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Escape Rooms

Deutsche Escape Rooms – sicher vor Polens Tragödie?

Nervenkitzel, Adrenalin und Zeitdruck – das Ziel: lebend zu entkommen. Escape Rooms bieten Spielern die Möglichkeit, der Realität zu entfliehen - Jedoch kann diese einen auch schmerzhaft einholen.

Sie erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit. Vor ein paar Jahren noch recht unbekannt erobern jetzt sogenannte “Escape Rooms” die ganze Welt. Im Fokus stehen ganz klar Unterhaltung und Teamplay: Es gilt, bedrohlichen Situationen zu entkommen, Rätsel zu entschlüsseln und vor Ablauf der Zeit lebend zu entkommen. Durch das Zusammenspiel der individuellen Stärken und mit viel Köpfchen soll es den Spielern gelingen, zu entkommen. Für ein paar junge Frauen in Polen wurde dies allerdings zur tödlichen Falle. 

Im polnischen Koszalin, im Norden des Landes, wurde Anfang Januar eines dieser “Live Escape Games” zum Verhängnis. 5 Mädchen, jeweils im Alter von 15 Jahren, sind bei einem Brand in einem polnischen Escape Room ums Leben gekommen. Der Grund des Besuchs war der Geburtstag eines der Mädchen. Es sollte ein Abend voller Sorglosigkeit und Unterhaltung werden. Im Vorraum des polnischen Anbieters war ein Feuer ausgebrochen, nachdem unbemerkt Gas aus einem Behälter strömte und sich entzündete. Den Opfern war durch das Feuer der Fluchtweg abgeschnitten, sodass sie qualvoll an einer Rauchvergiftung starben. Das Rauchgas, Kohlenmonoxid, entsteht bei allen Wohnungsbränden in großen Mengen. Giftgase wie eben genanntes Kohlenmonoxid oder auch Kohlendioxid verhindern beim Einatmen den Transport von Sauerstoff. Zusätzlich verbrennen Rußpartikel die Lunge und Schleimhäute - die Folge davon: Erstickungstod. 

Bei dem tragischen Brand wurde auch ein Mitarbeiter, welcher vor Ort die Gruppe betreuen sollte, leicht verletzt. Laut “Spiegel” wurde der Betreiber des polnische Escape Rooms festgenommen. Die örtlichen Escape Rooms wurden von den Behörden aufgrund dieser beispiellosen Tragödie vorübergehend geschlossen. Zahlreiche landesweite Kontrollen von Escape Rooms wurden daraufhin angeordnet - Das Ergebnis schockierend: Von den rund 1.100 Escape Rooms die landesweit verteilt sind, waren bereits die ersten 129 von 178 kontrollierten Räumen mangelhaft. Die häufigsten Mängel entstanden durch den Fakt, dass die Brandschutzverordnungen kaum oder gar nicht eingehalten wurden. Auch das Unglücksgebäude war nicht auf dem neusten Stand: der Raum, welche von der Gruppe junger Mädchen gespielt wurde, war nur etwa 7 m2 groß. ,,Es war nicht genügend Platz für diese Leute in diesem Raum”, so der oberste Feuerwehrmann Polens, Leszek Suski. Zudem sei die Elektroinstallation nur provisorisch gewesen und die Heizkörper standen zu nahe an leicht brennbaren Materialen. Der Ministerpräsident Andrzej Duda sprach von einer “verheerenden Tragödie”. 

Bereits einen Tag nach dem Unglück in Polen bezog der Fachverband für Live Escape & Adventure Games offiziell Stellung. Das Statement besagt, dass die zuständigen Behörden (Baurechtsämter) vorschreiben, welche Brandschutzrichtlinien einzuhalten sind. Der Fachverband erklärte weiter, dass jede Escape-Game-Betriebsstätte genehmigungspflichtig sei Deutschland und bei der Abnahme insbesondere die Brandschutzkriterien überprüft und Nachweise gefordert werden. Auch muss ein Raum zu jeder Zeit verlassbar sein. Der Verband äußerte sich wie folgt dazu: “Es sei betont, dass der Brandschutz in Deutschland einen sehr hohen Standard und Stellenwert hat und mit der bisherigen Handhabung in Polen nicht vergleichbar ist.  

Escape Rooms sind in Deutschland aktuell sehr populär. Allein Hamburg hat 27 Betriebe mit den unterschiedlichsten Ausrichtungen. Dem "Tagesspiegel" zu Folge befinden sich etwa bundesweit nach den Angaben der Seite “Escape-Games.org” 553 fertige Spielräume in 94 Städten. Betreiber in ganz Deutschland haben sich nach der Tragödie, die sich in Polen ereignete, zu Wort gemeldet. Ihren Angaben zufolge kann man die Räumlichkeiten jederzeit verlassen, es gibt Notknöpfe und Fluchtwege. Bei Stromausfällen gehen alle Türen auf, da diese mit Magnetverschlüssen verriegelt sind. Zusätzlich sei jeder Raum mit Kameras und Mikrophonen ausgestattet und jeweils mindestens ein Mitarbeiter pro Raum sei bei Notfällen sofort zur Stelle.  

Wie gehen Escape Room Betreiber nun aber einige Monate nach dem Unglück damit um? Ist der Andrang nach wie vor noch so stark oder war ein Rückgang in der Popularität zu vermerken?

Im Zuge dessen war eine Mitarbeiterin der Räumlichkeiten des Betreibers “Team Breakout” in Hamburg, Frau Jaqueline J., bereit Rede und Antwort zu stehen. “Bezüglich des Unglücks hat der Fachverband bereits ein Statement abgegeben, bei uns in Deutschland ist der Standard schon sehr hoch gesetzt, was Brandschutzverordnungen betrifft.” Die Räumlichkeiten des Betreibers “Team Breakout” seien auf den neusten Standards und daher müsse nichts verändert werden. “Wir haben überall Feuermelder installiert, die Räume sind nicht abgeschlossen und die Gäste können jederzeit die Räume verlassen.” So sieht es allerdings nicht bei allen Anbietern aus, denn Ausnahmen bestätigen die Regel. “Andere Anbieter müssen ihre Standards noch anpassen, wie etwa “The Room” in Berlin, dieser musste vorrübergehend schließen, da sie sich nicht an die Brandschutzverordnungen gehalten haben, dementsprechend musste erst alles umgebaut werden”. 

Liebhaber von Escape Rooms waren nach dem Brand in Polen verunsichert und suchten sich vor Ort bei den Unternehmen Ihres Vertrauens Rat und Rückversicherung. “Mir persönlich ist es nicht passiert, dass Gäste deshalb auf mich zukamen, jedoch ist es bei Kollegen schon vorgekommen.” Es sei wichtig, den Gästen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, denn diese müssen sich wohlfühlen. Escape Rooms leben größten Teils nach wie vor von Mundpropaganda und sind daher darauf angewiesen, dass die Gäste ihre Bedenken mitteilen. “Den Gästen wird dann erklärt, wie diese im Falle eines Notfalls, den Raum verlassen können.” Hierbei wird sich wieder darauf bezogen, dass die Räume nicht verschlossen sind und diese durch einfachste Mechanismen auch verlassen werden können. 

Deutsche Escape Rooms sind daher guten Gewissen weiterzuempfehlen, bei ausländischen Betreibern sei aber nach wie vor Vorsicht geboten. Nicht jeder Anbieter nimmt es mit den Brandschutzverordnungen so genau. 

Von Julia Burger
Veröffentlicht am 15.04.2019