Umsetzung der Wohnungspolitik des Senats allerdings nicht zufrieden. Dem stadtentwicklungspolitischen Sprecher der CDU Jörg Hamann zufolge seien die Maßnahmen verfehlt. Zwar fördere Hamburg doppelt so viele Wohnungen wie Berlin im Verhältnis zur Einwohnerzahl, aber die Zahl der jährlich wegfallenden Wohnungen seien nicht eingerechnet. „Trotz aller statischen Tricks ist die Durchschnittsmiete seit 2011 um über 15 Prozent gestiegen“, so Hamann.

„Systemhäuser“ als Lösungsansatz

Ideen, dieses Problem zu bewältigen, scheint es ja zu geben. Das Wohnungsbauunternehmen Saga stellte im August letzten Jahres das Konzept der sogenannten „Systemhäuser“ vor. Das Versprechen: Nettokaltmieten sollen nicht mehr als acht Euro pro Quadratmeter kosten und besonders für Singles, junge Familien und Senioren geeignet sein. Extras wie Fahrstühle, Tiefgaragen oder Keller können bei dem Preis allerdings nicht gebaut werden. Im Hinblick auf die stetig wachsende Bevölkerung aber eventuell ein Kompromiss, der eingegangen werden muss.

Der Verbandssprecher der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft Michael Seitz ist noch skeptisch, ob eine Vielzahl solcher Bauten auch realisiert werden können. „Toll, wenn das klappt. Aber am Ende muss sich jedes Objekt rechnen. Daher kommt es auch darauf an, wie lange der Vermieter an die niedrige Einstiegsmiete gebunden ist“, teilte er der Deutschen Presseagentur mit. Die Frage sei auch, ob die Mieter mit den Einschränkungen zufrieden sein werden.

Letztendlich wurde Schengi trotz des ganzen Aufwandes nicht in Hamburg fündig, sondern in Schleswig-Holstein. Um genauer zu sein, in Pinneberg. Von ihrer neuen Wohnung bis zur Universität dauert es zum Glück nur 20 Minuten mit der S-Bahn. Um aber beispielsweise ins Hamburger Zentrum zu gelangen, benötigt sie fast 45 Minuten. Spontane Trips in die Innenstadt sind so wohl eher nicht möglich. Aber auf den Stress, den die Wohnungssuche während des ersten Semesters mit sich gebracht hat, kann sie laut eigenen Angaben in Zukunft gerne verzichten.

 

 

Von Laura-Marie Reiners
Veröffentlicht am 14.04.2019