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Fußball

Der Dino bleibt gefräßig

Quelle: Pixabay.com

Der Hamburger SV startet nach dem verpassten Wiederaufstieg einen neuerlichen Umbruch, mit Dieter Hecking und Jonas Boldt soll der Verein auf sportlicher Ebene vollständig umgekrempelt werden. Nur scheint ihnen beiden nicht ganz klar zu sein, worauf sie sich da eingelassen haben, gerade der Trainer sitzt auf einem sehr heißen Stuhl

“Viele denken sich: Was tut er sich da an? Ich tue mir nichts an, ich freue mich darauf!” Mut hat Dieter Hecking auf jeden Fall, begab er sich doch Ende März tatsächlich auf das wohl gefährlichste Karussell Deutschlands – den Trainerposten beim Hamburger SV. 

Und der 54-jährige erweist sich damit einen Bärendienst. Nach dem verpassten Wiederaufstieg in dieser Saison musste nicht nur sein Vorgänger Hannes Wolf seinen Hut nehmen, Sportvorstand Ralf Becker wurde direkt mit vom Hof gejagt. Dessen Nachfolger Jonas Boldt (37, ehem. Leverkusen) steht jetzt gemeinsam mit Hecking vor der Mammutaufgabe, den Verein auf sportlicher Ebene komplett umzukrempeln. Es gilt, einen aufstiegsfähigen Kader zusammenzustellen, nachdem die sogenannten “Stars” zuletzt komplett hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. 

Und kurioserweise gehen beide diese Aufgabe voller Enthusiasmus an. Es scheint vergessen, dass der HSV inklusive Hecking immer noch ganze fünf Trainer auf der Gehaltsliste hat, seit Januar 2018 zahlt der Club noch immer die Gehälter eines Markus Gisdol, eines Bernd Hollerbach, eines Christian Titz. Es scheint vergessen, dass eben jener Titz im letzten Jahr trotz Aufstiegskurs seinen Platz räumen musste, weil man ihm das notwendige Vertrauen einfach nicht entgegenbrachte. Wie also soll Hecking sich seiner Position je sicher sein? 

Es scheint übrigens auch vergessen, dass allein seit 1997 18 Chef- und sechs Interimstrainer den Hamburgern zum Opfer gefallen sind. Hecking redet von einem “Spannungsgefühl”, er sieht einen Reiz in dem doch sehr ambitionierten Aufstiegsziel. Anders lässt es sich wohl auch nicht erklären, dass ein Mann, der 2015 noch den DFB-Pokal mit Wolfsburg holte, sich den wohl größten Chaosverein des Landes antut. 

Denn Fakt ist auch: Mit der Kaderplanung läuft es nicht rund, sicher geglaubte Transfers wie der von Linksverteidiger Douglas Santos (25), von dem man sich einen hohen siebenstelligen Millionenbetrag erhofft, hängen in der Schwebe. Und wenn das schon das größte Problem wäre, der Umbruch im Verein muss natürlich nicht nur auf sportlicher Ebene stattfinden. 

HSV-Mäzen und Anteilseigner Klaus-Michael Kühne hat dies längst klar gemacht. Der82-jährige Unternehmer formulierte jüngst fünf selbsternannte “Herkules-Aufgaben”, denen sich das Vereinspräsidium stellen müsse. Allen voran: Finanzielle Stabilität, Fannähe und Kompetenz auch in der Führungsebene. Dass dies leichter gesagt als getan ist, das weiß er wohl selbst am besten. 

So sehr das Fanherz bei diesen Worten auch blutet, der HSV landet mit seinem Trainer zwar einen Glücksgriff, anders herum lässt sich dies aber wohl nicht behaupten. Auch wenn beide Seiten uns wohl gerne das Gegenteil beweisen würden, nach dem offiziellen Trainingsstart am 17.06. wird sich Hecking wohl in Acht nehmen müssen, nicht als nächster verdienter Übungsleiter vom Dino gefressen zu werden. 

Von Jakob Baumgardt
Veröffentlicht am 03.06.2019