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Nachruf

Eine Legende geht von uns

Er war ein Mann mit Charisma, einer unvergesslichen ehrlichen, offenen Art und einem ereignisreichen Leben gefüllt mit Speed, Adrenalin und vielen Wendungen. Am 20. Mai ist Niki Lauda (70) in Zürich verstorben.

"Das Unmögliche zu schaffen, das ist das, was mich am meisten reizt", sagte der 3-Fache Formel1 Weltmeister und so lebte er auch sein Leben.

Er war nicht nur ein erfolgreicher Formel1 Rennfahrer, sondern auch ein erfolgreicher Unternehmer und Familienmensch.
Er selber würde diesen Text nicht mögen, Sentimentalität war nicht so sein Ding. Er blendete Gefühle meistens aus.

"Mein ganzes Leben lang sind immer positive und negative Dinge hintereinander eingetreten, zur Ruhe habe ich nie gefunden", sagte er einmal.

Aber diese Härte und sein unglaublicher Wille waren es auch, die ihn damals nach seinem schlimmen Unfall am Nürburgring (1976) am Leben hielten. Und gerade dieses Erlebnis machte ihn zu einem Botschafter für Kampfgeist.

Womit beginnt man bei so einem aufregenden Leben und so einer Ikone?

Als Andreas Nikolaus Lauda wurde er am 22. Februar 1949 in Wien geboren.

Er brach schon früh aus seiner industriellen Familie aus, weil die gegen seinen Rennfahrer Traum waren. Also nahm er einen Kredit auf und kämpfte sich alleine nach oben.

1972 sicherte sich der Wiener ein Cockpit beim Team March. Was ihm vielleicht an Talent bei der Fahrzeugbeherrschung fehlte, kompensierte er durch Genauigkeit, Cleverness und Disziplin. An Entschlossenheit hat es ihm auch nie gemangelt und so gewann er 1975 seinen ersten WM-Titel mit Ferrari. 

 

Der Unfall

Dann kam das Jahr. Das Jahr 1976 in dem er auf dem Nürburgring nach einem Unfall fast verbrannt wäre.
50 Sekunden saß Lauda in den Flammen seines Wagens, atmet giftige Gase ein, „der Aufprall war so hart, dass es mir den Sturzhelm heruntergerissen hat“, sagte er dem „SZ-Magazin“ 

Sein damaliger Arzt, Dr. Eike betonte: "95 Prozent der Patienten mit derartigen Verletzungen, einem sogenannten Inhalationstrauma, die wir normal künstlich beatmet haben, sind damals gestorben“.  Aber nicht Lauda. Ganz im Gegenteil. Er tat damals das Unfassbare.
Nur sechs Wochen später saß er wieder schwer gezeichnet von den Verbrennungen in seinem Auto und wurde vierter. Welch ein sensationelles Comeback. Er wollte niemandem etwas beweisen nur sich selbst.

Wenn er, so Lauda, nicht 42 Tage danach damit abgeschlossen hätte, hätte er nicht wieder ins Auto steigen und fahren können. "Andere, 'normale' Leute schleppen so etwas das ganze Leben lang mit sich herum. Als Rennfahrer geht das nicht. Entweder du löst das Problem und fährst wieder, oder du hörst auf."

Er war kurz davor wieder Weltmeister zu werden trotz seines Ausfalls. Beim letzten Rennen in Fuji (Japan) aber stellte er seinen Ferrari im strömenden Regen ab: "Egal was die Welt von mir denkt, ich bin kein Selbstmörder." So wurde der Brite James Hunt Weltmeister mit nur einem Punkt Vorsprung. Die Geschichte des Duells der beiden wurde sogar 2013 verfilmt in dem Film „Rush – Alles für den Sieg“.

"Ich wäre heute nicht der, der ich bin, stünde nicht da, wo ich stehe, wenn er (der Unfall) nicht passiert wäre", sagte Lauda angesichts des 40. Jahrestags des Dramas. 

Nach dem zweiten WM-Titel 1977 wurde Lauda die Formel 1 langsam leid. Und zwar so sehr, dass er zwei Jahre später beim Training in Montréal (Kanada) seinen Brabham an die Box fuhr, einfach ausstieg und sein verdutztes Team, mit dem berühmten Zitat wissen ließ: "Ich habe keine Lust mehr, im Kreis zu fahren." 


