Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Die schwarzen Schafe der Demokratie

Die Probleme der Protestwähler

Viele Wähler entscheiden sich nicht aus Überzeugung für eine Partei.

Sie nutzen ihre Stimme an der Wahlurne nur, um ihren Protest auszudrücken, indem sie sich von den großen und etablierten Parteien distanzieren. Stattdessen geben sie ihre Stimme links- oder rechtspopulistischen Parteien oder gehen gar nicht wählen. Das Problem der Protestwähler ist schwierig zu erklären und noch schwieriger zu bekämpfen.

Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten." sagte schon Kurt Tucholsky. Protestwähler scheinen diese Meinung zu teilen, und benutzen ihre Stimme nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck, sondern nur noch als Zeichen des Protests und als Hilferuf. Sie sind unzufrieden und wollen so auf ihre Lage aufmerksam machen. Was für weitreichende Konsequenzen dies mit sich bringen kann, ist ihnen oft nicht bewusst.

Eine Wahl ist keine Demonstration, auf der man seine Wut deutlich machen kann, indem man überspitzte Parolen in die Luft hält und seinem Ärger Luft macht, mit dem Ziel einfach nur gehört zu werden. Die Konsequenzen einer Wahl sind jedoch viel weitreichender. Früher galt es als großes Privileg, wählen zu dürfen.Dieses Privileg scheint nur leider heute nicht mehr wertgeschätzt zu werden.

Viele Protestwähler wollen den großen Parteien einen Denkzettel verpassen. Nur scheint ihnen nicht klar zu sein, dass dies dann dazu führen kann, dass sie in Zukunft von einem "Denkzettel" regiert werden.

Grundsätzlich geht man davon aus, dass der Begriff des Protestwählers ein zeitlich begrenzter Zustand ist. Ein Großteil der Wähler findet demnach zu seiner ursprünglichen Partei zurück. Es besteht Handlungsbedarf seitens der großen Volksparteien, wenn sie ihre verlorenen Wähler zurückgewinnen wollen. Sie müssen auf den Protest ihrer ehemaligen Wähler reagieren und es schaffen, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. 

Die Zahl der Protestwähler hängt oftmals mit gesellschaftlichen Missständen zusammen. Auch große Veränderungen, die Angst auf Seiten der Bürger hervorrufen beeinflusst die Zahl der Protestwähler.           Die "Flüchtlingskrise" hat beispielsweise viele Menschen zu Protestwählern gemacht. Die große Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge scheint Angst hervorgerufen zu haben, die Menschen fühlten sich von der Politik allein gelassen und reagierten so mit Protest um ihr Unverständnis kund zu tun. Der Mangel an Aufklärung führte bei vielen Menschen zu Existenzängsten und Hilflosigkeit. 

"Geht man von der Grundannahme aus, dass sich der Verdrossenheitsbegriff aus einer Distanz zwischen Bürger und Staat entwickeln konnte, dann sind Nicht- und Protestwähler zunächst einmal als Personen zu verstehen, die sich auf diesem Weg so weit wie möglich von den politischen Institutionen distanzieren wollen." So versucht Iris Huth, Politikwissenschaftlerin, eine allgemein gültige Definition für den Begriff des Protestwählers zu finden.

Die Politiker müssen also ihre Wähler mehr teilhaben lassen, in die Politik integrieren und versuchen die zu groß gewordene Distanz zu beseitigen. Wähler sollen sich wieder für eine Partei entscheiden können, von der sie regiert werden wollen, und nicht stattdessen eine Partei wählen, die die anderen Parteien möglichst gut Steine in den Weg legen kann. Und hoffentlich wird dann das Privileg, wählen zu dürfen wieder wertgeschätzt und Wähler können lernen, sorgsam mit ihrer Stimme umzugehen. 

Von Laura Eder
Veröffentlicht am 19.08.2016