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Rassismus

„Es ist die schlichte Angst vor Neuem“

Quelle: pixabay.com

Als Deutsche mit persischem Migrationshintergrund hat Enissa Amani schon immer Witze über Ausländer; besonders über Muslime und Iraner gemacht. Doch bei ernst gemeinten Aussagen gegen Ausländer sieht das Ganze anders aus. Dagegen will Enissa Amani nun vorgehen: Und hat sich die AfD vorgenommen.

„Wir Künstler mit Migrationshintergrund sind von der Masse meist nur dann akzeptiert, wenn wir den dummen Ausländer spielen oder super angepasst mit Bier und Kasslerbraten auf dem Oktoberfest sitzen. Wenn wir aber plötzlich nicht mehr der Quotenkanacke im TV sein wollen und solche Formate ablehnen, dann regiert die Angst. Es ist die schlichte Angst vor Neuem.“

Aufgebrachte Statements wie dieses gab es in letzter Zeit oft in den Instagram-Stories von Enissa Amani zu lesen. 

Wenn man sich ihr Instagram-Profil ansieht, sieht es aus, als würde sich in Deutschland jetzt endlich mal stark was bewegen: Dass wir uns einen Schritt weiter vom Rassismus distanzieren und in Richtung Inklusion gehen. Ist Deutschland denn schon so weit, wie Enissa Amani das Land haben möchte?

Am 19. März postete sie ein Video von Andreas Winhart, einem AfD-Politiker, der erschreckend rassistische Aussagen von sich gibt. Unter dem Video schimpfte sie über ihn und machte darauf aufmerksam, was für einer Partei die Deutschen 18% ihrer Stimmen gegeben haben. Eine Woche später wurde sie von ihm angeklagt. Der Vorwurf: Unwahre Behauptungen. Doch seine eigenen Aussagen wird er wohl leider kaum als „unwahr“ bezeichnen, denn er steht ja augenscheinlich zu all den schlimmen Aussagen, die er tat. Entschuldigt hat er sich nämlich nie. 

Falls er mit den „unwahren Behauptungen“ die Tatsache meint, dass er als Rassist beschimpft wurde, muss man ihn allerdings auch in die Schranken weisen. Denn all das, was er gesagt hat, ist hochgradig rassistisch. Das Video trieft nur so von Diskriminierung und veralteten Beleidigungen, von denen man sich im Jahr 2019 eigentlich schon lange distanziert hat.

Also wäre das mit den unwahren Behauptungen seitens Amani demnach ein nichtiger Vorwurf. In der Klage verlangt Winhart außerdem 5100€, da er beleidigt wurde. Ja, Enissa Amani hat ihn beschimpft, und auch nicht mit harmlosen Worten. Aber wenn wir das also als Beleidigung gelten lassen, müsste er erst recht verklagt werden, da er mit seinen Reden im bayrischen Landtag mit Beleidigungen gegen ganze Bevölkerungsgruppen eindeutig eine Nummer weiter geht.

Vielleicht ist ihm oder seinem Anwalt das Ganze dann auch klar geworden, denn weitere Briefe der Kanzlei folgten nicht. 

Da das ganze Thema über Instagram lief wurde es ziemlich offen diskutiert, und so konnte jeder sich einmischen. Sehr zum Wohle von Enissa Amani, da sie mit ihren 513.000 Followern Andreas Winhart mit seinen 892 Abonnenten deutlich voraus ist.In den Kommentaren sind überwiegend unterstützende Nachrichten für Enissa zu lesen. Alle sind empört über die AfD und bewundern sie für ihren Mut, gegen den Rassismus im Bundestag anzugehen. „Danke dass du uns allen eine Stimme gibst“, „Dich haben wir gebraucht“ oder „Endlich sagt es jemand!“ sind Nachrichten die sich tausendfach in den Kommentaren finden lassen. 

Leider gibt es dazwischen aber auch Aussagen wie: „Verpiss dich wenn dir hier in diesem toleranten Land etwas nicht passt. Am besten in den Orient, da wird deine Meinung geschätzt.“

Oder auch Aussagen aus der Richtung, wie man sie aus Witzen kennt, die einen nur die Augen verdrehen lassen: „Ich bin kein Ausländerfeind– es gibt viele die voll ok sind, aber leider auch genügend, die komplett gestörte, aggressive, radikale, abschäumige Vollidioten sind!“

Auf die Spitze getrieben wurde das Thema, als Amani „nur so zum Spaß“ ein Lied veröffentlichte mit dem Titel „FCK die AfD“. Provokativ aber, oder gerade deshalb, wirksam. Die Fans teilten das Lied fleißig. Amani betont stark, dass das Ganze keine PR-Masche oder sonstiges war. Sie ist nun mal in der Comedy-Szene und möchte die Leute in erster Linie entertainen. Alle Streaming-Einnahmen des Liedes werden von ihr verdoppelt und an Projekte gegen Rassismus gespendet. 

Doch auch wenn die positiven Kommentare überwiegen – man merkt, dass die Nachricht nicht jeden richtig erreicht. Viele Deutsche sind noch zu eingeschränkt in ihrer Denkweise, um auch mal nach links und rechts zu schauen und zu sehen, wie weit das Land gekommen ist. Wie weit es kommen könnte, wenn die Diskriminierung ein Ende hätte. 

Es ist ein Grundproblem, das sich so leicht nicht lösen lässt. Die Menschen, die rassistisch sind, sind in ihrer Denkweise so radikal, dass sie sich nicht leicht vom Gegenteil überzeugen lassen.Das lässt sich vor allem an den 18% ablesen, die ihre Stimme der AfD gegeben haben.

Amani bleibt trotzdem optimistisch in dem Glauben, dass sie etwas bewegen kann. Alleine schon die Diskussion angestoßen zu haben; ihre Reichweite zu nutzen und den Menschen zeigen, was für Aussagen AfD-Politiker ungestraft von sich geben – das ist an sich schon ein Erfolg. Mit einem aussagekräftigen Zitat von Rutger Bregmann bestärkt sie ihren Glauben an Verbesserung: „Ich bin klein, aber ich kann im kleinen Rahmen was tun. Wie jeder Mensch. Wir können Dinge ändern. ,Utopie ist immer nur so lange Utopie, bis sie real wird‘“. 

Bis diese Utopie dann aber eintritt, haben wir leider noch einen langen Weg vor uns.

Von Shiva
 Oskui
Veröffentlicht am 28.04.2019