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Das Phänomen HSV

Quelle: pixabay

Nach dem 1:1 des HSV gegen Erzgebirge Aue am 30. Spieltag der 2. Bundesliga geht das Schneckenrennen um die Aufstiegsplätze weiter. Das der HSV in die 1. Bundesliga aufsteigt, ist noch lange nicht sicher. Und Baustellen gibt es an allen Ecken und Enden.

„Es war bitter. Das Quäntchen Glück hat uns gefehlt heute“, haderte HSV Stürmer Manuel Wintzheimer am ARD-Mikrofon über das Spiel des HSV gegen Erzgebirge Aue. Mangelnde Durchschlagskraft im Angriff und Ideenlosigkeit waren der Hauptgrund dieses eher mäßigen Auftrittes. Die letzten Partien zeigen ganz deutlich. Selbst bei einem Aufstieg ist der HSV nicht erstligafähig.

Seit fünf Spieltagen in Folge wartet der HSV nun schon einen Dreier. Kurioserweise fehlt, seit der entflammten Euphorie nach dem 4:0 Derbysieg auf St. Pauli, alles beim HSV. Nichts ist es mit spielerischer Leichtigkeit und Durchschlagsfähigkeit. Spiele gegen vermeintlich leichtere Gegner gingen fahrlässig, durch Unkonzentriertheit sowie individuelle Fehler in den letzten Minuten unnötig verloren. Wie so oft beim Phänomen HSV. Das der Club weiterhin auf dem zweiten Platz der 2. Bundesliga und damit einem Aufstiegsplatz steht, ist nur der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz zu verdanken.

Doch gerade dieser ist für den HSV überlebenswichtig. Das der Verein in finanziellen Problemen steckt, wissen die Verantwortlichen nicht erst seit dem Abstieg in die Zweitklassigkeit und dem Ausstieg des Geldgebers Klaus-Michael Kühne. Zu hohe Gehälter und eine schlechte Transferpolitik sind nur zwei Punkte des Problems. Daher muss der Hamburger SV selbst in einem Falle des Bundesliga Wiederaufstiegs ein deutliches Transferplus erzielen. Zu angespannt ist derzeit die finanzielle Situation der Norddeutschen. So äußerte es auch Sportdirektor Ralf Becker auf der Sportseite transfermarkt.de „Bei uns ist es so, dass wir im Sommer Transferüberschüsse erzielen wollen und müssen, und das wird wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren noch so sein.“

Der Kader der neuen Saison 

Das die Mannschaft in der aktuellen Formation auch in der nächsten Saison zusammenspielt ist mehr als fraglich. Mit Lewis Holtby muss ein vermeintlicher Leistungsträger den HSV nach 5 Jahren verlassen. Sein Vertrag wird zum Saisonende nicht verlängert. Die Gründe sind offensichtlich. Holtby ist einer der Topverdiener des HSV, konnte allerdings die Erwartungen in der Hansestadt seit seinem Wechsel von den Tottenham Hotspur nie richtig erfüllen. Trotzdem absolvierte der offensive Mittelfeldspieler bisher 136 HSV Spiele. In der aktuellen Saison kam er bisher in 26 Ligaspielen zum Einsatz (4 Tore, 5 Vorlagen) und trug zwischenzeitlich sogar die Kapitänsbinde.

Neben den auslaufenden Leihen von Orel Mangala und Hee-Chan Hwang werden als potenzielle Verkäufe einige Leistungsträger gehandelt. Linksverteidiger Douglas Santos steht kurz vor einem Wechsel zu Bayer Leverkusen. Die Ablöse soll rund 15 Mio € betragen. Geld was der HSV dringend benötigt. Edeltalent Jann-Fiete Arp wechselt, nach einer ganz schwachen Saison, spätestens 2020 zu Bayern München.

Sponsoren sollen gehalten werden

Weiterhin gilt es, Sponsoren für die neue Saison nicht zu verlieren. So heißt es aus Vorstandskreisen dass die Fluggesellschaft Emirates, immerhin seit 13 Jahren Trikotsponsor des HSV, nur im Falle eines Aufstieges dem Verein treu bleiben wird. Dann könnten dem HSV 7,5 Mio. € an Sponsorengeldern winken. Doch die Verhandlungen stehen seit der peinlichen 2:3 Heimniederlage gegen Darmstadt still. Ein weiteres Problem gibt sich beim Stadionnamen. Investor Kühne, gab nach der Niederlage gegen Darmstadt keine eindeutige Stellung ab, ob er ein weiteres Engagement für den Stadionnamen finanziert. Ab Sommer, wäre die Arena namenlos. Rund 16 Mio € war der Name „Volksparkstadion“ dem Mäzen wert. „Ob ich den Vertrag verlängere, ist noch offen, und die sportliche Situation gibt mir zu denken. Nach guten Phasen bin ich immer sehr motiviert und denke, dass meine Hilfe nützlich ist. Wenn ich dann Spiele sehe, in denen alles den Bach heruntergeht, frage ich mich: Was soll das Ganze eigentlich noch?“, äußerte sich Kühne bei der Sportbild.

Weiter fuhr er fort beim Sportportal Sportbuzzer: „Ich glaube nicht, dass der HSV direkt aufsteigt! Wenn nicht noch ein Wunder geschieht.“

Und auch die Clubanhänger sehen einer Bundesligatauglichkeit eher skeptisch entgegen. In persönlichen Interviews sind klare Reaktionen deutlich geworden. So schildert ein Fan: „Aufstiegsfähig denke ich schon, bei dem Dusel den die am Ende immer haben. Fähig für die 1. Liga allerdings nicht.“ Und für Jan S. aus Hamburg steht fest „Also sie können aufsteigen, ja… aber mit der Leistung die sie abrufen, halten sie sich schwer in der Ersten Liga.“ Für Hannes S. aus Buchholz sieht die Sache anders aus: „Ich würde sagen, dass der HSV in der jetzigen Verfassung es nicht verdient hätte aufzusteigen (…).“ Der Club stand für ein Statement nicht zur Verfügung.

Das der HSV in die erste Liga will, sieht man an den Veränderungen zur neuen Saison. Mit Jan Gyamerah, Jeremy Dudziak und David Kinsombi hat der HSV bereits drei Neuzugänge für die neue Saison vorgestellt. Das sie talentiert sind, haben sie bei ihren Clubs längst bewiesen. Nun gilt es dieses Potenzial auch beim HSV abzurufen.

 

Von Simon Rieckmann
Veröffentlicht am 25.04.2019