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Hamburger Hafen

Die Basis bröckelt

Bild: Containerriese verlässt den Hamburger Hafen mit einer Auslastung von nur 50 Prozent. (Foto: Ann-Kathrin Schmidt)
Bild: Hamburger Hafen – Das Herzstück der Hansestadt ist ein Jobmotor und international bekannt, dennoch ruht hier die Hoffnung auf eine boomende Wirtschaft.(Foto: Ann-Kathrin Schmidt)

Für die Hansestadt war der Jahresbeginn ein wirtschaftlicher Fehlstart. Immer mehr Containerschiffe nehmen längere Wege in Kauf und fahren am Hamburger Hafen vorbei.

LANDUNGSBRÜCKEN – Hamburg ohne Hafen ist ebenso undenkbar wie Köln ohne Dom oder Paris ohne Eiffelturm. Jeden Tag erreichen Containerschiffe aus aller Welt den Hamburger Hafen mit neuer Fracht. Das "Tor zur Welt" ist einer der größten und bedeutendsten Seehäfen über Europas Grenzen hinweg. Tausende Touristen strömen an den Landungsbrücken vorbei und genießen mit einem Fischbrötchen in der Hand den Blick auf die Elbe.

Deutschlands größter Containerhafen liegt europaweit auf dem dritten Platz. Nicht nur für die Metropolregion, sondern auch bundesweit ist der Hafen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, denn fast jeder achte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt an der Hafenwirtschaft. Die fehlende Elbvertiefung sorgt in Hamburg für rückläufige Containerzahlen. Finanziell lohnt es sich nicht für die Containerriesen mit einer Auslastung von maximal 50 Prozent das "Tor zur Welt" anzufahren.

Im Jahr 2014 konnte die Hansestadt einen Gesamtumschlag von 145,7 Millionen Tonnen, damit einen Zuwachs von 4,8 Prozent erwirtschaften. Es ist das beste wirtschaftliche Ergebnis in der Historie der Hansestadt.

Der Umschlag in diesem Jahr ist nur leicht gewachsen, denn beispielsweise erwirtschaftete der Hafen im ersten Quartal einen Gesamtumschlag von 35,6 Millionen Tonnen. Es ist zwar ein Plus von 0,1 Prozent, aber im Gegensatz zu der Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen musste die Hansestadt jedoch beim Container-Umschlag von den Standard-Containern einen Rückgang verzeichnen.

Antwerpen überholt Hamburg

Im ersten Quartal 2015 sind bereits rund 2,3 Millionen Container und damit 2,3 Prozent weniger verladen worden als im Vorjahr. Die wirtschaftlichen Zuwächse der Konkurrenz aus den Niederlanden und Belgien stiegen hingegen im ersten Quartal um mehr als 7 Prozent. Antwerpen hat in dem selben Zeitraum 50.000 Container mehr gelöscht als die Hansestadt, wie die Hamburg Port Authority (HPA) mitteilt. Daher konkurriert Hamburg mit Rotterdam, dem größten Hafen Europas, hinter Antwerpen nur noch auf Platz drei.

Einbruch durch Russland-Sanktionen

Besonders stark leidet der Hamburger Hafen unter den Russland-Sanktionen und der Wirtschaftskrise. Ingo Egloff, Vorstand beim Hafen Hamburg Marketing erklärt: "Wir haben im Russland-Verkehr einen Einbruch von 34,8 Prozent gehabt.“ Außerdem sei es für Hamburg schwer den wirtschaftlichen Verlust zu kompensieren, da Russland neben China der zweitwichtigste Handelspartner ist.

Durch den Ausbau der Häfen Rotterdam und Antwerpen, sowie den zunehmenden Umsätzen bei den Containerumschlägen, hat der Hamburger Hafen gegenüber der Konkurrenz Federn lassen müssen. Außerdem sind einige Zubringer-Linien, die sogenannten Feeder-Schiffe, an Rotterdam verkauft worden. Somit können weniger Container von großen Seeschiffen mithilfe der Zubringerschiffe wegen des geringen Tiefganges über die Elbe in den Hamburger Hafen transportiert werden, wie die HPA bekannt gab.

