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Terrorismus

Ein Attentat auf die Jugend

(Foto: Keith Williamson)

Bei einem Konzert des Teenie-Idols Ariana Grande am Abend des 22. Mai kamen 23 Menschen ums Leben, 59 weitere gelten als schwer verletzt. Ein Selbstmordattentäter löste die Bombenexplosion vor der Manchester Arena im Nordwesten Englands aus. "Es tut mir so leid, ich habe keine Worte dafür", äußerte sich die Sängerin auf Twitter.

Dass Musik verbindet, zeigt sich am besten auf Konzerten. Tausende Menschen, alle anwesend wegen eines Künstlers oder einer Band, wegen der gemeinsamen Liebe zur Musik. Gerade für viele Kinder und Jugendliche gibt die Musik einen bestimmten Halt, bietet einen Zufluchtsort. Musiker sind seit Langem nicht mehr nur Musiker, sie sind Idole, Vorbilder. Ihre Fangemeinde ist untereinander stark vernetzt durch Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook, können teilweise sogar mit dem Künstler selbst dort in Kontakt treten. Ein Konzertbesuch seines Idols wird oft lang erwartet und ersehnt. Einige Fans haben sogar einen kleinen Countdown auf Twitter erstellt, mit dem sie auf ihren Konzertbesuch hinfiebern. 

Eben so ein Konzertbesuch endete in Manchester in einer Tragödie.

Auf einmal fingen alle an zu rennen

Bei dem Konzert handelte es sich um einen Auftritt des US-Amerikanischen Teenie-Idols Ariana Grande, welche ihre Show am Montag, den 22. Mai 2017 in der Manchester Arena spielte. Grande's Fangemeinde besteht primär aus Kindern und Jugendlichen, da sie unter anderem auch durch eine Nickelodeon Kinderserie bekannt ist.

So waren die meisten Zuschauer auch bei dieser Show deutlich unter 18, viele jünger noch als 16, und von ihren Eltern begleitet. Das Event begann um 19 Uhr britischer Zeit, und sollte um 23 Uhr zu Ende sein. Ungefähr zu dieser Zeit geschah dann das Unfassbare: Zu Vernehmen ist ein lauter Knall. Panik bricht aus. "Einige schrien. Und auf einmal fingen alle an zu rennen", schrieb eine Besucherin des Konzerts auf dem Nachrichtendienst Twitter. "Erst dachten wir, es handele sich um einen technischen Defekt. Als wären Lautsprecherboxen explodiert", so die Userin weiter. Doch als die 21000 Menschen das Stadion fluchtartig verlassen wollen, stehen bereits Krankenwagen und Polizei vor der Arena.

Es handelte sich nicht um einen technischen Defekt, sondern um die Detonation einer Bombe. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in Manchester in die Luft gesprengt. Über 60 Menschen wurden schwer verletzt. 23 Menschen verloren an diesem Abend ihr Leben. Laut britischen Medien seien die Mehrzahl der Opfer Kinder unter 16 Jahren, die Jüngste gerade mal 8 Jahre alt.

Erneut Attentat auf Jugendliche

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Konzert-Event, bei welchem die Besucher vorrangig Jugendliche und sogar Kinder waren, tödlich endete. Erst vergangenen Juni wurde die US-Amerikanische Sängerin und YouTube-Sensation Christina Grimmie bei ihrer Autogrammstunde nach einem Konzert erschossen. Ein Irrer, ein Fanatiker wurde damals für die Tat verurteilt. Der Schütze trug zwei Schusswaffen, zwei volle Magazine und sein Jagdmesser bei sich. Diese seien bei der Sicherheitskontrolle übersehen worden. Nach diesem Ereignis wurde vor allem die Kritik an Veranstaltern von solchen Großveranstaltungen laut. Wie sei es möglich, dass ein hochgradig bewaffneter Mann durch  die Sicherheitskontrollen am Eingang kommt? Wie gut sind Veranstalter auf den Ernstfall vorbereitet, wie schnell können Arenen evakuiert werden?

