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Valentinstag

Der Tag der (Verb)Liebenden

Ein beliebtes Geschenk am Valentinstag: Ein Strauß roter Rosen. Foto: Karen Hackmack

Heute ist es wieder soweit: Es ist endlich Valentinstag. Aber ist dieser Tag wirklich nur eine harmlose romantische Tradition oder eine herbei gezwungene Gelegenheit sehr viel Geld in Blumen, Schokolade und Restaurantbesuche zu investieren?

Jedes Jahr ist es das Selbe: Am 14. Februar spielt die Welt wieder verrückt, denn es ist der Tag der Liebenden. Überall kann man rote Rosen, herzförmige Ballons und überteuerte Schokolade kaufen.

Aufgezwungene Romantik

Für Paare bedeutet das, dass sie den romantischsten Tag des Jahres verbringen dürfen – oder auch müssen. Denn besonders der weibliche Part erwartet in einer Beziehung, dass an diesem Tag große Gesten gemacht werden und man mit kleinen Aufmerksamkeiten an die Liebe des Partners erinnert wird. Auf der anderen Seite steigt der Druck für Männer an, ihre Liebste mit etwas ganz Besonderem zu überraschen. Doch brauchen Paare den Valentinstag überhaupt? Schließlich unternimmt man in einer gut laufenden Beziehung häufiger auch ohne speziellen Grund etwas miteinander. Und auch kleine Aufmerksamkeiten sollten nicht nur einmal im Jahr gemacht werden. Somit ist der Valentinstag vielleicht gar nichts so besonderes für Paare. Bei einer Umfrage von Statista gaben nur 32,8% der Befragten an, dass sie den Valentinstag wirklich genießen und gerne feiern. Der Rest gab zu, dass sie diesen Tag nur zu Liebe des Partners feiern würden oder dass sie den Tag als unnötig empfinden würden. Ungefähr 10% vermutete hinter dem Valentinstag reinen Kommerz, bei dem sie sich weigern mit zu machen. Aus diesem Ergebnis ist klar zu erkennen, dass der Tag der Liebe für den größten Teil der Bevölkerung gar keine Liebe verbreitet.

Der Tag des Alleinseins

Aber der Valentinstag kann besonders für Singles eine große Bedeutung haben. Während sich für Paare an diesem Tag eigentlich nichts ändert, werden Singles schon Wochen vorher durch Werbung in jeglichen Formen daran erinnert, dass bald wieder der Tag kommt, an dem sie nichts zu feiern haben. Und wenn schon ein Schokoriegel und ein Glas Milch eine romantische Beziehung führen und man selbst alleine auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzt, dann kann das schon im Vorfelde sehr deprimierend sein. Und ist der Tag dann erst mal da, wird es auch nicht besser. Auf den Straßen sind überall Paare unterwegs, die verliebt Händchen halten, alle Freunde haben eine Verabredung mit ihrem Partner und haben deswegen keine Zeit für einen und im Fernsehen laufen nur schnulzige Liebes-Komödien. Somit gibt es keinerlei Ablenkung von der schonungslosen Wahrheit: Man ist ganz allein in dieser großen grausamen Welt.

Eine unnötige Tradition?

Nun stellt sich die Frage, ob der Valentinstag nur eine veraltete Tradition ist, oder ob wir diesen Tag wirklich noch brauchen. Natürlich kann der Tag der Liebenden sehr romantisch für Paare sein – aber brauchen wir wirklich diese Gelegenheit um daran erinnert zu werden, mal wieder an den Partner zu denken? Und sollte so ein Tag nicht für jeden etwas Positives bedeuten und dabei niemanden außen vor lassen? Wahrscheinlich fühlen wir uns alle nur deshalb dazu gezwungen, den Valentinstag zu feiern, weil uns durch Werbung jeglicher Art ein schlechtes Gewissen gemacht wird. Wenn scheinbar jeder an dieser Tradition festhält, wie kann man selbst nicht die Gelegenheit wahrnehmen und seinem Partner eine Freude machen? Doch je länger man darüber nachdenkt, desto unnötiger erscheint einem der Valentinstag. Man braucht keinen besonderen Tag, um eine kleine Aufmerksamkeit für den Partner zu haben. Und man braucht auch keinen besonderen Tag, um alle Singles daran zu erinnern, dass sie alleine sind.

Von Karen Hackmack
Veröffentlicht am 06.02.2016