Der Weg in die Luft 

1984 wurde er sogar das 3. Mal Weltmeister mit einem halben Punkt Vorsprung im Teamduell bei McLaren-Porsche gegen den aufstrebenden Alain Prost.

Dieser sagte nach der Todesnachricht von Lauda: "Es gibt Champions, Leute mit Erfolgen, aber hier verlieren wir einen Ehrenmann, der sich nie beschwert hat - über das Leben, sein Befinden, seinen Unfall. Und er hat immer nach vorn geschaut.“

Lauda gründete nach dem Sieg seine eigene beliebte Fluglinie „Lauda-Air“.
Darauf folgte im Mai 1991 erneut eine dunkle Wendung in seinem Leben.
223 Menschen starben, als eine seiner Boeings 767 im thailändischen Dschungel zerschellte. Eine Katastrophe und ein Schock, die ihn nach eigenen Aussagen mehr traf als sein eigener Unfall.

Er flog an den Unglücksort und stellte sich den schrecklichen Bildern. Er ließ nicht locker bei der Frage – Warum? Wie ein Terrier verbiss er sich auf der Suche nach der Antwort und dank seiner Hartnäckigkeit wurde die Absturzursache aufgeklärt.
Es war ein Konstruktionsfehler in der Schubumkehr. Die Triebwerke aller derartigen Maschinen wurden daraufhin umgerüstet. 

Seine Fluglinie wurde zwar später übernommen, trotzdem schaffte er es immer wieder einen Weg zurück ins Business zu finden.
Und auch der Formel 1 wollte er nicht den Rücken zukehren. Er tauchte immer wieder auf der Rennstrecke auf als Ferrari-Berater, Fernsehexperte, Aufsichtsratschef und Anteilseigner des Formel-1-Teams von Mercedes.

Die Reporter rissen sich um ihn, Lauda war immer ein sehr gefragter Mann. Es war die unvergleichliche Mischung aus Charisma, Legendenstatus, Kämpfernatur und einer frechen wienerischen Klappe, die alle anzog. 

Auch sein Rücktritt von RTL nach dem letzten Rennen der Saison 2017 in Abu Dhabi zeigte einmal wieder wie Lauda war. Nach all den gemeinsamen Jahren zog er sich Live die Kappe vom Kopf und sagte, ohne zuvor irgendjemandem auch nur eine Andeutung gemacht zu haben: "So, das war's. Nächstes Jahr bin ich hier nicht mehr zu sehen." Was andere von ihm erwarteten oder von ihm dachten - das hat Niki Lauda stets sehr wenig interessiert.

Der österreichische Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko hat Niki Lauda nach dessen Tod als guten und großzügigen Mensch beschrieben. „Er war ganz klar ein Ausnahmemensch, der immer am Boden geblieben ist.  Als Sportler sei Lauda allerding ein „wahnsinniger Egoist“ gewesen, wie ihn auch andere beschrieben hatten. Der frühere Rennfahrer habe sich aber verändert, als er seine spätere Frau Birgit kennengelernt habe. „Er hat Rücksicht genommen, das war vorher nicht seine Stärke.“

Aus seiner ersten Ehe mit Marlene Knaus hinterlässt er zwei Söhne. Mathias Lauda ist ebenfalls Rennfahrer. Aus einer unehelichen Beziehung hat er einen weiteren Sohn. Das zweite Mal heiratete Lauda 2008 Birgit Wetzinger und wurde im Alter von 60 Jahren nochmal Vater von Zwillingen.

Im August 2018 mussten ihm neue Lungenflügel transplantiert werden. Später kam es zu Komplikationen und weiteren Behandlungen im Krankenhaus. Nachdem er dem Tot so oft entkommen war, wurde er nun leider doch von ihm eingeholt.

Lauda starb am 20. Mai 2019 im Alter von 70 Jahren im Kreise seiner Familie nach dreiwöchigem Aufenthalt im Universitätsspital Zürich.

Er wird immer eine Legende bleiben.

 

 

Von Elisa Cobernuß
Veröffentlicht am 23.05.2019