Klar ist: Metalldetektoren gibt es mittlerweile an beinahe alle Orten, an denen eine große Masse an Menschen erwartet wird. Nicht mehr nur an Flughäfen, sondern eben auch Konzerthallen, sogar an manchen US-amerikanischen Schulen sollten die elektronischen Kontrollen eingeführt werden. "Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in Europa haben wir als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme Durchgangs-Metalldetektoren installiert", schreibt die Hamburger Barclaycard Arena auf ihrer Website.

Wie konnte nun ein Selbstmordattentäter die Manchester Arena betreten? Festgehalten werden muss: Nach aktuellen Informationen fand die Detonation der Bombe des Täters vor der Konzerthalle statt. Das Konzert war erst seit wenigen Minuten beendet, als die Besucher, teilweise noch auf ihren Sitzen, den Knall hörten. Dies geht aus mehreren Handy-Videos hervor, die Besucher vor Ort gefilmt und ins Internet gestellt hatten. Das Foyer der Arena sei laut Informationen der ARD öffentlich zugänglich, Sicherheitskontrollen mit Metalldetektoren fanden erst danach statt.

Die Welt zeigt sich bestürzt

Englands Premierministerin Theresa May reagierte sofort mit Bestürzen auf den Anschlag von Manchester. Sie sprach den Betroffenen ihr Mitgefühl aus, sprach von einem "Attentat auf die Jugend". Die Tatsache, dass es sich bei der Attacke um ein vorrangig von Kindern und Jugendlichen besuchtes Konzert handelte, steche laut May noch einmal mit seiner "extremen Feigheit und Widerwärtigkeit" hervor. Laut ihrer Aussage handele es sich auch um den schlimmsten Terrorangriff, der den Norden Englands je getroffen hat. Sie bedankt sich gleichzeitig auch bei den unzähligen Helfern, Polizisten, Rettungssanitätern und sogar Taxifahrern, welche Betroffenen kostenlose Fahrten zur Verfügung stellten. Zuletzt kündigte Premierministerin May an, die "dahinterstehende Ideologie" des Attentats zu "bekämpfen und besiegen".

Theresa May sprach also an, was viele schon vermuteten: Es handelte sich bei dem Anschlag zu großer Wahrscheinlichkeit um eine von Terroristen geplante Tat. Nach aktuellem Stand (Dienstag, der 23. Mai 2017) sei der Attentäter bereits identifiziert. Es soll sich um einen in Manchester geborenen Mann Anfang 20 handeln, der augenscheinlich in Kontakt zum IS stand. Diese waren es auch, die in mehreren Tweets und Videos den Anschlag gefeiert hatten und als eine von ihnen geplante Aktion verkündeten.

Neben der Premierministerin sprachen auch andere Politiker ihr Mitgefühl aus. So schrieben unter anderem Obama, Trump, Erdogan und Trudeau ihre Kondolenzen über Twitter, und verkündeten gleichzeitig, im Kampf gegen den Terrorismus auf der Seite Großbritanniens zu stehen. Der Eiffelturm in der französischen Hauptstadt Paris schaltete in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch als Zeichen der Anteilnahme die Lichter aus. Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo machte auf die Terrornacht vom 13. November 2015 aufmerksam. "Das erinnert uns so sehr an das 'Bataclan'", so die erste Bürgermeisterin von Paris. In dem angesprochenen Pariser Konzertsaal ermordeten Islamisten damals 90 Menschen.

 

Ein Konzert sollte ein Tag der Freude sein. Ein Moment, auf den gerade Kinder lange warten. Steht dieser Tag dann endlich vor der Tür, sind die Jugendlichen in Ekstase. Umgeben sein von anderen, die die Leidenschaft zu dem Künstler teilen. Einmal in der Nähe ihres großen Idols sein.

Ein Tag, der für viele Kinder und Jugendliche so bedeutsam ist, sollte niemals ihr letzter sein.

Von Ina-Marie Stark
Veröffentlicht am 31.05.2017