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Die große Dürre von 2019?

Quelle: Pixabay

Der letzte Sommer war extrem. Extrem heiß und extrem trocken. Nicht nur Privatpersonen, auch Landwirte und deren Ernte mussten einiges einstecken. Wie sieht die Prognose für den Sommer 2019 aus? Neues Jahr, neues Glück?

Hamburg, es ist der 7. August, 2018. Lara steigt aus der Dusche und beginnt sich abzutrocknen. Das Radio läuft. Peter Fox trällert: „Meine Stadt hat Fieber, sie tropft und klebt. Wir haben schwere Glieder, der Kopf tut weh…“Es ist zu heiß… denkt Lara, während sie sich weiter abtrocknet und dabei zusehends verzweifelt. Ist das wirklich noch Wasser oder schon wieder Schweiß?

„Wir ham´s verzockt, verbockt, der Doktor kommt zu spät.“ Gut gelaunt meldet sich der Moderator: „Moin, Hamburg! Es ist 11:30 und wir haben bereits 29,4 Grad in Fuhlsbüttel gemessen. Heute wird wohl der heißeste Tag des Jahres w–“. Genervt schaltet Lara das Radio aus und legt sich noch mal hin.

Der letzte Sommer war extrem. Laut der Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war es sowohl der heißeste als auch der trockenste Sommer seit der ersten Messung 1881. „Noch nie seit Beginn der Messaufzeichnungen war es im Durchschnitt so warm (10,5 Grad Celsius) und so sonnig (2.015 Stunden) wie im letzten Jahr. Außerdem gab es nie zuvor so viele Sommertage (mit mehr als 25 Grad Celsius) und so viele heiße Tage (über 30 Grad) wie 2018. Aber auch die Regenbilanz war außergewöhnlich: 2018 war mit einer mittleren Niederschlagsmenge von 586 Litern pro Quadratmeter das vierttrockenste Jahr in Deutschland seit 1881. Von April bis Oktober war es sogar trockener als jemals zuvor.“, erklärt der TV-Meteorologe Karsten Schwanke in einem Interview mit der „Zeit“.

Für Privatpersonen aber vor allem für viele Landwirte war der Sommer 2018 eine Katastrophe. Wird es dieses Jahr erneut zu einer Dürre kommen?

Die Meinungen gehen auseinander. Mit einhundertprozentiger Genauigkeit kann niemand sagen, ob wir wieder eine Dürre haben werden oder nicht. Blickt man allerdings auf den vergangenen Monat zurück, lässt sich bereits ein erstes, deutliches Warnzeichen erkennen: Mehrere Osterfeuer mussten aufgrund von akuter Waldbrandgefahr abgesagt werden. Das galt vor allem für Veranstaltungen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, denn gerade im Nordosten Deutschlands liegt der Waldbrandindex des DWD momentan bereits auf der höchstmöglichen Warnstufe (fünf). Die nördlichsten Wälder Sachsens dürfen wegen der hohen Brandgefahr derzeit nicht einmal mehr betreten werden. Im letzten Monat (bis einschließlich Ostern) fiel dort gerade mal 2,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, bislang lag der Mittelwert im April bei 58,4 Litern.

Der DWD ist so weit, erneut einen Dürresommer zu prognostizieren, und zwar auf Grundlage deutscher Böden. Aktuell sind diese bereits trockener als zu Beginn des Dürresommers 2018. In den auf die Dürre folgenden Herbst- und Wintermonaten habe es nicht genug geregnet, um die Wasserspeicher der Böden aufzufüllen.

Im vergangenen Jahr waren diese noch gut gefüllt und die Bäume und Pflanzen bekamen durch ihre langen Wurzeln genug Wasser, um der Trockenheit zu trotzen. Diesen Sommer könnte das anders aussehen: Die Pflanzen gelangen nicht mehr an die geringer gefüllten Wasserspeicher und gehen ein. Somit könnte es auch diesen Sommer wieder zu „erheblichen Ernteausfällen und damit wirtschaftlichen Schäden“ kommen.

Udo Gärtner, Präsident des DWD, prognostiziert auf der Klimapressekonferenz im März 2019 in Berlin:  „Es wird nicht nur bei milderen und schneeärmeren Wintern sowie wärmeren Sommern bleiben – die von manchen möglicherweise sogar begrüßt würden. Vielmehr werden auch die unerwünschten Folgen des Klimawandels uns alle betreffen, ob nun direkt durch Wetterextreme oder nur mittelbar über die gesellschaftlichen Folgen der Klimaveränderung. Es ist deshalb schon um der Vorsorge willen sinnvoll, sich frühzeitig darauf einzustellen.“

Aber nicht alle glauben an eine erneute Dürre. Für Schwanke sei der Sommer 2018 zwar ein eindrucksvolles Zeichen des Klimawandels gewesen, allerdings finde er die Prognose der Dürre 2019 zu ungenau, er spricht von „absoluter Grundlagenforschung“. "Den Jahrhundertsommer 2018 hatte übrigens keines der Institute vorhergesagt.", so Schwanke.

Ob es einen Dürresommer 2019 geben wird, oder nicht, kann uns niemand genau sagen. Eins ist jedoch sicher: Das Wetter ändert sich und was auf uns zu kommt wird extrem. Extrem kalte Winter und extrem warme Sommer. „Die Klimaforschung ist sich einig: Solche Wetterextreme werden mit dem Klimawandel immer wahrscheinlicher. Wir müssen künftig häufiger, wenn nicht gar in regelmäßigen Abständen, mit Dürre in Deutschland rechnen.“, erklärt DWD- Vizepräsident Prof. Dr. Paul Becker.

Wir können uns also nur frühzeitig vorbeireiten und bestenfalls an die sich stetig wandelnden Phänomene anpassen. „Ich bin optimistisch, dass die Landwirte mit unseren neuen Dürreprognosen künftig Ertragsausfälle, wie wir sie im Jahr 2018 erleben mussten, zumindest vermindern können“, sagt Becker.

Von Milena Blumenthal
Veröffentlicht am 19.05.2019