Der Containerumschlag ist geschwächt, aber der Warenumschlag wächst dennoch, vor allem durch den größten Handelspartner China und durch den Handel mit Afrika. Vor allem wegen des Imports von Südfrüchten, Kohle, Getreide und Chemikalien erhöhte sich der Umschlag von Standardcontainern um 9,8 Prozent auf knapp 3 Millionen Tonnen. Der zweitwichtigste Handelspartner Russland zog sich hingegen aus dem Handel mit Hamburg zurück. Die immer wieder genannten Gründe seien die internationalen Sanktionen im Ukraine-Konflikt, das allgemein schwache Wirtschaftswachstum und die eigene Währung. Der russische Rubel hat seither immer mehr an Wert verloren und in Folge dessen kam die starke Abwertung der Währung, die im Vergleich zum Jahr 2013 zu einem wirtschaftlichen Einbruch von 7,8 Prozent führte.

Die Entwicklung wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, vor allem durch die schwierige Entwicklung in China und Russland, aber auch durch hausgemachte Probleme wie die Sedimentablagerungen im Hafen und auf der Elbe. Und weiterhin wartet die Hafenwirtschaft auf die Fahrrinnen Anpassung. "Das rapide Wachstum der Containerschiffe beeinflusst den Hamburger Hafen mittlerweile erheblich“, berichtet der Logistikexperte Jan Ninnemann, Gründer des Hamburger Beratungsunternehmens Hanseatic Transport Consultancy.

Streit um Elbvertiefung

Aber nicht nur die Lage in Russland sorgt in Hamburg für wirtschaftliche Einbußen beim Hamburger Hafen, sondern auch hauseigene Probleme machen es dem Hafen nicht leicht, denn die Stadt leidet vor allem wirtschaftlich unter dem Streit um die Elbvertiefung. Der Grund dafür ist, dass die Schiffe immer größer und tiefer werden und letztendlich an der Hansestadt vorbei fahren oder aufgrund der Tiefe der Elbe vorher einen Teil der Container in Konkurrenzhäfen abgeladen haben. Meistens können die Container-Riesen mit einer Auslastung von 100 Prozent die Elbe nicht passieren und wollen sich auch zusätzliche Wege aus ökonomischer Sicht ersparen.

Aktuell wird die Elbe jedoch nicht vertieft werden können, da der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschiedenen hat, dass eine Ausbaggerung gegen die EU-Umweltrichtlinien verstoßen würde. Damit droht dem Hamburger Hafen ein wirtschaftlicher Einbruch auf lange Sicht. „Leider geht von der heutigen Entscheidung in erster Linie das Signal an die überwiegend ausländische Hafenkundschaft aus, dass infrastrukturelle Großprojekte in Deutschland nur sehr schwer realisierbar sind. Das wird in den Unternehmenszentralen auf der ganzen Welt sehr genau wahrgenommen“, berichtet Christian Koopmann, Vorsitzender des Zentralverbands Deutscher Schiffsmakler e.V.

Längere Umwege

Viele Containerschiffe nehmen längere Umwege in Kauf, um nicht nach Hamburg fahren zu müssen, denn aufgrund des momentan günstigen Treibstoffs für die Schifffahrtsunternehmen scheint es ökonomisch rentabler zu sein, nach Rotterdam oder Antwerpen zu fahren. Die Häfen sind für die Schiffe einfacher zu erreichen und die Fracht kann dort komplett entladen werden. Am Ende fehlen Hamburg auch die Kapazitäten um die Containerriesen voll auszulasten, da die Flächen zur Lagerung von Containern wesentlich kleiner sind als bei der Konkurrenz. Der Hamburger Hafen ist der Jobmotor in Deutschland. Dort ruht die Hoffnung auf eine boomende Wirtschaft. Hamburg´s Wirtschaftssenator Frank Horch erklärt: „Der Hamburger Hafen hat eine herausragende Bedeutung für die Wirtschaft nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Mittel- und Osteuropa.“

Hamburger Hafen verliert Marktanteile

Der Trend sagt für Hamburg keine rosigen Zeiten voraus: Während Hamburg im Containerumschlag 2 Prozent verliert, legen die Konkurrenten Antwerpen um 10 Prozent und Rotterdam um 8 Prozent zu, wie die HPA meldet. Durch den Verlust verliert der Hafen Marktanteile in Höhe von zwei Prozent und hält somit nur noch 25 Prozent der Marktanteile in Nordeuropa.

 

 

Von Ann-Kathrin Schmidt
Veröffentlicht am 17.01.2016