Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Film

Der Fall Collini

Filmkritik "Der Fall Collini"

Bestseller Autor Ferdinand von Schirach hat sein beliebtes Buch "Der Fall Collini" verfilmen lassen. Ob Elias M´Barek als seriöser Anwalt überzeugen kann und eine Chance gegen seinen ehemaligen Professor Heiner Lauterbach hat, seht ihr im Film.

Bestseller Autor und Strafverteidiger Ferdinand von Schriach beschrieb 2011 in seinem Buch „Der Fall Collini“ wie sich ein junger Anwalt mit der NS- Vergangenheit seines Ziehvaters auseinandersetzt. Regisseur Marco Kreuzpaitner hat den „Fall Collini“ mit Teenieschwarm Elyas M´Barek in der Hauptrolle verfilmt.

Caspar Leinen hat seinen ersten richtigen Fall als Anwalt und steht vor einer großen Herausforderung. Kurz nachdem er das Mandat angenommen hat, begegnet er seiner Jugendliebe Johanna und erfährt das ausgerecht Hans Meyer, sein früherer Ziehvater und Vater von Johanna das Opfer ist. Nicht nur, dass er das Opfer kannte, Johanna wird ausgerechnet von seinem Früherer Uni Professor verteidigt und gehört mit zu den erfolgreichsten Anwälten Deutschlands. 

Als Leinen herausfinde, dass Hans Meyer eine gut gehütete NS-Vergnagenheit hat, wird die Sachlage noch schwieriger. „Der Fall Collini“, der eigentlich treffender „Der Fall Hans Meyer“ heißen müsste, erkundigt die Frage, wie sich das Verhältnis der Spätgeborenen zu geliebten Familienangehörigen verändert, wenn man von deren Schuld erfährt.

Die Verfilmung entschärft den Roman 

Im Vergleich zur Romanvorlage nimmt der Film der Frage allerdings ihre Ambivalenz. Denn das Drehbuch zeichnet Hans Meyer als Sadisten, dessen Vorgehen vielleicht noch irgendwie vom Kriegsrecht gedeckt sein mag. Auf einer menschlichen Ebene ist es aber amoralisch, dass es eigentlich nicht mehr viel abzuwägen gibt.

Der Film schwenkt abrupt von diesen Privaten Fragen des Umgangs mit den NS-Tätern zu einem institutionellen Problem: einem unscheinbaren, aber skandalören Gesetz aus dem Jahr 1968. Dieses bewirkt, dass die Taten vieler Kriegsverbrecher wegen Verjährung nicht mehr verfolgt werden konnten. 

Durch diese zwei unterschiedlichen Problem zerfällt der Film, sowie auch das Buch in zwei Teile. Die Handlung ergibt dadurch kein rundes Ganzes, wenn plötzlich das ganze Justizministerium auf der Anklagebank sitzt.

Überzeugende Schauspieler

Was überzeugt, sind die Schauspieler. Italo-Western-Legende Franco Nero verleijt Collini in seinem stoischen Schweigen eine todtraurige Abgründigkeit.

Elyas M´Barek schlägt sich souverän als naiver, aber engagierter Einzelkämpfer für die Gerechtigkeit. Heiner Lauterbach überzeugt in der Antagonistenrolle des arroganten Star-Juristen, der meist bekommt, was er will.

Regisseur Marco Krenzpaintner dagegen scheint nicht wirklich an die Stärke seines Blattes zu glauben. Zur Sicherheit unterlegt er fast alle Szenen mit einem emotionaliesierenden Klang-Gewaber.

Unheilschwangeres Dröhnen, wenn es spannend wird, melancholische Klavierklänge in den traurigen Szenen. Und wenn die Streicer zum aufgeregten Tremelo ansatzen, weiß man, dass endlich Aufklärung und späte Gerechtigkeit nahen. 

„Der Fall Collini“ will ein packender Kustizthriller sein, was ihm auch streckenweise gelingt. Insgesamt hätte er seinem Publikum aber dich etwas mehr Komplexität zumuten dürfen.

Von Rica Köster
Veröffentlicht am 27.04.2019