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E-Sports

Der Fußball wird digital

Quelle: JESHOOTS.com

Fußball wird auf dem Fußballplatz gespielt! Oder doch am PC? Die Gründung der neuen eNationalmannschaft muss nicht jedem gefallen und ist dennoch ein längst überfälliger Schritt.

"Ich bin in der deutschen Nationalmannschaft!" Euphorisch verbreitet Danny Liepolt diese Nachricht Anfang April über Social Media. Wer sich jetzt fragt, welchen No-Name Jogi Löw denn jetzt plötzlich nominiert hat, dem sei diese Unkenntnis verziehen. Liepolt ist kein Fußballer, zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Dennoch steht der als "proownez" bekannte Youtuber beim DFB unter Vertrag…als E-Sportler! 

Die 21 besten deutschen E-Sportler stellen die neu gegründete eNationalmannschaft des DFB, die beim ersten FIFA eNations Cup am 13./14. April ihr Debüt gab. Michael “Megabit” Bittner und Mohammed “MoAuba” Harkous vom SV Werder Bremen, die Sieger der diesjährigen Virtuellen Bundesliga (VBL), maßen sich dort mit Gegnern aus über 20 Nationen um knapp 100.000$ Preisgeld. Dominik Kupilas, Leiter Content & Digital des SV Werder Bremen, spricht von einem “weiteren Meilenstein für den E-Sports im FIFA-Bereich.” Schließlich haben mittlerweile schon fast alle Vereine der deutschen Top-Ligen eigene E-Sports Abteilungen und Mannschaften, der internationale Wettbewerb ist nur ein weiterer Schritt hin zur Digitalisierung des Sports.

Man sieht: Die Grenzen zwischen analog und digital verschwimmen, der digitale Wandel macht auch vor dem deutschen Fußball nicht halt! “MoAuba” stellte in einem Statement zu seiner Nominierung eben diese Verknüpfung besonders gut dar: “Als Kind träumt man ja davon, Profifußballer zu werden. Diesen Traum kann ich mir mit der eNationalmannschaft nun erfüllen.” Der Teufel liegt wie so oft im Detail: Profifußballer, nicht Profi-eSportler! 

Unbemerkt von der breiten Masse macht der E-Sport in den letzten Jahren nicht nur hierzulande eine Entwicklung durch, die ihresgleichen sucht. Eine Studie des “Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware” (BIU) stellt klar, jeder vierte Internetnutzer wisse bereits um elektronische Wettkämpfe, unter den 16-24 jährigen sei dies sogar bei jedem zweiten der Fall. Weiter heißt es, für diese sei der E-Sport inzwischen so selbstverständlich wie die Formel 1 oder sogar der Fußball selbst. 

Klar ist: Der E-Sport beweist ein enormes wirtschaftliches Potenzial, über Sender wie Sport1 oder ProSieben Maxx wird bereits länger Gaming im Fernsehen ausgestrahlt. Und das offensichtlich auch ziemlich erfolgreich,  gibt es nicht mit eSport1 seit kurzem sogar einen eigenen Ableger zu selbigem. Dennoch sind trotz dieses rasanten Einzugs des E-Sports in die TV-Landschaft weiterhin Online-Streaming Plattformen marktführend, laut BIU nehmen allein in Deutschland über 11 Millionen Menschen diesen Service einigermaßen regelmäßig wahr. Kein Wunder also, dass der E-Sport mittlerweile im hohen Maße anziehend auf Medienunternehmen, Investoren und Sponsoren wirkt. 

Beim DFB jedoch ist diese Erkenntnis eher schleppend angelangt. In den ersten Leitlinien zum Umgang mit E-Sport vom 20.04 letzten Jahres heißt es, wie Ex-DFB Präsident Reinhard Grindel klarstellte, man werde widerwillig “fußballbezogene Spiele als Ergänzung zum Sport im Verein” fördern, um Kinder & Jugendliche zu echtem Fußball zu animieren. Weiter heißt es, Regional- und Landesverbände seien sich mit dem DFB einig, dass “die unter dem allgemeinen Begriff E-Sport praktizierten Gewalt-, Kriegs- und Killerspiele nicht zu den Satzungsgemäßen Werten passen.” 

Erwartungsgemäß hagelte es hierzu Kritik, Hans Jagnow, Präsident des eSport-Bundes Deutschland, sagte hierzu: “Eine Abgrenzung zur gesamten eSport-Familie zu betreiben, und dafür den längst vergessenen Begriff der “Killerspiele” aus der Mottenkiste zu holen, wird dem Stand der gesellschaftlichen Debatte um eSport nicht gerecht.” 

Die Ablehnung ging jedoch weiter und gerade Ex-Präsident Grindel bremste die Integration des E-Sports mit Aussagen wie: “Fußball gehört auf den Rasen und hat mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun.” immer weiter aus. Doch verließ mit Grindel auch diese Einstellung jüngst den DFB!

Der E-Sport soll am DFB-Bundestag Ende September dann auch endlich Einzug in die DFB-Satzung finden. Zwar wird man sich beim DFB auch weiterhin auf Fußballsimulationen limitieren, doch wird man diese mit Plänen für ein eigenes Ligasystem auf Landes-, Regional- und Bundesebene zumindest stärker fördern. DFB-Interimspräsident Rainer Koch meint dazu, man müsse die “Synergien zwischen eFootball und Amateurfußball” nutzen. Simulationen wie FIFA 19 seien allerdings längst ein fester Bestandteil des Fußballs! 

Unsere eNationalmannschaft wird allerdings erst an Prestige gewinnen müssen. “Megabit” und “MoAuba” schieden bereits in der Vorrunde des eNations Cup aus, allerdings ist dieser für die beiden streng genommen auch nur eines von acht Major-Turnieren, in denen es um Preisgeld und Weltranglistenpunkte für das große Ziel “eWorld Cup 2019” geht. Eine Fußball-WM ist eben doch noch etwas anderes... 

Von Jakob Baumgardt
Veröffentlicht am 14.04.2019