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Brexit

Eine Weltstadt wird englisch

Die EU schrumpft durch den Austritt von Großbritannien

Bei den Folgen des Brexit haben sich alle nur auf das Gesamtbild konzentriert und die Folgen für einzelne Städte größtenteils vergessen. Doch wer in Hamburg lebt, sollte auch wissen, womit es zu rechnen gilt, ob positive Veränderungen oder negative.

 

Das Coldplay Konzert in Hamburg war ein voller Erfolg. Perfektes Wetter, super Stimmung und die weltberühmte Band hat die beste Musik gespielt. Das ganze Publikum hat mit den Songs mitgefeiert. Das perfekte Konzert einfach. Nach einiger Zeit konnte man ein Fan Plakat über den Köpfen sehen. Kein „Ich liebe Colplay“ oder „Coldplay forever“. Es lautete „Welcome Brexit-Refugees.“

Zwischen positiver und negativer Überraschung

Großbritannien verlässt die EU. Am 29. Juni 2016 stimmten 51,9 Prozent der Engländer für den Brexit. „Es ist unverantwortlich zu sagen, in dieser Welt könne ein europäisches Land allein und ohne die EU seine Stimme hörbar machen oder seine wirtschaftlichen Interessen durchsetzen.“, zweifelt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Nach der Einreichung des Austrittsantrags vom 29. März 2017 tagten die EU-Abgeordneten am 05. April in Straßburg, mit der Entscheidung für keinerlei finanzielle Zugeständnisse und die Forderung, dass das Vereinigte Königreich alle seine rechtlichen, finanziellen und haushaltpolitischen Verpflichtungen erfüllen müsse.

Folgen des Brexit treffen auch Hamburg

In Hamburg sind die Folgen des Brexit durch den kulturellen Wandel nachzuvollziehen. Besonders durch die internationale Anbindung ist Hamburg bisher ein beliebtes Touristenziel bei den Briten gewesen. Jetzt lockt es sie nicht nur für den Urlaub hierher, sondern auch zum Leben. Bereits 2016 stieg die Zahl der Einwanderungsanträge auf 280 an. 2015 waren es dagegen 52 Anträge. Besonders nach dem Brexit-Referendum im Juni gingen 206 Anträge bei den Behörden ein. Trotz der bisherigen 145 Anträge, welche dieses Jahr eingegangen sind, lässt sich auch nach der Antragstellung keine besondere Steigerung feststellen. „Eine fluchtartige Panik oder ähnliches ist nicht zu bestätigen“, bestätigen die Behörden. Doch dies sind nur erste Auswertungen. Was im Laufe des Jahres noch geschieht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Weltstadt Hamburg kann sich dabei nur über den kulturellen Zuwachs freuen. Eine Touristenstadt wächst auch an den in ihr lebenden Kulturen und wird bereichert. Negative Einflüsse auf den Tourismus lassen sich ebenso wenig verzeichnen.

Handel und Binnenmarkt leiden unter dem Ausstieg

Für die EU fehlen mit dem Austritt Großbritanniens 10 Milliarden Euro im Haushalt. Einige Branchen sind stark betroffen, denn obwohl beim Maschinenbau und in der Elektroindustrie leichte Verkaufsanstiege verzeichnet wurden, sind im Finanzsektor, der Autoindustrie und der Chemiebranche bereits geringe Folgen zu spüren. Börsenprojekte bezüglich Firmenfusionen wurden verkompliziert oder aufkommende Zölle führen bereits jetzt schon zu niedrigeren Verkaufszahlen. Bei Investitionen und im Konsum in der Chemiebranche sind auch Abgänge zu sehen.

Einzelne Handelsbeziehungen sind laut der Handelskammer Hamburg noch nicht geregelt worden, aber doch ist bereits klar, dass auf jeden Fall durch den Austritt Großbritanniens ein neues Freihandelsabkommen verhandelt werden muss. Dieses ist besonders für Firmen mit Tochtersitzen in England oder der Entsendung von Mitarbeitern notwendig. Hamburger Firmen müssen sich neu ausrichten und sich der ändernden Wirtschaftslage anpassen. Zusätzlich sind bei Im- und Exporten die eventuell steigenden Zölle zu beachten.

Neben dem bevorstehenden Freihandelsabkommen ist die Lage für Unternehmen noch nicht sicher. Es lässt sich bis jetzt von nur wenig Folgen sprechen, da sich noch keine drastischen Änderungen verzeichnen lassen. In dieser Situation lässt sich nur von „Verunsicherung, aber noch keine Panik“ sprechen, so die Handelskammer Hamburg zum Großstadtpapier. Bei entstehenden Verhandlungslücken sind vor allem Überbrückungsmaßnahmen für Firmen und Mitarbeiter wichtig. Außerdem verhalten sich die Unternehmen noch ruhig, besonders in der Finanz- und Chemiebranche. Dort lässt sich nur feststellen, dass sich in Investitionsentscheidungen eine gewisse Zurückhaltung zeigt. Die meisten Firmen warten vorerst das nächste Jahr ab und auch die weitere Entwicklung in Sachen Brexit.

Durch die wachsende Kultur mit den vielen neuen britischen Einwanderern stehen Hamburgs Zukunftschancen gut. Aber im Handel, der in der Hafenstadt zum Stadtbild gehört und für viele Firmen durch die internationale Anbindung überlebenswichtig ist, sollten in den Unternehmen vorsichtshalber geringfügige Absicherungsmaßnahmen getroffen werden und auch mit drastischen Änderungen und neuen Handelsbedingungen gerechnet werden. Denn ansonsten steht Hamburg dem Brexit offen gegenüber und wartet die nächsten Vorgänge in einer Hab-Acht-Stellung ab. Die Stadt Hamburg und die Hamburger können sich durch die weitere Bereicherung durch zuwandernde Briten freuen und in Zukunft lässt sich bestimmt auf eine positive Auswirkung auf das Stadtklima hoffen. 

Von Ann Katrin Meier
Veröffentlicht am 10.04.2017